BL 5.Spieltag / BVB 1 Bayern München 5

Ein Superstar zu viel.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Santana, Subotic, Owomoyela – Hummels – Sahin, Tinga – Rangelov (62. Großkreutz), Zidan (62. Barrios), Kuba (71. Valdez). Tor: Hummels.

Fangen wir mit dem Umstrittenen an. Jung und verdorben II – in der Hauptrolle Bastian Schweinsteiger. Mal ehrlich, die Lausbubenzeiten, damals mit der ‚Cousine‘ im Pool oder Podolski bei der WM, sind lange vorbei. Schon vor dem Spiel war Schweinsteiger für mich das rote Tuch bei Bayern – viel mehr als ein van Bommel oder gar ein Uli Hoeneß, dessen im Ton zwar übertriebene, aber im Kern richtige Kritik an den Länderspielterminen ich teile. Schweinsteiger gegen Tinga gestern, das war beileibe nicht die erste fiese Aktion des überschätzten Nationalspielers.

Was ist passiert? Schweinsteiger tritt zweimal (!) auf den am Boden liegenden Tinga, einmal auf dessen Bein, einmal auf den Arm. Mit voller Absicht und nicht aus dem laufenden Spiel im Kampf um den Ball. Tinga wälzt sich nicht mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden. Schiedsrichter Knut Kircher gibt nur Freistoß; obwohl er die Szene nicht perfekt gesehen haben kann (er kommt erst angerannt), fragt er nicht beim vierten Schiedsrichter nach. Was ist das anderes als eine Tätlichkeit? Gelten nur Ellbogenschläge als solche? Was wäre passiert, wenn Tinga auf den deutschen Nationalspieler Schweinsteiger getreten wäre? Das ist Spekulation, aber eine, die sich anzustellen lohnt.

Schweinsteiger trifft in der zweiten Halbzeit mit einem Sonntagsschuss zum 1:2. Hätte der BVB gegen zehn Bayern gewonnen? Keine Ahnung. Hätte der BVB gegen dezimierte Bayern 1:5 verloren? Nein!

Kommen wir von dieser unerfreulichen Episode zum unerfreulichen Rest des Spiels. Es begann jedoch, für Dortmund nicht charakteristisch, erfreulich. Die Schwarz-Gelben waren gleich voll da und ließen die Bayern nicht zur Entfaltung kommen. In der 10. Minute erzielte ausgerechnet Mats Hummels per Kopfball nach einem Freistoß von Sahin das 1:0. Man durfte von schönen Geschichten träumen, und der BVB setzte nach, hatte mehrere Möglichkeiten, zu erhöhen. Es ist so banal, dass es weh tut, aber gegen eine Spitzenmannschaft muss man solche Chancen nutzen. So aber gab es das 1:1. Keinen Vorwurf hier an Kircher, es war schwer zu entscheiden, ob Gomez im Abseits stand. Der Ball kam von van Buyten, aber berührte noch Subotic.

Dann war Pause und danach wechselt der FCB halt mal eben einen Franck Ribery ein. Dazu noch Nachwuchsmann Thomas Müller. Und das war offensichtlich zu viel für die BVB-Defensive. Es folgten vier Bayern-Tore. Wobei der Freistoß, den Ribery verwandelte, glücklich für den FCB war. Es bringt aber nichts, die Leistung der zweiten Halbzeit nur auf die Übermacht des Gegners zu schieben. Beim zweiten und vierten Gegentreffer wirkten unsere Abwehrspieler lethargisch oder unbeholfen, setzten nicht richtig nach oder kriegten den Ball nicht weg. Schweinsteigers Schuss muss Weidenfeller außerdem halten. Es mag auch die Kraft nach einer Energieleistung in der ersten Hälfte gefehlt haben – beruhigend ist das trotzdem nicht.

Obwohl dem BVB nicht die Moral fehlte und nicht der Wille, immer wieder aufzustehen – die Versuche waren da, aber weit weniger gefährlich als in der ersten halben Stunde. So gibt es also nach 16 ungeschlagenen Spielen im Westfalenstadion gleich die höchste Heimniederlage überhaupt. Und es gibt Fragen, die ich schon gestellt habe, die aber aktuell bleiben:

1. Wurde von den Verantwortlichen angesichts der in der letzten Saison stabilen Abwehr zu viel in die Offensive investiert und die Defensive vernachlässigt? Hinten fehlt es an überzeugenden Alternativen, vor allem zu Owomoyela.

