1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 3 Leverkusen 0

Männer, die zwischen Pfosten treffen. Oder Treffer verhindern.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Santana, Subotic, Owomoyela – Kehl (90. Feulner), Hajnal – Großkreutz, Zidan, Kuba (90. Hünemeier) – Barrios (73. Rangelov). Tore: Barrios (2), Rangelov.

Da wären wir wieder beim Thema der letzten Woche: Halbzeitansprachen und was sie ausrichten können. Was haben Jürgen Klopp und Sebastian Kehl den Spielern gestern in der Kabine gesagt? Haben die Worte Wirkung gezeigt oder haben wir einfach Glück gehabt, dass wir nach der Pause schnell in Führung gegangen sind?

Es dürfte keine zwei Meinungen darüber geben, dass die Partie gegen den Tabellendritten ein Spiel der zwei Hälften war. Und, wenn man es denn zuspitzen will, ein Spiel der zwei Männer: In der ersten Hälfte retteten uns Roman Weidenfeller mit seiner besten Saisonleistung und ein bisschen Glück den A****. In der zweiten erlebten wir einen brillanten Auftritt von Lucas Barrios, mit zwei schönen Toren und einem Beinahe-Tor des Jahres.

Die Leistung der Leverkusener war dabei bis zur 60. Minute spiegelbildlich zu der des BVB in Bochum letzte Woche: Die erste Hälfte dominierten die Gäste weitestgehend. Und das noch deutlicher als wir beim kleinen Nachbarn. Mit Kießling und Derdiyok haben die Leverkusener gleich zwei Torjäger in ihren Reihen, die zu den besten der Liga gehören. Dazu zeigten sie ein international absolut konkurrenzfähiges Pass- und Kombinationsspiel, mit dem die Schwarz-Gelben nicht zurechtkamen.

Gerade im Mittelfeld kamen wir nicht in die Zweikämpfe. Ob das daran lag, dass Tamas Hajnal auf der ungewohnten 6er-Position als Sahin-Ersatz seine Startelf-Rückkehr feierte? Nicht in erster Linie, denn alle Dortmunder Mittelfeldspieler waren auf ihren Positionen zweiter Sieger im Vergleich mit ihren Gegenspielern. Ich glaube nicht, dass Nuri in der ersten Hälfte den Unterschied hätte ausmachen können. Genau das, was die Leverkusener in der ersten Hälfte auszeichnete, ließen bei Dortmund alle vermissen: Kreativität im Offensivspiel und schnelle, genaue Pässe. Stattdessen sahen wir das Stilmittel aller technisch unterlegenen Fußballmannschaften: Lange, hohe Bälle nach vorne, die fast immer von der Gäste-Abwehr abgefangen wurden.

Rene Adler hatte in der ersten Hälfte keinen ordentlichen Torschuss abzuwehren, während Roman Weidenfeller auf der anderen Seite mehrmals in höchster Not klären musste. Er löste das gestern hervorragend und sehr souverän. Zweimal kam er gegen Kießling genau rechtzeitig aus dem Tor, einmal lenkte er einen Kopfball von Derdiyok mit einem Reflex über die Latte. Kurz vor der Pause half dann bei einem Schuss des Schweizers der Pfosten aus.

Natürlich hatte der BVB Glück mit der schnellen Führung nach dem Wiederanpfiff. Zudem hatte Heynckes Kießling verletzungsbedingt durch Helmes ersetzen müssen. Aber das Auftreten der Schwarz-Gelben war auch ein anderes. Vor dem Eckball durch Hajnal, der zum 1:0 von Lucas führte, hatte Kevin Großkreutz bereits die erste große BVB-Chance gehabt. Die Leverkusener nahmen sich wie wir letzte Woche nach der Pause eine Auszeit, aus der sie jedoch im Gegensatz zu uns nicht mehr zurückkehren sollten. Unsere Mannschaft war plötzlich präsent, mit dem Stadion im Rücken waren Passivität und Respekt weg und die Lust auf mehr da.

Es waren die Minuten von Lucas Barrios, aber natürlich schlug er Bayer nicht im Alleingang. Dank Tamas Hajnal sind Dortmunder Ecken jetzt noch gefährlicher, nicht nur bei der Führung. Auch Sebastian Kehl und Mohamed Zidan steigerten sich deutlich im zweiten Durchgang. Nachdem Lucas Barrios Torwart Adler mit einem 40-Meter-Heber nur beinahe überrascht hatte, bereitete Mo wenig später das zweite Tor unseres Torjägers mit einem sehr gut getimeten Pass vor, Lucas traf sehenswert mit dem Außenrist.

Es war schon erstaunlich, wie wenig daraufhin den Gästen noch gelang. Plötzlich wirkten deren Bemühungen nur noch wie hilfloses Gestochere, bis auf einen Schuss des eingewechselten Kroos spät in der Partie. Die Schwarz-Gelben hatten noch die Möglichkeit, nachzulegen, aber es kam lange nichts dabei raus. Bis, und das ist wieder so eine typische Fußball-Geschichte, Dimitar Rangelov kam. Der Bulgare war lange verletzt und auch sonst selten erste Wahl gewesen – gestern brachte ihn Jürgen Klopp in der 73. Minute für den, man sollte es nicht glauben, ja nicht zu 100% fitten Barrios. Vier Minuten vor Schluss setzte Rangelov im Mittelfeld nach, zwang seinen Gegenspieler zu einem Fehler und rannte mit dem Ball aufs Tor zu. Rechts lief Zidan mit und alle dachten wohl „spiel bitte, bitte ab“, aber Rangelov machte das Tor alleine. Und somit alles richtig.

Der BVB hat sich gestern wieder mal in einem Spiel als steigerungsfähig erwiesen – eine sehr wichtige Eigenschaft im Kampf um das internationale Geschäft. Wie sieht es nach 27 Spieltagen in der Liga aus? Ich habe gestern auch die letzte halbe Stunde der Konferenz gesehen und konnte mir den Jubel nicht verkneifen, als die Eintracht den Bayern in den letzten Minuten noch zwei einschenkte. Nach unserem Sieg kann und sollte der HSV jetzt natürlich gleich gegen S04 gewinnen. Für manche Medienvertreter und Fans ist nun sogar der dritte Platz für den BVB realistisch – ich gehe angesichts der ersten Hälfte der Leverkusener davon aus, dass ihnen der Punkteabstand reichen wird, um Platz 3 zu verteidigen. Que sera, sera…

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6 Kommentare zu „1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 3 Leverkusen 0

  1. Lass uns doch mal richtig träumen!
    Vielleicht fangen wir Leverkusen wirklich nicht mehr ab, aber wie wäre es denn mit den Blauen?
    Im Moment scheint ja nichts unmöglich zu sein 🙂

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  2. @Till-Henning: Es wäre ja auch nicht das erste Mal, dass wir fünf Punkte auf Leverkusen aufholen. 😉
    Noch schöner wäre natürlich, wenn die Blauen nächstes Jahr Europa League spielen. Dann darf Leverkusen gerne zum ersten Mal Meister werden – verdient hätten sie es in dieser Saison. Das sind aber doch Wunschvorstellungen, die (noch) nicht sehr wahrscheinlich sind.

    @Stefan: *lol* ich lehne mich mal aus dem Fenster: Wir sind bekloppte Dortmunder und nicht Wolfsburg!

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