1. Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 4 Hannover 96 1

Pflichtprogramm.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender (83. Santana) – Großkreutz, Zidan (62. Hajnal), Kuba – Barrios (62. Valdez). Tore: Subotic, Eggimann (ET), Valdez, Großkreutz.

Heute verstehe ich vielleicht erstmals die Ansichten eines Bayern-Fans, der nach einem hohen Sieg noch etwas zu meckern hat. Meine Kritik wird aber im Rahmen bleiben, denn der gestrige Sieg war hochverdient und die Leistung der Schwarz-Gelben über 2/3 des Spiels ordentlich.

Probleme hatte ich mit der ersten Halbzeit. Natürlich, der BVB hatte in der ersten Viertelstunde drei gute Chancen, die beste vergab Zidan nach 14 Minuten, als er knapp letzter Mann vor Fromlowitz war und vorbeischoss. Aber die Möglichkeiten hatten sich aus gravierenden Unachtsamkeiten der Hannoveraner Defensive ergeben und weniger aus großer Dortmunder Kreativität. Unbefriedigend war, was im Rest der ersten Hälfte folgte. Gegen ordentlich verteidigende, aber sehr harmlose Gäste fehlten den Schwarz-Gelben die Ideen. Wir sahen viele Fehlpässe (nicht dass es dadurch gefährlich wurde, aber trotzdem) und, was mich gerne mal zur Weißglut treibt, Weitschüsse aus aussichtsloser Position – hier muss ich Nuri Sahin nennen, der damit gleich zweimal auffiel.

Nicht viel lief zusammen – wie so oft muss dann ein Standard helfen. Zum Glück ist das eine der vielen Schwächen des kleinen HSV. Es war bereits kurz vor der Pause, als Sahin eine Ecke in den Fünfmeterraum trat und der gegenüber dem Cover des neuen Mitgliedermagazins stark verändet aussehende Neven Subotic zur Führung einköpfte.

Nach gut zehn Minuten der zweiten Halbzeit war die einzige ernstzunehmende Torchance der Gäste abgesehen vom Treffer zu verzeichnen, als Weidenfeller nach einem Fehler von Subotic vor Jan Schlaudraff retten musste. Der Keeper kam rechtzeitig aus dem Kasten, wirkte bei seiner Rückkehr ins Team auch sonst souverän – war allerdings auch stark unterfordert. Die Gäste entwickelten keinerlei echten Offensivdrang. Da scheint einerseits der Glaube zu fehlen, auf jeden Fall aber eine Reihe von wichtigen Spielern. Um mal auf die unausweichliche Frage einzugehen, wie viel das mit dem Tod von Robert Enke zu tun hat: Einer der schwächsten 96er war Abwehrspieler Jan Durica, der erst im Januar von Lokomotiv Moskau ausgeliehen wurde. Eine abschließende Beurteilung soll und kann das nicht sein – mir scheint, es gibt da in Hannover eine ungute Gemengelage.

Die zweite Hälfte der gestrigen Partie lässt sich besser beurteilen: Souveräne Dortmunder und erschreckend schwache Hannoveraner. Dem 2:0 ging erneut ein Standard voraus, Owomoyela kommt zum Kopfball und Eggimann lenkt den Ball ins Tor. Obwohl später noch der Anschlusstreffer durch einen anderen Leihspieler der Niedersachsen, Arouna Koné, fällt, war das Spiel danach extrem einseitig. Es ist generell kein gutes Zeichen für den Gegner, wenn Patrick Owomoyela zwei Torvorlagen aus dem 16-Meter-Raum gelingen. Beim 3:0 musste der starke Fromlowitz einen Schuss von „Uwe“ aus kurzer Distanz abprallen lassen, der Ball gelangte über einen Hannoveraner ans Bein von Nelson Valdez.

Dem überraschenden Anschlusstreffer, als Koné im Fünfmeterraum von Subotic allein gelassen wurde und eine Flanke von links verwerten konnte, folgte einige Minuten später das 4:1. Nach schöner Vorarbeit von Hummels platzierte Kevin Großkreutz seinen Schuss deutlich besser als kurz zuvor, als er an Fromlowitz gescheitert war. Irgendwie passend, dass Kevin noch ein Treffer gelang – ob ihn die Gesänge motiviert hatten, die subtil auf das anstehende Freitagsspiel hinwiesen?

Nach einem 4:1 über den Schiedsrichter zu reden ist eigentlich überflüssig, aber Lutz Wagner zeigte erneut eine schwache Leistung, die nicht ganz unerwähnt bleiben kann. Mehr als das übersehene Handspiel und den übersehenen kräftigen Schubser von 96ern, jeweils im Strafraum der Gäste, ärgerte mich die überzogene gelbe Karte gegen Hummels wegen kurzen Festhaltens eines gegnerischen Arms. Während bei den Gästen einige heftige Tacklings gegen Dortmunder Beine nicht mit Gelb geahndet wurden. Nichts zu meckern gibt es an der gelben Karte gegen Lucas Barrios. Nach einem verlorenen Ball holte er seinen Gegenspieler von hinten von den Beinen. Ergebnis: Im Derby wird unser Torjäger nicht dabei sein. Bitter, allerdings glaube ich nicht, dass wir ihn in Gelsenkirchen am Nötigsten haben.

Unter dem Strich bleibt ein Pflichtsieg, mit dem man zufrieden sein kann. Wirklich beeindruckende Einzelleistungen gab es nicht zu sehen, was aber auch an der Schwäche des Gegners lag. Hummels wirkte einmal mehr sehr souverän, Kuba und Großkreutz steigerten sich in der zweiten Hälfte deutlich. Tamas Hajnal ist in meinen Augen wieder dicht dran an der Startelf. Das schöne 4:1 durch Großkreutz macht Lust aufs Derby. Für Kneipengucker wie mich ist die Ansetzung am Freitagabend ein Traum. Natürlich müssen die Schwarz-Gelben dann ihre Chancen besser verwerten, denn so viele wie gestern wird es nicht geben.

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5 Kommentare

  1. Schön! Dann habe nicht nur ich die alles in allem schwache erste Halbzeit so gesehen. In anderen Medien ging das wohl angesichts des Ergebnisses etwas unter.

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  2. In der zweiten Hälfte hatten sie wenigstens kapiert, dass es nichts bringt, es durch die Mitte zu versuchen, sondern besser über die Flügel zu spielen. Das war aber auch das einzig Positive. Vor dem Derby hab ich Angst …

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  3. Ich weiß so gar nicht, was ich vom Freitag erwarten soll. Immerhin hat der S04 verloren. Das Derby ist immer so speziell und ereignisreich, dass es verdammt schwer vorherzusagen ist. Und deswegen auch so spannend. Ich kanns kaum erwarten! ;-)

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  4. Ich freue mich auch riesig aufs Derby und hoffe auf ein spannendes Spiel. Insgeheim hoffe ich natürlich auf 3 Punkte für die Borussia, aber tippen werde ich mal ein mageres 1:1.

    [Anm. von AGW: Link gelöscht]

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