1. Bundesliga, 31. Spieltag / BVB 1 TSG Hoffenheim 1

Gladbach II.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin (22. Hajnal), Sven Bender – Großkreutz, Zidan (29. Valdez), Kuba (82. Feulner) – Barrios. Tor: Valdez

Es sind zwar noch drei Spieltage zu bestreiten, aber abgesehen davon wies die Partie gegen Hoffenheim deutliche Parallelen zum Saisonabschluss 2009 auf. Für den BVB ging es gegen eine Mannschaft, die tief im Sumpf – wenn auch nicht ganz im Abstiegssumpf – steckte, um absolute Big Points. Wir wurden vom Schiedsrichter benachteiligt, aber letztendlich versäumte es die Mannschaft, den Gästen mit dem 2:0 den so was von sicheren K.O. zu versetzen. Stattdessen bekam die TSG die Möglichkeit zum ‚Lucky Punch‘ – mit dem einzigen Schuss aufs Tor im gesamten Spiel. Das Grauen kam kurz vor Schluss und führte zum für mich neben den Derbys frustrierendsten Punktverlust der Saison.

Selbstverständlich war dieser unnötig und unverdient. Die TSG ist inzwischen so etwas wie die Antithese zu dem Team, das 2008 zumindest spielerisch die Liga begeisterte. Bei Ballbesitz für Schwarz-Gelb standen die Gäste mit zehn Mann tief in der eigenen Hälfte. Als sie ihre Angriffsbemühungen gezwungenermaßen verstärkten, wirkten sie uninspiriert. Auszugleichen versuchte Rangnicks Team das durch viele Fouls (erste Hälfte) und Schauspiel-Einlagen (zweite Hälfte).

Im Gegensatz zur Beurteilung der teilweise fiesen Fouls der Hoffenheimer pfiff Schiedsrichter Wolfgang Schwach Stark gegen Schwarz-Gelb in der zweiten Hälfte kleinlich. Der einzige grobe Fehler war allerdings die Aberkennung eines regulären Treffers von Lucas Barrios kurz nach der Pause wegen Abseits – gleich zwei Hoffenheimer hatten dieses aufgehoben. Der BVB hat aufgrund früherer Erfahrungen allen Grund, bei diesem Schiedsrichter skeptisch zu sein. Dass nun im Nachbericht auf der Vereins-Homepage vorgerechnet wird, dass das Tor von Nelson Valdez eigentlich das 2:0 gewesen wäre, ist natürlich kindisch.

Viel mehr dürften die Verletzungen auf Dortmunder Seite den Spielverlauf beeinflusst haben. Zunächst wurde Nuri Sahin von Salihovic im Zweikampf mit dem Ellbogen das Nasenbein gebrochen. Das sah im Fernsehen unabsichtlich aus – es braucht allerdings einen heftigen Schlag bis ein Nasenbein bricht. Nuri musste ausgewechselt werden, wird aber sehr wahrscheinlich in Nürnberg mit einer Maske spielen können. Die fällige Operation soll erst nach Saisonende erfolgen. Wenige Minuten später hatte Mohamed Zidan einfach Riesenpech: Er wollte seinen Lauf abstoppen, kam unglücklich auf und erlitt einen Riss des vorderen Kreuzbands. Die Tragweite dieser Art von Verletzung dürfte jedem Fußballfan bekannt sein: Sechs Monate Pause sind einzuplanen. Auf diesem Wege gute Besserung, Mo!

Nach einer halben Stunde fehlten den Schwarz-Gelben also zwei Schlüsselspieler, die kreativen Köpfe des defensiven und offensiven Mittelfelds. Bedenkt man noch das von mir bereits beklagte Fehlen von Kapitän Kehl, wird verständlich, warum die Mannschaft das Spiel nicht bis zum Schluss souverän gestaltete. Trotzdem hätte man in DIESEM Spiel drei Punkte einfahren müssen. Es klappte ja mit der Führung: Hajnal setzte Kuba schön ein, dessen Flanke von rechts erschien erst viel zu weit, aber Kevin Großkreutz erlief sich den Ball an der linken Eckfahne und flankte schön in die Mitte, wo Nelson Valdez den Braten gerochen hatte und per Kopf traf.

