1. Bundesliga, 16. Spieltag / VFL Wolfsburg 1 BVB 3

Fast schon Weihnachten.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Großkreutz (90.+2 Santana), Zidan (62. Valdez), Kuba – Barrios (86. Stiepermann). Tore: Barrios (2), Owomoyela.

Der BVB hat tatsächlich noch eins draufgesetzt und beim amtierenden deutschen Meister den nächsten Auswärtssieg geholt. Dank einer fantastischen ersten Hälfte, in der die Leistungen der letzten beiden Spiele nochmal übertroffen wurden. Und trotz der erneut angewachsenen Verletztenliste, zu der letzte Woche Markus Feulner hinzukam, der mit einem Teilriss des Syndesmosebands etwa sechs Wochen ausfällt. Die erfolgreiche Startformation der letzten Woche konnte gestern jedoch erneut beginnen.

Bei den Schwarz-Gelben stimmt es zurzeit im Team und das Selbstbewusstsein ist riesig. Anders ist es kaum zu erklären, dass der BVB bereits nach zehn Minuten mit 2:0 vorne lag. Bei der Mannschaft, die am Dienstag lange Zeit ein starkes Spiel gegen Manchester United zeigte. Um am Ende doch enttäuscht und mit leeren Händen dazustehen. Wie groß der psychologische Einfluss auf ein Spiel ist, lässt sich schlecht quantifizieren. Vor der gestrigen Partie dürfte der „Gemütszustand“ der beiden Mannschaften jedoch sehr gegensätzlich gewesen sein.

Auf dem Platz zu sehen waren jedenfalls zwei großartige Spielzüge mit Mohamed Zidan als Vorbereiter und Lucas Barrios als Vollstrecker. Zidan befindet sich gerade in absoluter Topform, ähnlich wie zu seinen besten Mainzer Zeiten. Er füllt die Rolle hinter der Spitze perfekt aus und es gelingen ihm sogar Kunststückchen wie die Hackentrick-Vorlage vor dem zweiten Tor. Die Gastgeber waren in der ersten Hälfte offensiv weitestgehend abgemeldet, bis auf eine Doppelchance kurz vor der Pause, als zunächst Zidan gegen Dzeko klärte und dann Weidenfeller einen Riether-Schuss gut parierte. Schwarz-Gelb hatte die Spielkontrolle und noch eine Reihe von weiteren Chancen durch Barrios und Zidan, die vergeben wurden.

Die Wolfsburger Defensive wirkte leicht verwundbar und Armin Vehs Doppelwechsel nach 20 Minuten sprach Bände: Grafite und Johnson kamen für Kahlenberg und Schäfer. So früh war das ein Eingeständnis personeller und taktischer Fehlkalkulation. Dortmund war dagegen genau richtig besetzt und eingestellt, extrem spritzig und engagiert. Und es macht gerade verdammt viel Spaß, den Jungs zuzusehen. Zum Beispiel Mats Hummels, der beim Zidan-Freistoß in der 36. Minute mit vorne war und dessen Schuss Wolfsburgs Benaglio nur zur Seite abwehren konnte – wo Patrick Owomoyela stand und den Ball reindonnerte. Überhaupt Owomoyela. Was ist denn mit dem los? Spätestens seit letzter Woche ist alles wieder da, was ihn auszeichnet. Das Phlegma und die Unkonzentriertheiten wie weggeblasen. So hilft er uns wirklich weiter – trotzdem spricht nichts dagegen, in der Transferphase einen Back-Up zu verpflichten.

Dass die zweite Hälfte nicht das Tempo und die Qualität der ersten haben würde, war klar. Mit dem Wolfsburger Anschlusstreffer kurz nach der Pause konnte man irgendwie auch rechnen – dafür haben die schon genügend Qualität. Eine Unachtsamkeit – ein Fehlpass von Kuba, eine überraschte Viererkette – reichte, um das 3:1 durch Grafite zu ermöglichen. Klar wuchs danach die Anspannung bei mir, aber zum Glück weniger bei der Mannschaft, die, ohne so zu glänzen wie in Hälfte 1, die Partie souverän zu Ende brachte. Die Verletzung von Zidan (nach einem Tritt von Josue) wirkte sich zwar auf den Spielfluss bei Schwarz-Gelb aus, aber von Wolfsburg kam außer einer vielleicht 15-minütigen Halbdrangphase ebenfalls nicht mehr viel. Der BVB verzeichnete noch zwei erwähnenswerte Torschüsse von Großkreutz und Valdez.

Bezeichnend für Wolfsburger Verhältnisse im ersten Jahr nach der Meisterschaft: Nach der Pause waren plötzlich riesige Lücken auf den Rängen im ausverkauften Stadion zu erkennen. Dachte man zuerst noch, die Sitzplatzinhaber könnten über den Halbzeit-Scampi die Zeit vergessen haben, wurde schließlich deutlich, dass die wohl verdorben gewesen sein müssen und große Teile der Zuschauerschar die zweite Halbzeit auf dem stillen Örtchen verbracht haben. Oder wo waren die sonst? Ein stilles Örtchen wäre jedenfalls auch das Wolfsburger Stadion gewesen, wenn da nicht 3000-4000 Dortmunder etwas dagegen gehabt hätten. Bekanntlich isst man im Ruhrpott lieber Bratwurst! ;-)

Angesichts des in der ersten Halbzeit brillanten, in der zweiten souveränen Spiels muss man der Mannschaft und natürlich dem Trainerstab ein uneingeschränktes Lob aussprechen. Es waren die besten 45 Minuten der Saison und wohl auch das beste Spiel. Nicht nur die bereits genannten Spieler überzeugten, sondern ausnahmslos alle. Nuri Sahin spielte einige hervorragende Pässe. Großkreutz und Schmelzer sind (noch) keine Dribbelkönige, aber sie lösten ihre Aufgabe einwandfrei mit viel Einsatz. Vor dem „Jubiläumsspiel“ gegen Freiburg ist der BVB nun Sechster und könnte, wenn es gut läuft, auf einem Europa League-Platz überwintern. Mal sehen, was der nächste Spieltag noch an Weihnachtsgeschenken bringt.

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