Eine Wiederholung zu viel

Der Geschäftsführer der Borussia Dortmund KgaA, Hans-Joachim Watzke, ist ein Mann der offenen Worte. Manchmal macht er auch einfach zu viele. Die vergangenen Tage sind dafür wieder einmal Beispiel gewesen. Am Sonntag nahm Watzke an der Mitgliederversammlung des Vereins in der Westfalenhalle teil. Während seiner Rede ließ er noch einmal die entscheidende Szene vom letzten Spieltag der vergangenen Saison, die Abseitsposition mehrerer HSV-Spieler vor deren Siegtor gegen Frankfurt, einspielen – um zu illustrieren, dass der BVB „nur wegen dieser Fehlentscheidung“ nicht international spiele.

Ich bin wohl nicht der Einzige, dem diese Darstellung zu einfach und selbst für eine Mitgliederversammlung zu populistisch ist. Man kann nicht diese Szene zeigen und unerwähnt lassen, dass ein weiteres BVB-Tor gegen in der zweiten Halbzeit so gut wie gerettete Gladbacher gereicht hätte, um Platz 5 zu verteidigen.

Am Dienstag war Aki Watzke bei einer weiteren Versammlung, der der BVB-Aktionäre, erneut in der Westfalenhalle. Diesmal echauffierte er sich über den Geldregen des Dietmar Hopp, der unserem nächsten Gegner TSG Hoffenheim erst ermöglicht habe, dorthin zu kommen, wo sie momentan stehen. In der Sache ist das natürlich richtig und unbestritten, aber der Tonfall war überflüssig und das erneute Entfachen der Empörung irgendwie langweilig. Am nächsten Tag bat Watzke die Dortmunder Fans dann um Mäßigung bei der kommenden Auswärtsfahrt.

Ebenso unnötig wie populistisch fand ich seine Einlassungen zu einem möglichen neuen Verteilungsschlüssel für die Fernsehgelder. Dabei kritisierte er insbesondere die Werksvereine und wieder Hoffenheim und benutzte erneut den Begriff der „Verursachergerechtigkeit“. Gemeint ist letztendlich, dass die Vereine mit den meisten Fans auch das meiste Fernsehgeld kassieren sollten. Schöne Idee – aber wie sollte das in der Praxis umsetzbar sein? Außerdem wäre es weniger im Sinne des sportlichen Wettbewerbs als die jetzige Regelung, denn Fanstrukturen ändern sich langsamer als Platzierungen. Aki Watzke hat in den letzten Jahren einen guten Job für Borussia Dortmund gemacht – bei seinen öffentlichen Äußerungen sollte er sich jedoch eher an BVB-Präsident Rauball orientieren.

Nun fahren die Schwarz-Gelben morgen also ausgerechnet nach Sinsheim. An den Hoeneß-Effekt vorausgeschickter Worte habe ich noch nie so richtig geglaubt. Ob die Spieler sich gegen den Tabellenvierten wieder so gut präsentieren wie beim letzten Auswärtsspiel und etwas mitnehmen, wird nicht von Hans-Joachim Watzke abhängen. Sven Bender wird in den Kader zurückkehren und vielleicht sogar von Beginn an spielen. Tingas Nominierung nach seiner Verletzung könnte davon abhängen, ob der leicht angeschlagene Nelson Valdez dabei sein kann. Hält unser Lauf gegen spielstarke Gegner an? Hoffnung und Skepsis halten sich bei mir die Waage.

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