1. Bundesliga, 25. Spieltag / BVB 3 Mönchengladbach 0

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Genießer-Tore.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Santana, Subotic, Owomoyela – Sahin, Kehl – Großkreutz (85. Koch), Zidan (77. Hajnal), Kuba (75. Dede) – Barrios. Tore: Großkreutz, Zidan (2).

So ist bekanntlich und zum Glück der Fußball: Eine Woche nach der überflüssigen Derbyniederlage versöhnt der BVB die Fans ein bisschen mit Toren aus dem Bilderbuch beim hochverdienten 3:0 gegen Gladbach.

Jürgen Klopp hatte sich aufgrund der Länderspiel-Abstellungen gegen eine Systemänderung entschieden, die erst mal hätte einstudiert werden müssen. Seine Hoffnung bestand darin, dass Sebastian Kehl auf der zweiten, defensiver ausgerichteten „6“ neben Sahin möglichst lange durchhalten und ein ordentliches Spiel machen und dass Mohamed Zidan nach dem Länderspiel-Einsatz in Wembley fit genug für die zentrale Rolle im offensiven Mittelfeld sein würde. Beide Hoffnungen wurden übererfüllt.

Sebastian Kehl kehrte nach ewig erscheinender Verletzungspause zurück in die Startelf und es war fast so, als sei er nie weg gewesen. Nur in der Anfangsphase verschätzte er sich ein paar Mal in Zweikämpfen, musste ein paar Minuten zu seinem Spiel finden. Später wirkte unser Kapitän sehr souverän, war die ordnende Hand im Mittelfeld und zeigte einige gelungene Aktionen. Auf der „10“ sahen wir den Länderspiel-Zidan. Wie nach dem Afrika-Cup wirkte er noch einen Tick präsenter und spritziger als nach einer ’normalen‘ Trainingswoche. Kurz gesagt, es war eine Klasseleistung.

Das 1:0 nach 13 Minuten bereitete Zidan über links vor und passte dann in den Strafraum, wo Großkreutz seinen Fuß hinhielt. Eine wahre Schönheit war das 2:0: Zidan dribbelt sich an mehreren Gegenspielern vorbei und zieht dann aus etwa 15 Metern ab, perfekt gezielt in den Winkel. Und beim 3:0 antizipiert er Barrios exzellenten Pass und verwandelt präzise von links. Wobei dieses dritte Ding zu 80% das Tor von Lucas war: Wie geil war denn diese Vorarbeit? Ein No-Look-Pass im richtigen Moment – wir haben einen Torjäger, der nicht nur abstauben, sondern technisch richtig fein mitspielen kann. Da muss er auch nicht in jeder Partie selber treffen, obwohl er gestern die Chancen dazu hatte.

Ich bemühe mich hier immer, sowohl Siege als auch Niederlagen realistisch einzuschätzen und dazu gehört es, zu erwähnen, dass die Gäste schwach waren. Sie hatten wenig Ideen und kreierten daher wenig Chancen. Bei den an einer halben Hand abzählbaren Schüssen aufs Tor war Weidenfeller zur Stelle ohne übermäßig gefordert zu sein. Und die erste Halbzeit der Schwarz-Gelben war auch nicht so berühmt, wie man bei der Ansicht der Spielzusammenfassungen vielleicht denken könnte. Ja, Gladbachs Torwart Bailly rettete zweimal glänzend bei guten Schüssen von Schmelzer und Zidan, aber gegen einen wie gesagt schwachen Gegner gab es trotzdem zu viele unnötige Fehlpässe und mäßig ausgespielte Angriffe. Einer der ‚Schuldigen‘ hierfür: Nuri Sahin, der nicht seinen besten Tag erwischte. Muss man ihm natürlich mal zugestehen.

Angesichts der souveränen zweiten Hälfte mit begeisternden Toren überwiegen die positiven Aspekte aber bei weitem. Da ist der andere Torschütze Kevin „Das Pferd“ Großkreutz zu nennen. Der galoppiert 90 Minuten die Außenbahn hoch und runter und macht dabei immer mehr richtig und immer weniger Fehler. Es ist einfach toll, was Jürgen Klopp aus den Spielern rausholt – da ist der ehemalige Zweitliga-Spieler Großkreutz ein ebenso gutes Beispiel wie der ‚Problemfall‘ Zidan.

Was uns auch für die nächsten Wochen optimistisch stimmen kann: Felipe Santana zeigte eine einwandfreie, absolut überzeugende Leistung als Hummels-Ersatz. Kopfballstärke sind wir von ihm gewohnt, aber auch sein Stellungsspiel war über jeden Zweifel erhaben. Er lief die wenigen gefährlichen Gladbacher Bälle ab oder grätschte im richtigen Moment dazwischen. Gestern war Felipe der bessere von zwei guten Innenverteidigern.

Die sehr erfreuliche Lehre aus dem gestrigen Spiel ist, dass der BVB auch Verletzungen wichtiger Spieler kompensieren kann, wenn die Spieler 90 Minuten konzentriert und aktiv bleiben. Angesichts des Restprogramms muss uns so nicht bange sein. Die Bremer haben gegen Stuttgart noch einen Punkt erkämpft, sind aber selten über 90 Minuten stabil. An Ostern müssen sie ins Westfalenstadion. Die Stuttgarter und Wolfsburger sind einige Punkte zurück, aber nicht unaufholbar. Frankfurt und Hoffenheim traue ich eine Aufholjagd eher nicht zu.

Natürlich wird höchstwahrscheinlich auch Platz 6 für den Europapokal reichen, wenn Bremen ins Pokalfinale einzieht und Fünfter wird, aber auf diesen Platz von anderer Vereine Gnaden habe ich nicht wirklich Lust und die Mannschaft offensichtlich auch nicht.

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