Der BVB hatte nicht sonderlich viele Torchancen kreiert, aber immer noch deutlich mehr als von Hoffenheim kam. Wir führten 1:0. Dass dann etwas mehr Ergebnisverwaltung als üblich betrieben wurde, ist unter den geschilderten Umständen verzeihlich – wenn man die sich bietenden Möglichkeiten nutzt und/oder hinten bis zum Abpfiff konzentriert bleibt. Doch in der 89. Minute kam der Heartbreaker, ausgelöst durch einen Ballverlust von Tamas Hajnal im Mittelfeld, erleichtert dadurch, dass Carlos Eduardo halblinks flanken durfte und Mats Hummels Ibisevic nicht am Kopfball hindern konnte. Ziemlich unverständlich ist mir, warum der Sky-Kommentator felsenfest von einem Eigentor ausging – für mich legte der Bewegungsablauf  gleich ein normales Kopfballtor nahe.

Mit einem Tag Abstand, den positiven Nachrichten von Nuri Sahin und nach einer ausführlichen Diskussion des Restprogramms aller Konkurrenten hat sich die Enttäuschung bei mir wieder ein bisschen gelegt. Nun sind wieder andere die Favoriten auf die Plätze 3 und 4 und müssen ihrerseits mit dem Druck klarkommen. Vier Punkte aus den restlichen Spielen sollten für die Europa League reichen, für Platz 3 müsste der BVB jetzt schon alles gewinnen. Besser ein neues Gladbach jetzt als eins am 34. Spieltag.

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5 Kommentare

  1. Also ich hab das Spiel live auf Sky verfolgt und war wiedermal erschreckt über die Spielweise der Borussia.

    Wie Nick schon meinte, das alte Problem, wenns um etwas geht dann läuft einfach nichts zusammen.
    Dieser Punkteverlust war auch für mich, neben den beiden Derbys mit am schwersten zu verkraften.

    Sicher, nach den Ausfällen der beiden Leistungsträger und dem aberkannten Tor ist es natürlich schwer zu spielen gegen eine Mannschaft die nur im 16er stand. Aber wenn man dann schon das Tor macht und dann solchen Angsthasen Fußball zeigt dann fehlen mir die Worte.
    Vor allem kann man das Ergebnis doch nicht schon ab der 70. oder 75. Minute versuchen nach Hause zu schaukeln.

    Und dann der gute Tamasz Haynal, den ich eigentlich sehr schätze, ist nur noch ein Schatten seiner selbst..
    Einzig der Pass auf Kuba ließ seine alte Klasse aufblitzen, aber mit der Leistung Stammplatzansprüche zu formulieren. ich weiß ja nicht.

    Zwar hatte ich auch vor dem Spiel von der CL Quali geträumt, doch nun muss man realistisch einraümen das dies vermutlich nicht mehr gelingt. Zwar wird Bremen nicht auf Schalke und gegen Hamburg sechs Punkte einholen, doch ich bezweifle das der BVB eine Serie startet.
    Das einzig Gute ist, das Hamburg momentan so schwächelt, das man von denen eigentlich nichts mehr befürchten muss. Somit wäre wenigstens Rang 6 sicher.

    Obwohl wir die Einnahmen der CL sicherlich gut gebrauchen könnten..

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  2. Ich sehe das ähnlich, Platz 6 ist allemal drin und auch Platz 5 halte ich für realistisch. So gebraucht der Satz klingt, aber jetzt müssen wir halt von Spiel zu Spiel schauen. Bei Nürnberg fällt Abwehrchef Wolf aus – da müsste was drin sein, wenn wir uns wieder ein bisschen steigern können.

    Tamas Hajnal wird jetzt unter Umständen auf der Zidan-Position beweisen können, dass er es besser kann als am Sonntag. Weiter vorne ist er besser aufgehoben, ich würde ihm die Chance geben, auch weil er gute Standards schießt.

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  3. Ja wenn wir in Nürnberg was holen, würde das meine Stimmung sicherlich wieder aufbessern. Uns kommt zu gute das die sich nicht einfach hinten reinstellen können, da sie ja die Punkte brauchen um aus dem Keller zu kommen.
    Und wenn Lucas dann auch mal wieder das Tor trifft und wir in Führung gehen dann wirds für die Nürnberger schwer.
    Der BVB tut sich auswärts meist leichter da er nicht das Spiel machen muss.

    Stimmt die Zehner Position liegt ihm besser, jetzt kann er sich in den letzten Spielen noch beweisen.
    Wenn hinter ihm Sahin und Bender absichern genießt er offensiv alle Freiheiten.

    Und dennoch fehlt mir noch die ein oder andere Verstärkung. Hoffe das Lewandowski nach der Saison noch zu uns wechselt..

    Dabei wäre eine mögliche CL Teilnahme sicherlich nicht von Nachteil..grins

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