1. Bundesliga, 14. Spieltag / TSG Hoffenheim 1 BVB 2

Aufgeriebene Nerven.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Großkreutz, Zidan (80. Feulner), Kuba (90. Santana) – Barrios. Tore: Kuba, Sahin (FE).

Das ist die wunderbare Welt des Fußballs. Nach einem desillusionierenden Spiel letzte Woche gegen Mainz gelingt dem BVB nun tatsächlich der Auswärtssieg in Sinsheim und aufgrund der übrigen Ergebnisse ist sogar der Anschluss an Platz 5 wiederhergestellt. Es war ein wahrhaft nervenaufreibendes Spiel, vor allem in der zweiten Halbzeit, aber nach dem guten Ausgang weiß man das dann zu schätzen. Sven Bender war wieder einsatzfähig und kehrte ins defensive Mittelfeld zurück, so dass Mats Hummels und Neven Subotic wieder das Erfolgsduo in der Innenverteidigung bilden konnten. Für den verletzten Nelson Valdez kam Kevin Großkreutz zu seinem ersten Einsatz von Beginn an.

Letzte Woche gegen Mainz wartete man über 90 Minuten vergeblich, gestern konnten die BVB-Fans schon nach zwei Minuten jubeln. Nach einem Ballverlust von Salihovic spielt Sahin den Ball auf Barrios, der sehenswert in den Lauf von Kuba weiterleitet. Der war zuletzt eher Chancentod als Vorbereiter oder gar Vollstrecker, aber gestern gelang ihm mit einem souveränen Schuss die Führung. In der Folge war Hoffenheim erwartungsgemäß die spielbestimmende Mannschaft, strahlte aber überraschend wenig Torgefahr aus. Natürlich lag das zu einem großen Teil an der Zweikampfstärke unserer neuen Traum-Innenverteidigung. Mats und Neven trugen erheblich mehr zur defensiven Stabilität bei als die Außenverteidiger Schmelzer und Owomoyela.

Nach vorne war das Spiel der Schwarz-Gelben auch gestern nicht so berühmt. Viele Angriffe werden nach wie vor durch ungenaue Pässe zunichtegemacht, aber das kann noch werden. Wenn das Spiel gestern für Kuba eine Initialzündung war oder wenn Nuri Sahin noch konstanter wird. Es ist aber erstaunlich, wie viele Ausfälle die Mannschaft durch Engagement und Leidenschaft wettmachen kann. Wir haben schließlich gegen ein Hoffenheim in Beinahe-Bestbesetzung gespielt. Diese Einstellung verkörpert der Trainer – das sollte man nach diesem tollen Sieg mal wieder betonen.

Es gab wenige Torszenen in der ersten Halbzeit. Die größte Chance hatte kurz vor der Pause wiederum der BVB. Nach einem Pass von Zidan steht Kevin Großkreutz etwa 2-3 Meter vor dem Tor und dem herausstürzenden Hildebrand frei, verzieht den Ball aber über die Latte.

Klar war, dass Ralf Rangnick eine „eindringliche“ Halbzeitansprache halten würde und die Gastgeber motiviert auf den Platz zurückkehren würden. Daher war der schnelle Ausgleich nach der Pause ärgerlich, aber nicht sonderlich überraschend. Es war eine Ecke, bei der der sonst starke Hummels den in seinem Rücken wartenden Demba Ba zum Kopfball kommen ließ. Wer jetzt gedacht hätte, der BVB gibt das Spiel danach komplett aus der Hand und geht im Hoffenheimer Offensivwirbel unter, täuschte sich. Die Schwarz-Gelben sind diese Saison für jede Überraschung gut und hielten sehr ordentlich dagegen. Barrios und Schmelzer kamen zum Schuss, trafen aber nicht.

