Hinrundenzeugnisse 09/10

Standard

Der nächste Jahreswechsel steht bevor und hinter Borussia Dortmund liegt wieder eine zweigeteilte Halbserie. Ein schwacher Start bei einem allerdings schweren Auftaktprogramm führte die Schwarz-Gelben in die Niederungen der Tabelle, eine Siegesserie trotz schweren Gegnern führte uns vor Weihnachten auf Platz 5. Dementsprechend fällt es nicht ganz einfach, die beteiligten Spieler adäquat zu bewerten. Bei meiner traditionellen Notenvergabe (maximale Punktzahl: 10) habe ich selbstverständlich versucht, die gesamte Hinrunde zu bedenken. Berücksichtigt wurden nur Spieler, die ausreichend Einsatzzeiten hatten.

Roman Weidenfeller: Eine unspektakuläre Hinrunde für unsere Nummer 1. Roman war weder schuld am schwachen Auftakt noch am starken Ausklang. Er zeigte in den ersten Spielen einige kleine Unsicherheiten, aber keine groben Fehler. Mit Paraden konnte er nur ein paar Mal glänzen – was vor allem an seinen zuletzt stabilen Vorderleuten lag. Es bleibt ein ordentlicher Gesamteindruck, die Defensive funktioniert und das hängt bekanntlich immer auch mit dem Torhüter zusammen. 7 P.

Neven Subotic: Er hat zur alten Stärke zurückgefunden, daran ändert auch die Gegentorflut aus den Partien gegen den HSV und die Bayern nichts. Natürlich war der Saisonstart auch bei Neven nicht perfekt, aber er wirkte fast immer stabiler als Nebenmann Santana. Später bildete er dann mit Mats Hummels das zurzeit vielleicht formstärkste IV-Duo der Liga. Mit sehr überzeugendem Stellungs- und Kopfballspiel und akkuraten Tacklings. 7 P.

Mats Hummels: Unser Multifunktionsspieler wurde von Jürgen Klopp anfangs im defensiven Mittelfeld, später dann auf seiner bevorzugten Position in der Innenverteidigung eingesetzt, wo er Felipe Santana zu Recht verdrängte. Im Mittelfeld belebte er manchmal sogar die Offensive, in Erinnerung bleiben jedoch auch gelegentliche Stellungs- und Abspielfehler. Besser lief es ganz hinten, wo Mats gegen Ende der Hinrunde erstaunliche Stabilität erreichte. 7 P.

Felipe Santana: Die Aufstellung lügt nicht. Zumindest nicht bei Jürgen Klopp. Santana war in den ersten Spielen der schwächere Innenverteidiger und wurde folgerichtig durch Hummels ersetzt, als dies dem Trainer durch die Konstellation im Mittelfeld möglich erschien. Felipe war nicht wirklich „schlecht“ – es bleiben aber einige Stellungsfehler im Kopf hängen, die zu Gegentoren führten. Durch die einwandfreien Leistungen von Hummels wurde Santana seit dem Hoffenheim-Spiel nur noch eingewechselt. Auch wenn er es nicht gerne hören wird: Als Back-Up ist er prima. 5 P.

Dede: Bis zu seiner Verletzung gab es nichts Neues vom dienstältesten Dortmunder. Das heißt, dass es Dede nach wie vor an der Spritzigkeit seiner früheren Tage mangelt und die Zahl der Torvorlagen (Flanken!) deutlich zurückgegangen ist. Mit Einsatz und ordentlichen Defensivleistungen kann er das bisher noch wettmachen, aber die Konkurrenz in Person von Marcel Schmelzer schläft nicht. Ich sehe allerdings weiterhin die Chance, dass Dede nach einer längeren verletzungsfreien Phase noch mal aufdreht. 6 P.

Marcel Schmelzer: Was Marcel kann, hat man im „Jubiläumsspiel“ gegen Freiburg gesehen: Ein schneller Flügellauf und eine blitzsaubere Flanke waren entscheidend für das 1:0 durch Barrios. Jedoch muss unser Dede-Ersatz noch an der Konstanz arbeiten, sich offensiv mehr zutrauen und defensiv bei Stellungsspiel und Tacklings zulegen. Das funktioniert schon ganz ordentlich, sicher besser als letzte Saison, aber ein Stück fehlt noch zur Stabilität von Dede. Dass er ein Dribbelkönig wird, erwartet ohnehin niemand. Insgesamt aber eine erfreuliche Entwicklung. 6 P.

