1. Bundesliga, 8. Spieltag / Mönchengladbach 0 BVB 1

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Besser als letztes Mal.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Hummels, Subotic, Owomoyela –  Sven Bender – Sahin, Tinga – Hajnal (86. Großkreutz) – Barrios (78. Valdez), Zidan (61. Kuba). Tor: Barrios.

Es war die Rückkehr in den Nordpark, die Spielstätte, an der der BVB vor knapp viereinhalb Monaten leichtfertig die Teilnahme an der Europa League verspielte. Dieses Mal ging es um ganz andere Dinge und alle Schwarz-Gelben werden froh sein, dass es besser lief als im Mai. Vom Spielerischen kann man das nicht sagen, aber Dortmund war das bessere Team.

Jürgen Klopp hatte die notwendigen Veränderungen vorgenommen, Hummels anstelle des formschwachen Santana in die Innenverteidigung beordert und Sven Bender auf die Kehl-Position. Das Erfreulichste am BVB-Spiel war, dass das Duo hinten drin gut harmonierte und nur sehr wenige Gladbacher Chancen zuließ, die meisten davon Weitschüsse. Damit ist ein Grundstein für erfolgreichere Zeiten gelegt, aber die Bauarbeiten müssen weitergehen. Die Außenverteidiger können noch nicht überzeugen. Owomoyela war gestern offensiv engagierter als zuletzt, aber hat weiterhin eine zu hohe Fehlpassquote. Dede muss sich, gemessen an früheren Leistungen, deutlich steigern.

Wenn man nach Gründen sucht, warum das Spiel nach ein paar munteren Minuten zu Beginn über weite Strecken der ersten Hälfte sehr schwach war, kommt man auf Dortmunder Seite wieder nicht um eine Mittelfeld-Kritik herum. Von Bender, der seine defensiven Aufgaben ordentlich löste, ist vielleicht noch nicht mehr zu erwarten. Sahin hat seine gute Form aus den ersten Spielen eingebüßt und hatte nur wenige gelungene Aktionen. Tinga kann man zwar das unermüdliche Arbeiten zugutehalten, aber es mangelt an Effektivität und Präzision – wenn man ehrlich ist, war bei seiner ‚Vorlage‘ zum 1:0 durch Barrios viel Glück im Spiel. Tamas Hajnals Formkrise dauert an. Die Frage ist, ob sie mit dem Fehlen von Sebastian Kehl zusammenhängt, wie Hajnal schon mal angedeutet hat, oder ob diese Erklärung zu kurz greift. Eigentlich darf ein Spieler nicht so abhängig von einem anderen sein.

Was die Schwarz-Gelben besser machten als beispielsweise im Derby, zeigte sich besonders deutlich in der ersten Viertelstunde nach Wiederanpfiff. Es bleibt ein Geheimnis, was Jürgen Klopp den Spielern für den Fall angedroht hat, dass sie hohe Bälle schlagen – vielleicht ein Vapiano-Verbot – aber sie hielten sich erstaunlich konsequent an seine Vorgaben. Über weite Strecken führte das zu Mittelfeld-Geplänkel, wirkte aber trotzdem souveräner als das völlig uneffektive Kick-and-Rush von letzter Woche. In der Phase, in der die ’neue‘ Spielweise funktionierte, vergaben leider Barrios und Zidan die Chancen zur Vorentscheidung.

Damit zu den verbleibenden Einzelkritiken: Lucas Barrios gelang in sehenswerter Manier das lang ersehnte erste Ligator. Ein schöner Schuss aus der Drehung aus etwa 18 Metern. Er hätte noch ein weiteres Tor machen können, aber hoffen wir mal, dass das gestern der entscheidende Durchbruch war. Zidan trat spiel- und dribbelstark auf, nutzte aber seine Chancen nicht. Folgerichtig kam die Auswechslung gegen Kuba, der seinerseits gegen Ende des Spiels noch ein paar gute Szenen hatte. Jedoch bleibt da noch viel Luft nach oben – ich würde ihn trotzdem gegen Bochum mal wieder von Beginn an bringen, wenn er fit ist. Roman Weidenfeller zeigte sich von den Ereignissen der Woche unbeeindruckt und reagierte in den zwei, drei Situationen, in denen es brenzlig wurde, souverän.

Der BVB muss sich steigern, um gegen Mannschaften anderen Kalibers zu bestehen. Es wurden aber gestern Grundlagen gezeigt, die Hoffnung machen. Eine stabilere Innenverteidigung und die Rückbesinnung auf eine Spielweise, die uns in der letzten Saison stark gemacht hat. Nun gibt es leider wieder eine Länderspielpause, die keinen Fortschritt bei den Krankmeldungen bringen wird (zur Zeit ist nur Sebastian Kehl betroffen), aber verhindert, dass die Mannschaft zusammen trainiert. Davon sind natürlich alle Vereine betroffen. Anschließend kommt der VFL Bochum die wenigen Kilometer ins Westfalenstadion – eine Partie, in der der BVB nachlegen muss, wenn man mittelfristig von den zweistelligen Tabellenplätzen wegkommen will.

Zum Abschluss noch ein Wort zu Rolf Rüssmann, der am Freitag im Alter von 58 Jahren verstorben ist und gestern vor dem Spiel mit einer Gedenkminute geehrt wurde. Anfang der 1980er Jahre spielte Rüssmann 149 Bundesliga-Partien für den BVB, zuvor jahrelang für den FC Schalke und kurzzeitig für den FC Brügge. Als Manager war er in Gelsenkirchen, beim gestrigen Gegner Mönchengladbach und in Stuttgart tätig. Als vor kurzem in Gelsenkirchen wieder ein Manager gesucht wurde, habe ich spontan an ihn gedacht. Ich wusste allerdings nicht, dass er damals vermutlich schon sehr krank war. Obwohl ich während Rüssmanns BVB-Zeit noch zu jung war, um es richtig mitzukriegen, erinnere ich mich doch noch an den Ruf, den er sich in diesen Jahren erworben hat und der ihn auch nach Beendigung seiner Spieler-Laufbahn begleitete.

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