2. Wurde Florian Kringe, der übrigens gleich beim ersten Einsatz für Hertha BSC nach 13 Minuten verletzt ausgewechselt wurde, aus rein finanziellen Motiven abgegeben? Hat man seine sportlichen Qualitäten, seinen Wert als Chrarakter (bewusst) missachtet?

Was man Watzke, Zorc und Klopp nicht anlasten kann, ist, dass maßvoll investiert wurde. Auf die Probleme, die es jetzt in Gelsenkirchen gibt, können wir gerne verzichten. Wir müssen mit einem Kader leben, der uns nach momentanem Stand der Dinge nicht befähigt, oben mitzuhalten. Die Rückkehr von Sebastian Kehl könnte helfen und die Mannschaft kann noch besser werden. Die Alternativen im Mittelfeld sollten erprobt werden (Bender, Feulner), Mats Hummels könnte eine Chance in der Innenverteidigung erhalten. Der BVB ist nicht am Ende seiner Möglichkeiten, aber er muss anfangen, sie zu nutzen.

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5 Kommentare

  1. @Nick wg.
    „Was ist passiert? Schweinsteiger tritt zweimal (!) auf den am Boden liegenden Tinga, einmal auf dessen Bein, einmal auf den Arm. Mit voller Absicht und nicht aus dem laufenden Spiel im Kampf um den Ball. Tinga wälzt sich nicht mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden.“

    Wie schon an anderer Stelle (bei Paule) geschrieben, irrst du dich hier meiner Meinung nach.

    Unter youtube.com/watch?v=mQe1T0dhxLk&feature=related ist die Szene in Zeitlupe dabei und da würde ich jetzt auch nicht unbedingt zwingend auf eine Tätlichkeit von Schweinsteiger schließen. Sicher, er tritt ihm zuerst auf das Bein, nachdem er das selbige aus der Umklammerung von Tinga heraus bekommt (By the way: Warum klemmt Tinga Schweini’s Bein ein?), aber dann tritt er ihm m.E. überhaupt nicht auf den Arm, was daran zu erkennen ist, dass Tinga’s Hand des selben Arms an Schweini’s Ferse ist, als die Szene sich gerade auflöst (1:19 bis 1:21 im o.g. Video). Schau’ doch bitte noch einmal genau hin.

    Was den Tritt auf das Bein angeht, hatte ich nicht den Eindruck, dass es wirklich ein solcher war. Also auch meiner Meinung nach keine klare Tätlichkeit, auch wenn man es ggf. enger sehen könnte, was ich ja gar nicht bestreiten will.

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  2. Wie ich auch drüben gesagt habe: Beim ‚zweiten Tritt‘ hast du möglicherweise Recht, es könnte auch sein, dass Schweinsteigers Fuß knapp neben Tingas Arm aufkommt – ist schwer zu erkennen.

    Beim Tritt auf Tingas Bein ist Schweinsteigers Bein mMn nicht eingeklemmt und er muss auch nicht einen Schritt machen, um sicher zu stehen – das tut er schon. Es ist eine aktive, absichtliche Bewegung und Stollen auf Bein, mit Gewicht drauf, ist für mich brutal, also eine Tätlichkeit.

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  3. Sorry, wie „nebenan“ bemerkt, seh‘ ich das nach wie vor anders und schon gar nicht so „brutal“.

    Wie im Video zu sehen, hat sich Tinga unmittelbar nach der Aktion keineswegs vor Schmerz gekrümmt. Deshalb glaube ich nicht an einen „nachhaltigen“ Tritt auf sein Bein, sondern eher an ein Versehen* aufgrund der „Beinklemme“ zuvor.

    Wg. „Beinklemme“ finde ich, dass man das bei 1:15/1:16 im Video schon erkennt.

    * Das ist natürlich subjektiv von mir und relativ von uns beiden, weil weder du noch ich wissen, ob es Absicht war oder eben nicht. War es Absicht, dann war es auch eine Tätlichkeit.

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  4. Wir werden das natürlich nicht auflösen können. Ich sehe aber die entscheidenden Sekunden anders als du: Schweinsteiger steht sicher auf seinem rechten Bein und macht dann, wie man mMn auf den Bildern deutlich sieht, eine aktive Bewegung; er verlagert sein Gewicht aufs andere Bein und bohrt Tinga die Stollen ins Bein.

    In dieser Szene hat Tinga Schmerzen, das siehst du am Gesicht und daran, dass er sein anderes Bein hebt. Vielleicht hätte es eine Karte gegeben, wenn er noch eine große Show gemacht hätte, so ist das halt leider.

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