Patrick Owomoyela: Ich bin mir der Härte des Urteils bewusst, denn „Uwe“ zeigte in den letzten Partien vor der Winterpause einen beeindruckenden Aufwärtstrend. Aber da unser scheinbar einziger Rechtsverteidiger alle Ligapartien bis auf die letzte über die volle Distanz bestritt, müssen auch die vielen schwachen Auftritte am Anfang bedacht werden. Patrick schien wirklich die Konkurrenz zu fehlen, Ballverluste und Stellungsfehler wirkten oft allzu leichtfertig. Weder offensiv noch defensiv konnte er richtig überzeugen. Auf dem Papier stehen jedoch auch je zwei Vorlagen in den Spielen gegen Hertha und Nürnberg. Und als Krönung des Aufschwungs sein Tor beim Meister. Hoffen wir das Beste für die Rückrunde! 5 P.

Sven Bender: Die erstaunliche Bilanz des Junioren-Nationalspielers besagt, dass der BVB in der Bundesliga mit ihm kein Spiel verloren hat. Über die Größe seines Beitrags dazu lässt sich diskutieren. Bender hat in Abwesenheit von Kapitän Kehl unbestritten Stabilität ins defensive Mittelfeld gebracht und gefällt mit seiner unaufgeregten Spielweise. Dadurch ergänzt er sich gut mit dem auffälligeren Sahin. Gemessen an den Erwartungen vor der Saison ist Sven Bender die positivste Überraschung bei Schwarz-Gelb. 7 P.

Nuri Sahin: Nuri ist in doppelter Hinsicht der „Schatten-Regisseur“. Eigentlich war die Spielregie beim BVB vor allem Tamas Hajnal zugedacht – bis der sich verletzte. Nun übt sie Nuri aus dem zentralen Mittelfeld aus, also im Schatten der Dreier-Offensivreihe in Klopps 4-2-3-1. Das macht er gut. Er spielt häufig die entscheidenden Pässe im Spielaufbau, die dann zu Chancen führen. Er übernimmt die Verantwortung bei Elfmetern. Und er ist immer da – Sahin hat alle Pflichtspiele über die volle Distanz bestritten. Bei ihm überwiegen eindeutig die positiven Eindrücke: Sein Anteil an Platz 5 ist unzweifelhaft groß. 8 P.

Tinga: Ein schwieriger Fall. Was den Einsatz angeht, kann man Tinga nichts vorwerfen. Aber die Effektivität des Mittelfeld-Rackerers hat nachgelassen. Aus seinen Einsätzen in der ersten Hälfte der Hinrunde bleiben mir viele Fehlpässe in Erinnerung. Und weniger Balleroberungen als früher. Ein Problem Tingas ist, dass es für ihn in Klopps neuem Mittelfeld keine Idealposition mehr gibt. Die Positionen in der Zentrale sind inzwischen durch Spieler besetzt, die besser zur Spielphilosophie des Trainers passen. Weil vermutlich der Abschied naht, vergebe ich noch mal knappe 6 P.

Kuba: Jakub „Kuba“ Blaszczykowski hat beinahe alle Ligaspiele mitgemacht, wenn auch nicht alle über die volle Distanz. Trotzdem ist er unumstrittene Stammkraft beim BVB. Man wurde allerdings auch in der Hinrunde 09/10 das Gefühl nicht los, dass er sein Potenzial nicht voll ausschöpft. Es mag an vergangenen Verletzungen liegen, dass er nur selten so glänzen konnte, wie er es zwischendurch und in der Vergangenheit immer mal wieder gezeigt hat. Langsam sollte er aber mal in die Spur kommen. Bei Dribblings verzettelte sich Kuba in der Hinrunde ungewohnt oft und ein Tor sowie zwei Vorlagen sind für einen Spieler seines Kalibers ein bisschen mager. Noch bleibt er ein Versprechen. 6 P.

