1. Bundesliga, 28. Spieltag / Hertha BSC 0 BVB 0

Ein nicht trügerisches Bauchgefühl.

Unter 15.000 Dortmundern

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Santana, Subotic, Owomoyela – Sahin, Kehl (61. Bender) – Großkreutz, Zidan (46. Hajnal), Kuba – Barrios.

Ich war die ganze Woche recht optimistisch, aber als ich gestern aufwachte, hatte ich direkt ein ungutes Gefühl, was dieses Spiel angeht. Unbegründet, aber zu Recht, wie sich herausstellen sollte. Vor den Toren des Olympiastadions gab es bereits um viertel vor drei die übliche riesige Menschentraube und es dauerte über eine halbe Stunde, bis wir die Drehkreuze passiert hatten. Irgendwie war der Plan, rechtzeitig da zu sein, erneut fehlgeschlagen. Gerade jetzt mehr Eingänge zu fordern ist wohl der falsche Zeitpunkt.

Die Stimmung im Stadion war gut, die Hertha-Fans in der Ostkurve gaben noch mal alles und machten mehr Alarm als bei allen meinen Besuchen zuvor. Die Partie entsprach zunächst den Kräfteverhältnissen beim Support – in seinem Verlauf sollten sich nur die BVB-Fans wirklich steigern. Es war trotz aller hehren Worte und Mahnungen ein blutleerer Auftritt der Mannschaft, garniert mit viel zu vielen Aussetzern in der Defensive und Fehlpässen. Das Beste an dem Spiel war, dass wir es nicht verloren haben.

Die Erklärungsversuche einiger Spieler gingen anschließend dahin, dass man die Berliner offensiver erwartet hätte – also wohl blind anrennend wie die Stiere – und auf Konter spekuliert habe. Selbst wenn man sich bei der Taktik verspekuliert hatte, wäre jedoch genügend Zeit gewesen, die nötigen Änderungen vorzunehmen. Nein, es war einfach ein schwacher Auftritt von zu vielen Schwarz-Gelben. Etwa vom zuletzt hochgelobten Kapitän Sebastian Kehl, der gestern eine ungewöhnlich hohe Fehlpassrate hatte und nach einer Stunde sogar ausgewechselt wurde. Bei einem Spieler, der so lange verletzt war, sind solche Rückschläge natürlich zu erwarten.

In einem Spiel gegen den Tabellenletzten kamen die schwachen Leistungen von Neven Subotic und Patrick Owomoyela nicht sonderlich überraschend, sind aber trotzdem kritikwürdig. Das wirkte unkonzentriert, teilweise phlegmatisch, und führte immer wieder zu gefährlichen Berliner Szenen. Felipe Santana war einen Tick besser, außer natürlich beim vermeintlichen 0:1. Letztendlich gewinnt und verliert die Mannschaft aber zusammen, gestern schaffte sie mit etwas Glück ein Unentschieden. Auch in Mittelfeld und Sturm stach niemand durch eine stark überdurchschnittliche Leistung hervor.

Viele Menschen, die aufpassen, dass niemand Abfall wegwirft

Nicht hilfreich war, dass Mohamed Zidan, der in den vergangenen Wochen bekanntlich häufig den Unterschied ausmachte, zur Pause verletzt draußenbleiben musste. Sein Vertreter Tamas Hajnal fand nicht richtig ins Spiel und konnte somit auch keine neuen Impulse geben. Stärkster Borusse war Roman Weidenfeller, der gestern vor allem mit guter Strafraumbeherrschung auffiel.

Die Berliner hätten trotzdem eine ihrer zahlreichen Chancen verwerten müssen und sollten sich jetzt nicht wegen einer strittigen Abseitsentscheidung aufregen. Diese kam zehn Minuten vor Schluss. Gekas stand im Abseits, der Ball kam jedoch zu Santana, der ihn zu Weidenfeller zurückköpfen wollte. Stattdessen kam der Grieche an den Ball und köpfte ihn an Weidenfeller vorbei. Strittig war dabei die Auslegung des passiven Abseits. Jürgen Klopp meinte, dass durch den Kopfball keine neue Spielsituation entstanden sei, da Gekas Santana irritiert habe – folglich war es Abseits. Das muss man natürlich nicht so sehen.

Im Stadion realisierte ich erst nach einigen Sekunden und damit noch früher als die Meisten, dass Schiedsrichter Wagner den Treffer nicht gegeben hatte. Zeitlupen gab es dort natürlich keine. Spätestens nach dieser Szene war ich mit dem Unentschieden zufrieden. Es war allerdings nicht so, dass der BVB gar keine Chancen gehabt hätte. Barrios hatte in jeder Halbzeit eine große Gelegenheit per Kopf und kurz vor Schluss hätte Sahin ziemlich frei stehend aus acht Metern das Siegtor machen müssen. Es wäre glücklich gewesen, aber was letztlich zählt ist die Chancenverwertung.

Es ist eigentlich absurd, dass wir nach diesem Spiel und noch dazu durch einen Gelsenkirchener Sieg bis auf vier Punkte an Platz 3 herangerückt sind. Nach der gestrigen Leistung braucht man sich darüber aber keine Gedanken zu machen – das Spiel gegen die erneut siegreichen Bremer wird ohnehin schwer genug.

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Ein Kommentar

  1. Und jetzt?…

    Zum Spiel selber möchte ich einfach mal Pete Postlethwaite aus dem Film “Brassed Off” zitieren: “Das war Mist! Von Vorne bis hinten Mist!” Die Stimmung im gut gefüllten Gästebereich war diesmal ziemlich mau, wie eben auch das Sp…

    Gefällt mir

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