Ausnahmeregelung für 96?

Jan Christian Müller forderte am Montag im Sportteil der „FR“ eine „Lex Hannover 96“ (FR 15.2.2010, S. S22). Die Mannschaft der Niedersachsen sei weitgehend schuldlos in die jetzige prekäre Situation geraten. Sollte der Fall der Fälle – der Abstieg – eintreten, müsse die Bundesliga in der kommenden Saison eben mit 19 Vereinen starten. Müller plädiert also für eine ‚humanitäre Lösung‘, ist sich aber natürlich bewusst, dass diese nicht verwirklicht werden wird.

Beim Lesen kam mir dieser Vorschlag, wie wohl jedem Fußballfan, zunächst absurd und unsportlich vor. Nach erneutem Nachdenken erschien er schon plausibler, schließlich handelt es sich um eine tragische Ausnahmesituation und niemand würde geschädigt. Zwei Probleme habe ich dennoch damit: Hätte der sportliche Absturz nicht auch ohne den Suizid Robert Enkes eintreten können? Und was passiert, wenn es einen weiteren Fall geben sollte – was wir alle nicht hoffen wollen? Man würde einen Präzedenzfall schaffen, der in Zukunft auf jeden betroffenen Verein übertragen werden müsste, egal, ob Meisterschafts- oder Abstiegskandidat.

Trotzdem – eine Diskussion wäre der Vorschlag eigentlich wert. Der Absturz des kleinen HSV war zu krass, um rein sportlich erklärbar zu sein. Deswegen haben sie sich nun auch einen Kölner Sportpsychologen ins Haus geholt. Am Samstag gastieren die 96er im Westfalenstadion. In den letzten Jahren waren sie stets ein unangenehmer Gegner für den BVB: Seit sieben Spielen warten wir auf einen Sieg. Andererseits wartet Hannover inzwischen seit sieben Spielen auf einen Punkt und zu allem Überfluss ist die Verletztenliste der Gäste lang: Bruggink, Haggui, Ya Konan, Rosenthal und Cherundolo sind nur die prominentesten Namen.

Bei der Borussia sieht es dagegen personell zunehmend besser aus. Noch fehlen zwar neben Kapitän Kehl auch Feulner, Tinga und Rangelov, aber die Spieler, die in den letzten Monaten besonders positiv aufgefallen sind, sollten morgen dabei sein. Sven Bender, der sich im Training weh getan hatte, wird wohl spielen können. Roman Weidenfeller wird ins Tor zurückkehren. Bei der Aufstellung wird sich sonst womöglich gar nichts ändern, die guten Ansätze waren in München ja durchaus da. Somit dürfte Tamas Hajnal als Option auf der Bank sitzen, neben Nelson Valdez, Dede und ein paar anderen.

Wird wegen der traurigen Hannoveraner Serie morgen das Mitleid die Oberhand gewinnen? Werde ich etwa nur leise jubeln, wenn wir treffen? Nein, natürlich nicht. Es ist ein Spiel, dass das Potenzial hat, einen am Fußball verzweifeln zu lassen – dann, wenn wir nicht gewinnen. Was nicht auszuschließen ist.

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2 Kommentare

  1. Bei allem Respekt, aber wohin sollte so etwas führen? Wenn die Omma von Spieler X das zeitliche segnet und der arme Kerl daraufhin seine Leistung nicht mehr abrufen kann, gibts dann ein Beileids-Bonus für den Klub?

    Beim besten Willen, aber wir befinden uns doch immer noch im Profisport. Eine solche Forderung ist unfug.

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  2. Das war auch meine erste Reaktion, klar. Ich vertrete auch nicht den Vorschlag von Müller, halte ihn aber immerhin für diskussionswürdig. Es wäre eine humanitäre Geste in einer Ausnahmesituation – es geht natürlich nur um die konkrete Situation des Suizids eines Spielers. Es wäre natürlich auch eine Regelung außerhalb des Regelbuchs, eben eine Ausnahmeregelung.

    Sie würde niemand direkt schaden, außer dass alle Vereine in der nächsten Saison zwei Spiele mehr hätten. Was mich eher stört, ist der vielleicht überkonstruierte kausale Zusammenhang zwischen Enkes Tod und dem jetzigen Auftreten von ’96. Dazu werde ich mich auch in meinem in Kürze erscheinenden Spielbericht noch mal äußern.

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