1. Bundesliga, 22. Spieltag / Bayern München 3 BVB 1

Alles schon gesehen!?

Die Aufstellung: Ziegler – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Großkreutz, Zidan (74. Hajnal), Kuba (74. Götze) – Barrios (85. Le Tallec). Tor: Zidan.

Nach fünf Minuten dieser Partie fühlte man sich gestern eklatant an den letzten BVB-Auftritt in München erinnert. Die Borussia war mit Elan in die Begegnung gegangen und hatte den FC Bayern damit offensichtlich erneut überrascht. Besonders die Abwehr der Gastgeber legte einen katastrophalen Kaltstart hin. Zweimal mussten Bayern-Spieler gegen Sven Bender auf oder kurz vor der Linie klären, die dritte hochkarätige BVB-Chance saß dann. Sie war zunächst mal Daniel van Buyten zu verdanken, der einen weiten Abschlag von Marc Ziegler nicht unter Kontrolle brachte und sich von Mohamed Zidan überrumpeln ließ. Der Ägypter ließ sich vom nachsetzenden Belgier nicht mehr abdrängen und erzielte das frühe 0:1. Wie Nelson Valdez vor einem knappen Jahr.

Dass eine frühe Führung gegen den FC Bayern nicht unbedingt positiv sein muss, haben nicht nur unsere letzten beiden Spiele gegen diesen Gegner gezeigt. Das Ergebnis ist das gleiche wie in der Vorsaison, als die Bayern das Spiel drehten und dank eines Sturmlaufs und vieler Chancen verdient 3:1 gewannen. Gestern war es anders. Lassen wir Mats Hummels zu Wort kommen, der mit der folgenden Stellungnahme nach dem Spiel wieder einmal bewies, dass er nicht nur ein großartiger Sportler, sondern auch ein großartiger Sportsmann ist:

Dass das Tor zum 1:3 eigentlich Abseits war, haben wir während des Spiels schon vermutet. Dass dem 1:2 ein Foulspiel an Zidan voranging, haben die meisten gesehen. Es war keineswegs eine schlechte Schiedsrichterleistung. Aber es ist leider so, dass viele Zweikämpfe zugunsten der Bayern gepfiffen wurden. Allerdings war das nicht der ausschlaggebende Grund für die Niederlage. Wir hätten unsere Chancen nutzen können – die hat der Schiedsrichter nicht abgepfiffen.

Eigentlich könnte man die Analyse komplett unserer Nummer 15 überlassen. Ich würde mich jedenfalls freuen, Mats hier einmal als Gastautor zu begrüßen. ;-)

Tatsächlich hatte der BVB gestern mehr Torschüsse und -chancen als die Bayern, auch wenn die Gastgeber nach dem Ausgleich optisch überlegen waren. Die Bayern-Abwehr blieb das ganze Spiel über anfällig und konnte sich bei Torwart Butt bedanken, dass das Ergebnis so ausfiel. Andererseits hatten es die Dortmunder Angreifer selbst in der Hand, die Bälle besser zu platzieren und nicht Butt direkt auf den Körper zu spielen.

Es ist gegen München immer ein schmaler Grat zwischen Engagement und Leichtsinn. Dessen waren sich die Schwarz-Gelben eine Zeit lang, nach dem unglücklichen Ausgleich durch einen abgefälschten van Bommel-Schuss, zu bewusst. In dieser Phase ließen sie sich wie in der letzten Saison einschnüren, die Courage fehlte ebenso wie die Konzentration, was zu leichten Ballverlusten und ungenauen, hektischen Pässen führte. Gegen Ende der ersten Halbzeit hatten sie sich wieder gefangen und der aktive Lucas Barrios hatte zwei Chancen zur erneuten Führung.

Dass die Bayern in der zweiten Hälfte noch zwei Tore machten, hatten sie ihrer Effizienz zu verdanken, wie auch Hummels betonte. Die individuelle Klasse und schnelles Kombinationsspiel von Ribery, Robben und Gomez machten den Unterschied aus. Einerseits. Andererseits lag es an zwei Schiedsrichterentscheidungen, die Hummels zu Recht nicht verschweigt. Hätte Knut Kircher beim Zweikampf Demichelis v Zidan im Mittelfeld die gleichen Maßstäbe angelegt wie bei vielen Bayern-Freistößen, hätte er abpfeifen müssen. Er ließ weiterlaufen, es folgte das 1:2. Vor dem 1:3 war Mario Gomez knapp im Abseits. Das sind die Fakten – nicht auszuschließen, aber auch nicht sicher, dass die Bayern das Spiel ohnehin gewonnen hätten.

