1. Bundesliga, 30. Spieltag / FSV Mainz 05 1 BVB 0

Standard

Schlechte Favoriten.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Großkreutz (58. Valdez), Zidan (81. Rangelov), Kuba (69. Hajnal) – Barrios.

(Updated) Borussia Dortmund hat seit dem verlorenen UEFA-Cup-Finale 2002 die Angewohnheit, zu schwächeln, wenn es um etwas Wichtiges geht. Das ist eine historische Konstante und kein psychologischer Defekt, aber trotzdem augenscheinlich. Ein Erklärungsansatz für das Problem kommt nicht ohne die Vokabeln „Qualität“ und „Konstanz“ (letzteres ohnehin eines der Wörter der Bundesliga-Saison) aus. Leider scheint die Konstanz immer in entscheidenden Phasen zu fehlen.

Zu erwarten waren gestern am Bruchweg zwei Mannschafen mit ähnlicher Spielweise auf unterschiedlichem Qualitätsniveau. Am Ende verlor die Borussia, obwohl sie eher zu ihrem Spiel fand. Von Beginn an zeigte sich die Mannschaft aggressiv und spielte Pressing, um den Mainzern gleich die Spielfreude zu nehmen. Das gelang auch und sogar zehn Minuten ohne die Unterstützung der Fans. Die BVB-Fans schwiegen aus Protest gegen die Aussperrungen von Anhängern anderer Vereine (Köln, Hertha etc.). Die Mainzer schienen sich an dem Boykott nicht zu beteiligen. Ohnehin geben das Bruchwegstadion und seine Besucher ein zwiespältiges Bild ab, soweit man das am Fernseher erlauschen kann: Gute Laune mag dort herrschen – zu hören ist davon aber nicht viel.

Schwarz-Gelb dominierte das Spiel, kam aber nur zu wenigen Torgelegenheiten. Mainz stand unfreiwillig tief, war aber stabil in der Abwehr – hier sind die erfahrenen Innenverteidiger Svensson und Noveski hervorzuheben. So entwickelte sich die Partie zu einem frustrierenden Anrennen ohne viele Höhepunkte. Zur Mitte der ersten Hälfte hatte der BVB die Führung mehrmals auf dem Fuß bzw. Kopf. Owomoyelas Kopfball wurde aber kurz vor der Linie geklärt und wenig später parierte Torwart Müller mit einem starken Reflex einen Abstauber von Lucas Barrios – allerdings ging der Ball auch direkt auf den Mann.

Es fehlte an Effektivität und Ideen, trotz der Aussagen von Jürgen Klopp nach dem Spiel betraf das auch und gerade die Außenbahnen. Bezeichnenderweise stellte der Trainer dort in der zweiten Hälfte erst um und wechselte dann aus. Durch die Mitte ging ebenfalls wenig, so dass auch Zidan vorzeitig vom Platz musste. Das zweite Problem gestern: Durch die 69% Ballbesitz und das Gefühl, das Spiel im Griff zu haben, ließ sich die Defensive einlullen und patzte 3-4 Mal gehörig, einmal entscheidend. Das Dribbling und der Torschuss der Madrider Leihgabe Adam Szalai waren eine feine Einzelleistung, dürfen aber aus schwarz-gelber Sicht so nicht passieren. Es war nicht Mats Hummels bester Tag gestern – in der Szene ließen sich aber mehrere Dortmunder düpieren.

Die zweite Halbzeit war dann richtig enttäuschend. Die Mainzer machten noch dichter als zuvor, hatten aber über Konter und einen Heber von Amri über Weidenfeller sogar mehr Chancen. Eine Riesenchance zum Ausgleich hatte der BVB noch: In der 83. Minute köpfte Nelson Valdez freistehend knapp neben den Pfosten. So bleibt der sympathische und engagierte Paraguayaner der Wechselkandidat Nummer 1 im BVB-Sturm.

Der Abstand auf Platz 7 könnte sich heute auf fünf Punkte verringern – trotzdem gibt es außer der Historie keinen Grund, warum das Schicksal des BVB bereits besiegelt sein sollte. Eine Niederlage in Mainz war nie ausgeschlossen und ist in dieser Saison schon anderen passiert. Als nächstes kommt die TSG Hoffenheim ins Westfalenstadion, zurzeit der Krisenklub der Liga und als solcher eigentlich prädestiniert, Punkte bei uns mitzunehmen. Aber in dieser Saison spricht genausowenig für grundlosen Pessimismus wie für grundlosen Optimismus und deshalb werde ich dem Spiel nicht mit einer Prognose vorgreifen.

Eine der wenigen zweifelhaften Personalentscheidungen von Jürgen Klopp war für mich, so eindeutig für Marcel Schmelzer und gegen Dede als Linksverteidiger zu votieren. Kommenden Sonntag wird der dienstälteste Dortmunder die Chance haben, zu zeigen, ob er mit dem Jüngeren noch mithalten kann. Schmelle ist gelbgesperrt, Dede wird spielen, wenn er fit bleibt. Eine ähnliche Konkurrenzsituation muss für die nächste Saison auch rechts hinten geschaffen werden.

UPDATE: Schwatzgelb.de war natürlich im Stadion und kann den Fanprotest somit besser beurteilen als ich. Anscheinend hat die Mainzer Tribüne geschwiegen, allerdings hat sich das nicht auf Haupt- und Gegentribüne übertragen. Die generelle Stimmung beurteilt Schwatzgelb ähnlich wie ich.

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2 Gedanken zu “1. Bundesliga, 30. Spieltag / FSV Mainz 05 1 BVB 0

  1. Also es war schon ruhig, der Gästeblock war überraschend komplett ruhig, da haben 99% mitgezogen.

    Die Ultraszene Mainz hat auch mitgemacht, zumindest wurde optisch 10 Minuten nichts gemacht. Stimmungstechnisch konnte ich aber keinen Unterschied feststellen zwischen Protest und den restlichen 80 Minuten.

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