Fast Forward in die denkwürdige Schluss-Viertelstunde, in der Schiedsrichter Kempter in den Mittelpunkt des Geschehens rückte. Ba bleibt in der Dortmunder Hälfte verletzt liegen, Sahin schlägt den Ball vor, Kempter pfeift jedoch nicht ab, sondern erst kurz bevor Zidan den Ball über den herauseilenden Hildebrand aus etwa 40 Metern ins Tor lupft. Ein Fehler? Das Problem ist ja bekannt: Ein Schiedsrichter muss entscheiden, ob ein Spieler wirklich verletzt ist, wenn die andere Mannschaft den Ball nicht ins Aus spielt. Und warum sollte die das immer tun? Alle kennen doch die Sitten in der Bundesliga. Kempter hätte gleich pfeifen können, aber das fördert nur diese Sitten. Demba Ba konnte jedenfalls ohne Probleme weiterspielen. Kein echter Vorwurf deshalb an den Schiedsrichter. Der Zeitpunkt des Pfiffes war unglücklich, aber er konnte nicht ahnen, dass ein Tor folgen sollte.

Kurz darauf gab es Elfmeter für Dortmund, den der bekannt schlechte Verlierer Ralf Rangnick nach dem Spiel als Konzessionsentscheidung brandmarkte. Da ist nun mal gar nichts dran. Simunic umklammert Subotic, hält ihn zurück, viel länger als dass es ungeahndet hätte bleiben können. Dumm, weil keine unmittelbare Gefahr durch Subotic bestand. Nuri Sahin verwandelte den Elfmeter, obwohl Hildebrand die Ecke ahnte.

Die rote Karte gegen Maicosuel auf der anderen Seite, als Weidenfeller vor einem zu wiederholenden Eckball das Leder nicht gleich freigab und der Brasilianer daraufhin kraftvoll auf den Ball schlug, war vertretbar, auch wenn Weide etwas theatralisch zu Boden ging. Das sehe ich nicht so gern, aber so harmlos, dass Weidenfeller gar nichts gespürt haben kann, war der Schlag auch nicht. Ibisevic zerrte im folgenden Rudel noch Owomoyela an den Haaren, was streng genommen auch eine rote Karte ist, aber das wäre in der Situation vielleicht zu viel gewesen. Ob Kempter das wahrgenommen hat, wird möglicherweise noch ein DFB-Verfahren gegen Ibisevic klären.

Es folgten spannende Schlussminuten, in denen Hoffenheim trotz Unterzahl natürlich alles nach vorne warf und der BVB zu aussichtsreichsten Kontern kam. Es war das erste Mal, aber bei den zwei Riesenchancen von Lucas Barrios habe ich mich schwarzgeärgert über unseren Torjäger. Die erste hätte er besser platzieren müssen, denn er schießt Hildebrand direkt in die Arme. Gut, das kann ausnahmsweise mal passieren. Bei der zweiten Szene ist Feulner mitgelaufen, die beiden stürmen allein auf Hildebrand zu und Barrios versucht den Torwart zu überlupfen. Er hätte ihn umspielen können, besser noch abziehen oder auf Feulner zurücklegen, aber es muss wenige Minuten vor Schluss unbedingt was besonderes sein. Und das gegen Hoffenheim. Die natürlich kurz vor Schluss noch einen aussichtsreichen Freistoß haben. Was wäre wenn der reingegangen wäre? Er ist es glücklicherweise nicht und nun ist es an Jürgen Klopp, gegenüber Lucas die passenden Worte zu finden.

Der BVB-Sieg war verdient, die Leistung sehr couragiert und Hoffenheim kann sich allenfalls wegen einer Szene beschweren, einem Freistoß, bei dem Feulner in der Mauer den Ball mit dem Ellbogen zu spielen scheint. Sven Bender, Nuri Sahin, Mohamed Zidan, die Innenverteidigung, zeitweise Kuba – man kann viel Lob verteilen. Und trotz der Nerven, die das gestern gekostet hat, ist es doch so, wie Neven Subotic nach dem Spiel sagte:

Für mich sind es die schönsten Siege, um die man bis zur letzten Sekunde kämpfen muss.

Wen kümmern da noch der Vorlauf oder die Nebengeräusche?

Advertisements

2 Kommentare

  1. Hut ab!

    Als Hoffenheim-Fan wollte ich mal lesen was die Blogger des Gegners schreiben – und ich muss sagen: Ein sehr qualifizierter Spielbericht, rundum sehr gelungen!

    Weiter so!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s