Die Geschichte im Sog der Premier League

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Auf den ersten Blick ist es nur eine Frage des Geldes. Wie so oft. In England gibt es ernsthafte Überlegungen, das „National Football Museum“ von seinem bisherigen Standort in Preston (Lancashire) nach Manchester zu verlegen. Während ein Teil des Museumsbestands in Preston verbleiben könnte, würde es große Ausstellungen nur noch in der Heimatstadt von ManU und Man City geben.

Die Aussagen von Museumsdirektor Kevin Moore und dem Stiftungsvorsitzenden Paul Dermody sind klar: Es fehlt an Fördermitteln und im größeren Manchester wären nicht nur die leichter zu bekommen, sondern auch mehr Besucher zu erwarten. Hintergrund der aktuellen Geldknappheit des Museums ist der Wegfall von über 300.000 Pfund an Fördergeldern, die der „Football Stadium Improvement Fund“ jährlich überwies – dieses Geld soll zukünftig in den Breitensport fließen.

Das „National Football Museum“ wurde 2001 am Stadion von Preston North End, Deepdale, eröffnet. PNE, so die Kurzform des Vereinsnamens, hat seit 1961 nicht mehr in der höchsten englischen Spielklasse gespielt. Immerhin sind die ‚Lilywhites‘, so der Spitzname, in diesem Jahrtausend  ununterbrochen Zweitligist. Deepdale ist ein schönes Stadion (so weit ich das anhand von Bildern beurteilen kann) mit gut 23.000 Plätzen. Vermutlich aufgrund der langen Erstliga-Abstinenz kamen in der letzten Saison durchschnittlich ’nur‘ 13.500 Zuschauer. Trainer der Lilywhites ist der unaufgeregte Schotte Alan Irvine, der die Mannschaft mit begrenzten finanziellen Mitteln ins Play Off-Halbfinale (Platz 6 in der Liga) führte, wo sie mit einem Gesamtresultat von 1:2 Sheffield United unterlagen.

Man merkt es wahrscheinlich schon, auch für diesen englischen Klub hege ich Sympathien. Es gibt aber auch handfeste Gründe für den Verbleib des „National Football Museum“ in Preston. Das Museum beschäftigt sich mit Geschichte und davon hat dieser Verein und dieser Ort reichlich. PNE war 1888 Gründungsmitglied der englischen Football League und gleichzeitig erster Meister und Doublegewinner. Deepdale ist außerdem der einzige Ort, an dem seither durchgehend Ligafußball gespielt wird (auch wenn das Stadion natürlich umgebaut wurde).

Aber solche ideellen Werte haben die Entscheidungsträger des englischen Ligafußballs bisher nicht dazu bewegen können, einen geringen Teil der jährlich erzielten Einnahmen für den Erhalt des Museumsstandorts Deepdale/Preston aufzuwenden. Für die Stadt mit ihren knapp 132.000 Einwohnern, die im Nordwesten Englands liegt und unter ähnlichen Problemen zu leiden hat wie viele Städte in der Region, wäre eine Abwanderung des prestigeträchtigen Museums ein herber Schlag.

Manchester lockt mit dem größeren Einzugsgebiet und dem Erfolg seiner beiden Premier League-Klubs. Fußball ist ‚in‘ in der Stadt. Noch ist allerdings keine endgültige Entscheidung über einen Umzug gefallen. Mit Bobby Charlton hat sich eine englische Fußball-Legende hinter den Standort Preston gestellt. Außerdem hat die in Preston erscheinende Lokalzeitung „Lancashire Evening Post“ bei Museumsdirektor Moore nachgefragt und erfahren, dass ein Umzug bis zu 10 Millionen Pfund kosten könnte. Auch im Mutterland unseres Lieblingssports geht die Auseinandersetzung zwischen Tradition und Geld in eine neue Runde – es bleibt spannend und vielschichtiger als auf den ersten Blick.

(Quellen: LEP, Wikipedia zu Deepdale, Preston North End)

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2 Gedanken zu “Die Geschichte im Sog der Premier League

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