Vizekusen (TM)

Lach- und Sachgeschichten aus der Bundesliga, die den nervenzerfetzenden Endspurt etwas auflockern: Bayer 04 Leverkusen hat sich beim Deutschen Patent- und Markenamt den Begriff „Vizekusen“ schützen lassen. Erwartet uns jetzt eine neue selbstironische Werbekampagne à la „Pillendreher“ und „Werksclub“? Zunächst mal geht es um etwas anderes, wie Bayer-Kommunikationschef Meinolf Sprink erklärt: „Wir schützen einen Begriff, damit kein Schindluder damit getrieben wird.“ Und er stellt klar: „Unser Saisonziel ist es nicht, immer Zweiter zu werden.“

Als Marketing-Mensch bei Bayer 04 hat man es bestimmt nicht leicht und so ist dieses vorausschauende Vorgehen natürlich vollkommen nachvollziehbar. Für den Fall der Fälle hat man sich auch „Meisterkusen“ gesichert, vergessen wurde allerdings „Bronzekusen“.

Bei Hertha BSC Berlin übt man sich unterdessen in klassischen Formen des Widerstands und hat einen Protestbrief an den DFB geschickt. Thema: Die vermeintlich ungeheure Benachteiligung durch die Schiedsrichter. Manager Michael Preetz legte in den Medien nach und sprach von acht „weggepfiffenen“ Punkten gegen Nürnberg, Dortmund und Stuttgart. Diese Argumentation erinnert sehr an die unseligen „Wahren Tabellen“, die so gut wie keine Aussagekraft besitzen. Nur mal am Beispiel Dortmund erklärt: Woher weiß Preetz, dass das Spiel nicht trotzdem Unentschieden ausgegangen wäre, wenn Herthas nicht gegebenes Tor gezählt hätte? Vielleicht hätte dann Nuri Sahin kurz vor Schluss besser gezielt – wer weiß das schon?

Es kommt aber noch dicker: Preetz bezeichnete die Schieds- und Linienrichter-Ansetzungen vom Stuttgart-Spiel als „unglaublich“ – weil Michael Weiner aus dem niedersächsischen Giesen und ein Assistent aus Hannover kommt. Nicht überliefert ist, ob der Hertha-Manager im Protestbrief vorsorglich westfälische und bayerische Schiedsrichter ablehnt. Schließlich wäre es für Schalke und Bayern gut, wenn Hertha am Saisonende schon abgestiegen wäre.

Während man über die Bayer-Aktion lächeln kann, ist der Hertha-Brief eher lächerlich. Wenn die eigene Qualität nicht reicht, versucht man halt, die Unparteiischen zu beeinflussen. Und lenkt damit geschickt von den Fehlern der eigentlich Verantwortlichen ab. Sicher, es gab unglückliche Schiedsrichter-Entscheidungen gegen Hertha – aber wie wäre es denn einfach mal mit Tore schießen?

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4 Kommentare

  1. Sicher muss Hertha auch mal die Tore gegen kompakte Defensivreihen erzielen. Dann müsste sich der Verein nicht über die Schiris beschweren. Das ist klar.

    Aber man darf durchaus auch mal einen Blick auf die wahre Tabelle richten. Und da darf man sich schon mal ärgern, wenn man dort auf einem Nicht-Abstiegsplatz gelistet wird.

    Fest steht jedoch auch, dass das nichts bringt und eben nur viel Häme bringt. Typisch für Hertha in dieser Saison.

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  2. Klar kann man sich als Hertha-Fan über einige Schiedsrichter-Entscheidungen ärgern. Da gab es Fehler und ein paar 50/50-Fälle. Aber ich bin der Meinung, dass das Aufstellen von ‚Wahren Tabellen‘ völlig sinnfrei ist und das gleiche gilt für Preetz‘ Gerede von „acht weggepfiffenen Punkten“. Niemand kann seriös sagen, wie ein Spiel ohne eine bestimmte Fehlentscheidung ausgegangen wäre – höchstens bei einem Elfmeter in der Nachspielzeit.

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