Ein leiser Abschied?

Tinga hat sich in Brasilien an den Adduktoren-Ansätzen operieren lassen und wird dem BVB sechs bis acht Wochen fehlen. Die Meldung vom Montag hört sich so weit wie eine Routinenachricht über einen schon länger verletzten Fußballspieler an. In dem Artikel wird jedoch auch kurz erwähnt, was für den 32-jährigen Brasilianer auf dem Spiel steht. Tingas Vertrag läuft im Sommer aus und nachdem Jürgen Klopp in seiner Abwesenheit ein junges, effektives Mittelfeld zusammengebaut hat, standen seine Chancen auf eine Vertragsverlängerung ohnehin nicht gut. Nun wird Tinga frühestens in der Schlussphase der Saison wieder ins Geschehen eingreifen können – dann, wenn in der Regel die Kaderplanungen eines vorausschauenden Vereins schon im fortgeschrittenem Stadium sind.

Der Name „Tinga“ steht für die Post-Krisenzeit bei der Borussia. Im Sommer 2006, als der Verein zwar schon wieder in stabiler Lage war, aber eisern sparen musste, kam Tinga für geschätzte drei Millionen Euro von Internacional aus Porto Alegre nach Dortmund. Sein Spielstil passte in die Zeit: Unermüdliche Arbeit, Knochen hinhalten, keinen Zweikampf verloren geben. Bälle im Mittelfeld erobern und sinnvoll weiterverteilen. Der BVB spielte damals nicht schön, aber so lange wie bei Tinga der Einsatz stimmte, konnte man damit leben.

Jürgen Klopp hat in Dortmund wieder attraktiveren Fußball eingeführt und zusammen mit Michael Zorc einige passende Spieler verpflichtet. Zu Beginn der Saison zeigte sich, dass Tinga für dieses Spiel ein Element fehlte: Die Kreativität, öffnende Pässe in die Spitze oder auf die Außen zu spielen. Oder diese Pässe so zu spielen, dass sie auch ankommen. Er wird es daher schwer haben, sich wieder in die Stammelf zurückzuarbeiten.

Bei Wikipedia wird Tinga wie folgt zitiert:

Wenn es gut läuft, bin ich nicht der Beste. Und wenn es Schwierigkeiten gibt, nicht der Schlechteste.

Diese Selbsteinschätzung ist realistisch und ich will ihr nicht widersprechen. Für mich folgt daraus, dass ein Spieler wie Tinga, der im Mittelfeld defensiv oder auf den Halbpositionen einer Raute eingesetzt werden kann, weiterhin ein guter Back-Up für uns wäre. Tinga selbst möchte angeblich gerne in Dortmund bleiben, weil sich seine Familie dort wohlfühlt. Ob es letztlich Sinn machen würde, hängt von der Vertragsgestaltung ab. Wenn Tinga einen stark leistunsbezogenen Vertrag mit in jedem Fall reduzierten Bezügen akzeptieren würde, sollten sich Klopp und Zorc dem nicht von vorneherein verschließen. Wirklich glauben kann ich an eine Verlängerung jedoch nicht mehr.

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