1. Bundesliga, 18. Spieltag / 1.FC Köln 2 BVB 3

Die Gebrüder Grimm drehen sich mal wieder im Grabe um.

Die Aufstellung: Weidenfeller (22. Ziegler) – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Großkreutz, Valdez (85. Götze), Kuba (90.+2 Santana) – Barrios. Tore: Hummels (2), Großkreutz.

Irrer BVB-Sieg in Köln. Wird der Boulevard so oder so ähnlich morgen schreiben und hat damit ausnahmsweise nicht unrecht. Irre, weil die Schwarz-Gelben in den letzten zehn Minuten noch den Ausgleich kassierten und dann ausgerechnet Kevin Großkreutz in der Nachspielzeit doch noch den Sieg klarmachte. Da lebt gerade jemand seinen Traum.

Zuvor sahen wir in Köln ein kampfbetontes, engagiert geführtes Spiel beider Mannschaften, so wie es auf dem schwer bespielbaren Untergrund kommen musste. Das war kein technisch anspruchsvoller Fußball, aber spannend anzuschauen. Die Gastgeber hatten in der ersten Hälfte lange Zeit ein optisches Übergewicht, einige ordentliche Schüsse von Petit und Maniche. Am gefährlichsten wirkte aber Milivoje Novakovic, bei dessen erster Großchance sich Roman Weidenfeller verletzte, als Subotic in letzter Sekunde klärte. Unsere Nummer 1 erlitt eine Fleischwunde und wird nach Angaben von Jürgen Klopp vier bis fünf Wochen ausfallen. Kurz vor der Pause hatte Novakovic eine weitere Großchance, verzog aber knapp. Lukas Podolski? Den habe ich nur bei seiner gelben Karte gesehen – und als er nach seiner Auswechslung wütend in die Katakomben stapfte.

Warum lief es beim BVB offensiv nicht so flüssig wie zuletzt? Nun, Nelson Valdez war nicht mehr als eine engagierte Notlösung für die 10er-Position. Er ist kein Leser des Spiels und dementsprechend kamen nur wenige gefährliche Bälle in die Tiefe. Weitestgehend enttäuschend war außerdem unsere rechte Seite. Wir sahen den Owomoyela vom Anfang der Saison, der zumindest offensiv phlegmatisch wirkte und einen bis zur Nachspielzeit sehr ineffektiven Kuba – dann gab er die Vorlage für Großkreutz. Der zuletzt angeschlagene Lucas Barrios war engagiert, vergab aber seine zwei bis drei guten Möglichkeiten.

Zu danken haben wir dem FC Bayern. Die uns freundlicherweise, wenn auch nicht ganz umsonst, ihren Bankdrücker Mats Hummels überlassen haben. Denn wenn aus dem Spiel nichts geht, richten es halt die großen Abwehrleute über Standards. Präzise Ecke von Nuri Sahin auf den langen Pfosten – Kopfball Hummels – 1:0. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte Freistoß Sahin von rechts – Hummels diesmal mit der Fußspitze zum 2:0. Schön zu sehen, dass wir jetzt auch in nicht perfekten Spielen effektiv sein können.

Zu danken haben wir auch unserem großartigen Ersatzkeeper Marc Ziegler. Ich habe es schon öfter gesagt: Ich halte ihn nicht nur für einen erstklassigen Ersatz, den man immer bedenkenlos bringen kann, sondern auch für einen sehr sympathischen Charakter. In Köln bekam Ziegler noch genug zu tun, parierte mehrmals souverän, einmal sensationell bei einem Freis-Kopfball. Beim 2:2 durch Mohamad kam er Sekundenbruchteile zu spät, wurde aber auch unglücklich vom gestreckten Bein des Kölners getroffen.

Womit wir bei FIFA-Schiedsrichter Florian Meyer wären, der mMn einen sehr guten Spielleiter abgab. Er pfiff, was gepfiffen werden musste und pfiff nicht, was nicht unbedingt gepfiffen werden musste. Wie den leichten Rempler von Großkreutz im Strafraum gegen einen Kölner, wie den Luftzweikampf zwischen Subotic und Mc Kenna, nachdem der Amerikaner kurzzeitig bewusstlos war. Und wie eben das 2:2 durch Mohamad, das ebensowenig ein eindeutiges Foul war. Ansonsten ließ Meyer auch außerhalb des Strafraums das Spiel mehrmals angenehm weiterlaufen.

Es war ein denkwürdiger Rückrundenauftakt. In der zweiten Halbzeit wirkte der BVB eigentlich souveräner als in der ersten – bis Fehler von Sven Bender und dem spät eingewechselten Mario Götze den Kölner Ausgleich ermöglichten. Man spürte jedoch in der 89. Minute, dass da noch nicht das letzte Wort gesprochen sein musste. Eine Mannschaft von Jürgen Klopp lässt sich da nicht hängen. Der Trainer gab auch alles, musste wegen Protestierens auf die Tribüne, ‚unterhielt‘ sich dort mit einigen FC-Fans und legte nach dem 3:2 einen sehenswerten Jubellauf über die erste Sitzreihe hin.

Also: Sieg in der Nachspielzeit, glänzender Hummels, Platz 5 konsolidiert. Jetzt Revanche gegen den HSV. Die Rückrunde kann kommen.

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