Man hat es aber auch schwer als Schiedsrichter, wenn man es mit einem ‚Superstar‘ wie Franck Ribery zu tun hat, der bei jeder Berührung hinfällt und bei jedem Freistoß für den Gegner, den er verursacht, meckert und diskutiert. Ich für meinen Teil wäre nicht traurig, wenn dieser Spieler der Bundesliga den Rücken kehrt. Robben hat da deutlich mehr Klasse.

Der BVB hatte auch in der zweiten Halbzeit seine Chancen, vor allem nach Standards. Erst nach dem 1:3 brachten die Bayern das Ergebnis recht souverän über die Runden – nur der überzeugende Großkreutz brachte Butt aus fünf Metern noch einmal wirklich in Gefahr. Darüber, ob es jetzt ein verdienter Sieg der Gastgeber war, kann man streiten. Deren Klasse war unbestreitbar, die äußerst fragwürdigen Tore auch. Unter dem Strich bleibt für den BVB die dritte Niederlage in Folge – ein Novum unter Klopp war schon die zweite gewesen. Beurteilt man allerdings die Leistung unter Berücksichtigung des Gegners, dürfte gegen Hannover nächsten Samstag eigentlich nichts schief gehen. Nur leider ist die Partie nicht bereits heute.

Angesichts der ordentlichen Mannschaftsleistung mit Höhen und Tiefen fällt es schwer, jemanden herauszuheben. Die Rückkehr von Sven Bender machte sich positiv bemerkbar. Die vier Offensiven überzeugten spielerisch, ihre Chancenverwertung leider nicht. Ein Blick in die Zukunft: Der BVB wird wie vermutet maximal um Platz 5 mitspielen. In diesem Wettstreit könnte das Derby in knapp zwei Wochen von großer Bedeutung sein – auch wenn wir den kommunal subventionierten S04 vermutlich nicht mehr einholen werden.

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3 Kommentare

  1. Ich kann das Gejammer über das angebliche Abseitstor oder den verlorenen Zweikampf im Mittelfeld nicht mehr hören. Gomez stand vielleicht mit der Fußspitze im Abseits vielleicht auch nicht (kommt drauf an wann der Fernsehfritze die Zeitlupe anhält) und Zidan läßt sich von Demichelis anrempeln und fällt hin. Wären nach diesen Aktionen, die nicht die Tore direkt zur Folge hatten, kein Tor gefallen, hätte keiner Fehlentscheidung gerufen. Die Tore fielen aber und so wurden Fehler gesucht die keine sind.
    Zum Einordnen der eigenen Perspektive nochmal ein Teil Deiner Anmerkungen zu einem Spiel gegen Herne-West:

    „Die Blauen werden sich vermutlich ein wenig über das sensationelle 2:3 durch Alex Frei ärgern, da der Schweizer zuvor im Abseits stand. Und vermutlich auch ein wenig über den Elfmeter zum 3:3 kurz vor Schluss, da Kristajics Arm zuvor eher angeschossen worden war. Aber mal ehrlich: Who cares? In der Vorsaison hatten wir Gagelmann, jetzt halt Wagner…

    Nein, die Schalker sind schon selbst schuld, dass sie das Spiel, das nach einer Stunde sowas von entschieden schien, noch aus der Hand gaben. Zuvor hatten die Blauen über weite Strecken reifer gewirkt, vor allem in Abwehr und Mittelfeld. Nach einer guten Anfangsphase hatte vor allem die schwarz-gelbe Abwehr ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Das Handspiel von Subotic, das zum Elfmeter führte, war zwar dumm, aber noch verzeihlich; beim 0:2 wurde man dann klassisch ausgekontert. “

    Unterm Strich bleibt die absolut grottige Chancenverwertung, die die Bayern ausgenutzt haben. Somit leider eine verdiente Niederlage unserer Mannschaft.

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  2. Na ja, den Ausdruck „Gejammer“ halte ich jetzt zumindest bezogen auf meinen Beitrag für übertrieben. Dass das 1:3 knapp, sehr knapp, Abseits war, ist mMn klar zu erkennen. Und das Foul an Zidan muss man eben pfeifen, wenn man die ganzen Freistöße für Bayern auch pfeift. Da geht es um Konsistenz.

    Das Zitat von Mats Hummels, das noch weitergeht, gibt den Spielverlauf sehr gut wieder. Weder er noch ich suchen die alleinige Schuld an der Niederlage beim Schiedsrichter. In jedem Fall war das 1:3 aber weniger verdient als das im letzten Jahr. Da musst du dir nur die Torschuss- und Chancenstatistiken anschauen.

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