Tamas Hajnal: Vor seiner Verletzung spielte der BVB ein 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld. Tamas sollte wie letzte Saison die Rolle des Kreativspielers im offensiven Mittelfeld übernehmen. Das gelang ihm in der schwierigen Frühphase der Hinrunde weniger gut als in 08/09. Er tauchte zu oft unter, konnte zu wenig Impulse setzen, seine öffnenden Pässe kamen zu selten, wurden aber teilweise auch schlampig verwertet. Man sollte allerdings nicht den Fehler machen, ihm die Hauptschuld an der Schwächephase des BVB zu geben. Ich bin gespannt, ob er sich im neuen Spielsystem seinen Platz zurückerspielen kann. 5 P.

Kevin Großkreutz: Der Dortmunder Junge hat sich in die Herzen der Fans gespielt. Zu Beginn der Saison wurde Kevin von Jürgen Klopp häufig als Joker gebracht, zuletzt durfte er mehrmals von Beginn ran. Gegen Nürnberg gelang ihm sein erstes Ligator für den BVB. Trotzdem will ich bei der Bewertung, na ja, die Kirche im Dorf lassen. Kevins Einsatz ist spitze, seine Technik (noch) nicht. Wenn er bei Pässen und Torschüssen noch präziser wird, könnte er jedoch seinen Platz in der Stammelf verteidigen. Wie auch sein Kollege auf der linken Seite, Marcel Schmelzer, wird Kevin aber kein Dribbelkönig werden. 6 P.

Mohamed Zidan: Seit der Stürmer auf dem Papier hinter die Spitzen versetzt wurde, kann er überzeugen. Mohamed hat die ihm von Klopp zugedachte Rolle angenommen. Das bedeutet in erster Linie, dass er jetzt mannschaftsdienlicher spielt, öfter passt bzw. querlegt. Sein spritziges, dribbelstarkes Auftreten hat mit zur guten Serie des BVB beigetragen. Die fehlende Effektivität der frühen Spiele, die sicher ausbaufähige Trefferquote, kann ich natürlich nicht ganz außer Acht lassen. 7 P.

Nelson Valdez: Bei ihm ist es umgekehrt wie bei Zidan. Die Rückversetzung ins Mittelfeld hat Nelson nicht gut getan. Trotz Einsatzes ist er kein geborener Zweikämpfer, seine Effektivität hat weiter gelitten. Dass er wegen der fehlenden Torgefahr nicht die Rolle des nominell einzigen Stürmers kriegen würde, war schnell klar. Zurzeit hat Nelson zu Recht den Platz in der ersten Elf verloren – aufgeben wird einer wie er jedoch nicht. 5 P.

Lucas Barrios: Völlig unverständlicherweise wurde nach einigen torlosen Spielen zu Beginn schon geunkt. Nicht dass man das von gewissen Medien nicht erwartet hätte. Dann wurde aus Lucas einer der effektivsten Stürmer der Liga, der momentan mit neun Treffern den zweiten Platz in der Torschützenliste belegt. Ein Volltreffer also. Eine noch höhere Wertung wird dadurch verhindert, dass er ganz nebenbei einige wirklich 100%ige Dinger ausließ. 8 P.

Über die fehlenden Spieler wissen die halbwegs BVB-kundigen Bescheid. Sebastian Kehl laboriert weiterhin an Adduktorenproblemen, Markus Feulner und Dimitar Rangelov haben sich nicht entscheidend aufdrängen können und sind inzwischen ebenfalls verletzt. Besonders tragisch ist der Fall von Damien Le Tallec. Der junge Franzose war auf dem Sprung in die Mannschaft, als er sich bei einem Sturz an der Schulter verletzte. Last but not least: Jürgen Klopp. Der Mann, ohne den das alles nicht möglich wäre. Ich wüsste niemand, der besser geeignet wäre, mit diesem Kader zu arbeiten.

So, nun wünsche ich erst mal allen Besuchern und Lesern von Any Given Weekend einen guten Rutsch und dann ein frohes und glückliches 2010!


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