1. Bundesliga, 7. Spieltag / BVB 0 Schalke 1

Standard

Starke Stücke.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Santana, Subotic, Owomoyela – Hummels (62. Großkreutz) – Sahin, Tinga – Hajnal (75. Rangelov) – Zidan, Barrios (62. Valdez). Tor: Wembley.

Der S04 holt in Dortmund einen extrem glücklichen Derbysieg. Um es vorwegzunehmen: Wir haben allen Grund uns zu beklagen. Als Fan muss man da kein Blatt vor den Mund nehmen. Es gab mehrere Fehlentscheidungen von Schiedsrichter Stark, alle zu Lasten des BVB. Nicht bei den Dortmunder ‚Toren‘: Beim Wembley-ähnlichen Tor war der Ball tendenziell nicht voll hinter der Linie, das Abseitstor war Abseits. Jedoch beim Schalker Tor: Bevor Farfan schießt, zwingt er erst mal Schmelzer zu Boden. Eine Aktion, die deutlich über der normalen Schwelle zum Stürmerfoul lag. Der Stürmer verschaffte sich mit illegitimen Mitteln einen Vorteil.

Schiedsrichter Stark hatte sich offensichtlich vorgenommen, vor der Südtribüne nicht so viel zu pfeifen. Vor allem keine Elfmeter. Denn er ist FIFA-Schiedsrichter und da kommt es nicht so gut, wenn man vor der größten Heim-Tribüne Deutschlands Elfmeter pfeift. Vielleicht ließ er deshalb in der zweiten Halbzeit weiterspielen, als der eingewechselte Großkreutz im Strafraum mit einem Tritt gegen den Knöchel gelegt wurde. Oder als später Santana mit einem deutlichen Schubser am Kopfball gehindert wurde. Deutlicher als es die normale Zweikampfhärte im Strafraum erlaubt. Da ist es natürlich bequem, wenn man nach dem Schlusspfiff aufgrund einer FIFA-Anweisung keine Interviews geben darf. Wobei ich Stark immerhin zutraue, dass er sich ansonsten geäußert hätte.

Kommen wir zum Sport. Da konnte keine der beiden Mannschaften längere Zeit überzeugen. Jürgen Klopp begann ohne Dede und Bender, die fit genug für die Bank waren, aber nicht von Anfang an spielen sollten. Die Schalker wirkten in den ersten zehn Minuten etwas zielstrebiger, aber danach übernahm der BVB die Kontrolle. Und hatte die Chancen. Vor allem Lucas Barrios, der zunächst ähnlich engagiert und spielfreudig auftrat wie im Pokal. Jedoch blieb ihm ein Treffer gestern verwehrt. Seine letzte gute Möglichkeit war die knappste. Lucas Schuss wurde abgefälscht, traf die Latte und sprang von dort auf oder hinter die Linie. Sagen wir hinter mit Berührung, das macht die Enge der Situation deutlich. Danach gelang Barrios bis zu seiner Auswechslung nicht mehr viel.

Die einzige wirklich gelungene Offensivaktion der Gäste in der ersten Halbzeit, ein Konter, führte zum Tor. Unter den genannten Umständen. Das Problem danach: Den Schwarz-Gelben schienen gegen eine starke Defensive die Mittel zu fehlen. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Trotzdem darf die Qualitäts(= Geld-)frage keine Ausrede dafür sein, warum eklatant viele hohe Bälle gespielt wurden. Die gegen eine wache Viererkette fast immer ineffektiv sind. Vieles war in der zweiten Hälfte überhastet. Dem BVB ging im Derbyfieber die Ruhe verloren, daher wahrscheinlich die klassisch englische Spielweise und die Abseitspositionen. Ein paar  Zweifel habe ich dementsprechend auch am Wechsel Rangelov für Hajnal nach 75 Minuten. Es fehlten nämlich weniger offensive Leute auf dem Platz als vielmehr die Kreativität. In der letzten Viertelstunde kam bis auf eine halbe Chance von Valdez kurz vor Schluss  nichts Zwingendes mehr von Schwarz-Gelb. Von den Gästen war allerdings auch erst wieder etwas zu sehen, als Dortmund aufmachte. Altintop scheiterte an seinem Unvermögen, Sanchez am gut aufgelegten Weidenfeller.

Nach Spielschluss leistete sich anscheinend Gästetorwart Manuel Neuer noch eine charakteristische Aktion. Nach Aussagen mehrere Dortmunder Spieler soll er Großkreutz mit dem Ellbogen ins Gesicht geschlagen haben. Unbemerkt von allen Fernsehkameras. Der echten Aufregung der Schwarz-Gelben nach zu urteilen, war da was dran. Neuer tat später vor den Kameras so, als ob ihm in einem Fernsehkrimi vom Kommissar das Bild eines Mordverdächtigen vorgelegt würde. Großkreutz? Nie gesehen. So wird das bestimmt noch was mit der Nationalmannschaft. Es sei denn, ein Fan hätte doch mit dem Handy mitgefilmt…

Es fällt schwer, nach diesem Derby ein Fazit zu ziehen. Die Einstellung der Mannschaft war hervorragend, führte aber zu der angesprochenen Hast. Die Qualitätsfrage stellt sich weiterhin. Allerdings wurde der BVB gestern massiv benachteiligt. Deswegen: Auch wenn wir heute auf den Relegationsplatz abrutschen sollten, ist jetzt nicht die Zeit für heftige Kritik, sondern eher für die zeitlose (Fußball-)Hymne aus dem Musical „Carousel“, in der Version von Gerry & The Pacemakers. Sturm und erhobene Köpfe und so.

