100 Jahre Schwarz-Gelb

Politisch wird es nicht so lange halten, sportlich sind nun die ersten 100 Jahre der schwarz-gelben Borussia vorbei und die nächsten 100 können beginnen. Kurz vor Weihnachten 2009 könnte die Stimmung rund um den BVB kaum besser sein. Mit einer stimmungsvollen Jubiläumsfeier, die natürlich nicht vollständig ohne Kitsch auskommen konnte, wurde am Samstagabend der 100-jährige Geburtstag des Vereins in der Dortmunder Westfalenhalle gefeiert. Da die Geschichte von Borussia Dortmund in den letzten Wochen vielfach thematisiert und ausreichend durchleuchtet wurde, möchte ich ein paar persönliche Geschichten anfügen: Meine eindrücklichsten Momente mit dem BVB. Da ist nichts Spektakuläres dabei – es sind ganz normale Fangeschichten von einem besonderen Verein.

Eines der größten Highlights wird immer das Champions League-Finale 1997 in München bleiben. Ich sah die Partie wie viele andere vor dem Fernseher und meine Erinnerungen werden immer mit den legendären Worten von Marcel Reif verknüpft bleiben:

Ricken…lupfen jetzt…jaaaaaaa!

Das herrliche 3:1 von Lars Ricken war damals die Entscheidung zugunsten des BVB und ich kann Reif bis heute wegen nichts böse sein. Warum er so oft so hart kritisiert wird, ob aus Bremen oder München, kann ich unabhängig davon ohnehin nicht verstehen. Perfekt ist er nicht, aber… ich schweife ab.

Fünf Jahre später, 2002, holte die Borussia zum bisher letzten Mal die Meisterschale. Ich war damals zum Auslandsstudium in England und hatte mir geschworen, dass ich, wenn wir vor dem letzten Spieltag vorne stünden, nach Dortmund fliegen würde. So kam es dann auch. Wir hatten keine Karten für das Spiel gegen Bremen und wollten auch keine Schwarzmarkt-Preise bezahlen. Es ging uns mehr um die Stimmung in der Stadt und so suchten wir nach einer geeigneten Kneipe, in der wir das Spiel sehen konnten. In der Kneipe stehend verfolgten wir die Anfangsphase, bis eine Bekannte meines Bruders einen Anruf ihres Vaters erhielt, dass das Spiel auch vor dem Stadion auf einer großen Leinwand gezeigt würde.

In einer Fußgängerunterführung auf dem Weg zum Stadion wurden wir vom selben Vater telefonisch über den Ausgleich durch Jan Koller informiert. Schließlich erreichten wir das Ziel und schauten das restliche Spiel mit ein paar Tausend anderen Fans direkt vor den Stadiontoren. Ohne Kommentar, aber mit Original-Stadionsound! In der 74. Minute war es soweit: Der kurz zuvor eingewechselte Ewerthon drückte den Ball nach einer Flanke über die Linie und alles stand Kopf. Wir jubelten mit wildfremden Menschen, wie das halt so ist im Fußball, darunter sowohl Kinder als auch Rentner. Der Flug hatte sich aber sowas von gelohnt.

Die düstersten Stunden der vereinsinternen Finanzkrise erlebte ich 2005 in Berlin. Am Tag, als die Gläubiger des Stadionfonds über einen weiteren Aufschub der Zahlungen, die der BVB zu leisten hatte, entscheiden mussten, arbeitete ich in der Bibliothek für mein Studium. Mit dem Kopf war ich jedoch woanders. Würde die Entscheidung der Gläubiger negativ ausgefallen, hätte das höchstwahrscheinlich den Zwangsabstieg des Vereins zur Folge. Die meiste Zeit verbrachte ich also im Computerraum der Bibliothek und wartete auf Neuigkeiten. Irgendwann am Nachmittag kam die erlösende Meldung, dass die Anteilseigner des Fonds dem Sanierungskonzept der Vereinsführung zugestimmt hatten. Ich hatte zwar schon darauf gehofft und damit gerechnet, aber die Erleichterung war trotzdem immens.

Im Fußball ist der Konkurrenzgedanke inbegriffen und bekanntlich kaum irgendwo stärker als zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke. Natürlich war deshalb der 12. Mai 2007 einer der schönsten Tage der letzten Jahre. Mit dem 2:0 im Derby am 33. Spieltag gelang der entscheidende Schlag gegen die lange gehegten Meisterambitionen der Schalker. Ich erlebte die Tore von Frei und Smolarek und alles davor und danach auf der Südtribüne – es war mit Abstand das beste Stadionerlebnis, das ich hatte.  Wozu man erwähnen sollte, dass ich immer hunderte von Kilometern entfernt von Dortmund gewohnt habe und deshalb nur sehr unregelmäßig da war und bin.

Nun ist also 2009, Winterpause, und vielen Schwarz-Gelben wird es so gehen wie mir: Ich freue mich auf die Rückrunde. Die letzten Wochen waren vielversprechend – wenn sie es nicht gewesen wären, würden wir eben hoffen, dass es besser wird. Bei Any Given Weekend wird jedoch keine Ruhe einkehren: Der englische Fußball macht bekanntlich keine Pause und dem werde ich mich in den nächsten Tagen endlich mal wieder widmen können. Ebenso stehen die Hinrundenzeugnisse für die BVB-Kicker an.

Zunächst aber wünsche ich allen Lesern frohe und friedliche Weihnachten!

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