Die große 80er-Show

Aus Berlin gab es gestern Bilder, die man in der Bundesliga lange nicht mehr gesehen hat. Die an England und die 1980er erinnern. Platzsturm nach Schlusspfiff und zwar nicht, um zu feiern. Trotzdem ähnelten die Bilder nur oberflächlich denen aus vergangenen Zeiten. Was die Randalierer im Innenraum veranstalteten, wirkte ziellos. Ein geplanter Angriff auf die Spieler oder die Kabinen war es jedenfalls nicht, ebenso wenig ein Versuch, zu den Nürnberger Fans vorzudringen – jedenfalls legen das die Fernsehbilder nicht nahe.

Für mich war es ein eher isoliertes Ereignis, der besonderen Situation der Hertha geschuldet. Allerdings ist es gerade wegen letzterem schwer zu begreifen, warum das Szenario bei den Verantwortlichen in Berlin nicht vorhergeahnt wurde. Die problematischen Elemente in der Berliner Fanszene sind bekannt, die ungeheure Bedeutung des Spiels, ob hochstilisiert oder nicht, war auch allen bewusst. Vermutlich rechneten die für die Sicherheit Zuständigen nicht damit, dass eine größere Anzahl von Personen den Graben vor der Kurve überwinden würde. Nach dem Nürnberger Ausgleich deutete sich jedoch schon an, dass die Stimmung kippen würde. Wenn dann kurz vor Schluss das 1:2 fällt, müssen Ordner UND Polizei vor dem Block stehen – die Situation gestern wäre verhältnismäßig einfach zu kontrollieren gewesen, zumindest im Stadion.

Nun wird also wieder diskutiert über die neue Gewaltspirale im Fußball und es werden viele Dinge in einen Topf geworfen – die Fanproteste in Stuttgart, die Nürnberger Pyromanen aus dem Bochum-Spiel und die Randalierer von Berlin. Am besten käme man voran, wenn man auf jede Herausforderung eine individuelle Antwort suchen und nicht in Hysterie verfallen würde. Ganz klar ist aber auch: Die Parole der Ultras, „gegen jedes Stadionverbot“, wird mit jeder neuen Aktion dieser Art absurder.

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2 Kommentare

  1. Was die fehlende Präsenz von Polizei und Ordnern vor der Hertha-Kurve angeht, kann ich dir nur zusstimmen. Da reichen doch in der Regel weit weniger emotionale Situationen um die Ordnungshüter auf den Plan zu rufen.
    In Berlin kann man sich auf Seiten der Verantwortlichen anscheinend gar nicht vorstellen, was diese sportliche Talfahrt für die eigenen Anhänger bedeutet. Und das, obwohl diese vor dem Spiel nichts ausgelassen haben, um ausdrücklich darauf hinzuweisen.

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  2. Sowohl Polizei als auch Verantwortliche haben das unterschätzt. Wahrscheinlich hätte es weit weniger als eine Hundertschaft Polizisten gebraucht, um die Fans am Überqueren des Grabens zu hindern.

    Inzwischen ist das fast schon wieder Schnee von gestern im schnelllebigen Fußballgeschäft und ich freue mich auf das BVB-Gastspiel in Berlin! ;-)

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