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10 Gedanken zu “1. Bundesliga, 7. Spieltag / BVB 0 Schalke 1

  1. Bernd

    Es ist richtig, dass die Schiedsrichter-Entscheidungen das Derby entschieden haben. Dennoch hat man auch gestern wieder gesehen, mit welch‘ unterschiedlicher Arbeitsauffassung die BVB-Spieler die aktuelle Saison bestreiten. Von Hajnal war kaum etwas zu sehen, Sahin war unterer Durchschnitt, Owomoyela spielt wie in den vorherigen Spielen die Begleit-Eskorte für gegenerische Stürmer … nennenswerte Offensiv-Aktionen finden doch derzeit nur statt, wenn Santana und/oder Schmelzer unter Ausschaltung des eigenen Mittelfelds den Ball nach vorne bringen.

    Derzeit spielen wir konstant 6 gegen 11.

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  2. Das Mittelfeld ist sicher ein großes Problem. Nur Sahin hat da, abgesehen von gestern, Normalform. Ich denke, das Fehlen von Kehl und die Formschwäche von Kuba machen sich extrem bemerkbar. Wenn zwei so wichtige Spieler ‚ausfallen‘, haben wir auch ein Qualitätsproblem. Zumindest gestern hat es mMn nicht an der Einstellung gemangelt.

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  3. Also, wenn das alles war zwischen Neuer und Großkreutz was heute beim WDR gezeigt wurde, dann ist das Verhalten der Dortmunder Spieler sehr, sehr lächerlich. Das war nun wirklich nix.

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  4. @Bernd: Man sollte eine gewisse Limitiertheit der Spielanlagen nicht mit mangelndem Willen verwechseln. Ich hab das Spiel live gesehen, und es war nicht so, als hätten unsere Jungs nicht gewollt. Sie können es nur grad einfach nicht besser.
    Und Herr Neuer ist für mich kein Nationaltorhüter.

    Nick, Du hast alles richtig gemacht. Ich hab mir auch diverse Male gewünscht, noch beim Seebrückenfest in Zinnowitz zu sein. ;-)

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  5. @Hirngabel: Wenn das alles war, dann war das in der Tat kein Ellbogenschlag. Aber zwei angedeutete, mMn nicht unabsichtliche Bewegungen Richtung Kopf von Großkreutz, erst mit dem Kopf nach hinten, dann mit der Hand. Bisschen wenig für die getätigten Aussagen, stimmt schon.

    @Kirsten: Ja, das war das einzig Gute am Samstag. Die Entscheidung fiel eigentlich beim Bayern-Spiel. Als es 1:0 für uns stand habe ich gesagt, wenn wir das gewinnen, fahre ich gegen alle Vernunft zum Derby. Ergebnis bekannt. :-(

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  6. MarkusC63

    Du schreibst zu Neuer/Großkreutz:

    „So wird das bestimmt noch was mit der Nationalmannschaft. Es sei denn, ein Fan hätte doch mit dem Handy mitgefilmt…“

    Nun wissen wir: Es HAT einer mitgefilmt. Und danach sollte man sich eigentlich fragen ob Herr Großkreutz noch in der Bundesliga spielen darf. Dass er den FC Schalke hasst, hat er ja schon gesagt aber so etwas mit einem Kollegen abzuzuiehen (egal von welchem Verein) zeugt von einem extrem fiesen Charakter.

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  7. Jetzt sollten wir mal wieder aufhören mit der Schwarz-Weiß-Zeichnung. Ich habe das -unter Vorbehalt- in meinem Spielbericht auch gemacht; vielleicht verständlich, nachdem wir im Spiel offensichtlich verpfiffen wurden.

    Nach Auftauchen der Bilder sind die Medien, inkl. WDR, jetzt umgeschwenkt: Neuer ist reingewaschen und Großkreutz das schwarze Schaf. Das trifft es aber auch nicht. Die Bilder entkräften nicht den Vorwurf, dass Neuer einen Kopfstoß versucht haben könnte (unnatürliche Kopfbewegung Richtung Großkreutz) und bei seiner Handbewegung könnte er Großkreutz leicht am Kinn getroffen haben. In der Szene tut er penetrant so, als ob er Großkreutz ignoriert (gemäß seiner früheren Aussage „wer ist dieser Großkreutz“), deswegen wird jetzt nicht mehr auf Details geachtet.

    Großkreutz stellt die Handbewegung völlig überzogen dar. Ist nicht fein. Aber sind das die vielen Schwalben, die wir alle Woche für Woche ertragen müssen? Da beharren die Übeltäter häufig auch darauf, dass der Gegner sie getroffen habe.

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