Vor dem Start IV: Der Sturm

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„Any Given Weekend“ beleuchtet in einer fünfteiligen Serie den Stand der Dinge bei Borussia Dortmund kurz vor dem Saisonstart am 14. August in Burghausen. Ich nehme dafür die verschiedenen Mannschaftsteile unter die Lupe – unter besonderer Berücksichtigung von deren Konkurrenzfähigkeit in der Bundesliga. Daraus leitet sich die Saisonprognose ab, mit der die Serie schließt.

Über diesen Mannschaftsteil gibt es vergleichsweise wenig zu diskutieren. Im aktuellen Spielsystem des BVB ist nur eine nominelle Stürmer-Stelle zu vergeben und die Hierarchie ist eigentlich klar. Es gibt jedoch ein paar ‚wenn‘ und ‚aber‘, eines davon gleich zu Beginn. Sollte Lucas Barrios erschöpft oder gar verletzt von der Länderspielreise nach Südamerika zurückkehren, dürfte 4 1/2-Millionen-Neuzugang Robert Lewandowski doch in die Sturmspitze rücken und die Position bei einer Glanzleistung erst mal behalten.

In der Vorbereitung gelangen dem polnischen Spieler des Jahres mehrere Treffer, mit der Position hinter den Spitzen ist er allerdings noch nicht richtig warm geworden. Wenn Barrios und Lewandowski gut harmonieren, könnte Jürgen Klopp daher versucht sein, das System hin und wieder oder sogar längerfristig hin zu einem 4-4-2 zu verschieben. Und noch ein ‚wenn‘: Findet der Trainer die richtige Rolle für Lewandowski, ist der Stürmer für eine zweistellige Zahl von Toren gut. Bei Lucas Barrios scheinen sich die ‚Experten‘ wie zu Beginn seiner Dortmunder Zeit nicht einig über seine Fähigkeiten zu sein. Manche trauen ihm nicht zu, noch mal die beeindruckende Marke von 19 Treffern zu erreichen. Teilweise vermutet man Motivationsschwierigkeiten nach der WM. Vielleicht werden es tatsächlich ein paar Tore weniger – das könnte dann aber auch daran liegen, dass Barrios bessere Offensivpartner bekommt.

Eine erfolgreiche Offensive zu haben setzt selbstverständlich voraus, dass Jürgen Klopp die beste Spieler-Kombination findet. Und angesichts der ersten zwei Klopp-Jahre spricht nun wirklich nichts dagegen. Barrios und Lewandowski können mit der richtigen Unterstützung ein schlagkräftiges Duo werden. Zumindest Lucas hat schon bewiesen, dass er auch ein mitspielender Stürmer sein kann. Aber was macht der BVB mit den ganzen anderen Stürmern? Nelson Valdez wird wahrscheinlich in Kürze nach Alicante wechseln. Mohamed Zidan ist noch geraume Zeit verletzt und hängt zudem in Ägypten fest. Nach seiner Rückkehr und Genesung ist er sowohl eine Option für das offensive Mittelfeld als auch im Sturm. Dimitar Rangelov hat zwar seine Qualitäten, die er bisher nicht häufig zeigen konnte oder durfte – trotzdem dürfte er bei einem ordentlichen Angebot wohl gehen. Die Frage ist nur, wer zurzeit bereit ist, eine siebenstellige Summe zu zahlen, denn für viel weniger wird man ihn nicht abgeben wollen.

Aus dem eigenen Nachwuchs stehen Marco Stiepermann und Daniel Ginczek im Kader. Stiepermann kam in der letzten Saison auf einige Kurzeinsätze in der ersten Mannschaft und sollte daher einen leichten Vorsprung vor Ginczek haben. Beide Spieler konnten sich allerdings in den Vorbereitungsspielen nicht so aufdrängen wie Mittelfeld-Hoffnung Mario Götze. Schließlich gibt es noch den ‚Vergessenen‘. Natürlich werden BVB-Fans wissen, von wem ich rede, aber Damien Le Tallec ist nach seiner Schulterverletzung letzte Saison ziemlich aus dem Fokus gerückt. Der 20-jährige Franzose hatte sich zuvor nah an die Stammelf herangearbeitet, scheint aber von diesem Status momentan wieder weit entfernt zu sein. Hier würde ich mir vom Verein, also konkret der Website und dem Mitgliedermagazin, mehr Informationen wünschen, denn Damien hat sein Talent bereits ansatzweise zeigen können.

Der BVB hat mit Lewandowski und Barrios ein vielversprechendes Sturmpaar gefunden – wenn die beiden harmonieren. Mit Zidan, zur Not Rangelov und ein paar entwicklungsfähigen jungen Leuten ist die schwarz-gelbe Offensive auch in der Breite sehr ordentlich besetzt. Daher gehört sie für mich, trotz der ‚wenn‘ und ‚aber‘, zum oberen Drittel der Bundesliga.

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3 Gedanken zu “Vor dem Start IV: Der Sturm

  1. Andy

    Ich stimme mit deinen Aussagen weitgehend überein und hoffe zudem des es bei Barrios & Lewandowski keine entweder oder Entscheidung wird.. Wenn beide regelmässig spielen und von Verletzungen verschont bleiben traue ich ihnen eine Quote im zweistelligen Bereich zu..
    Auch bei mir ist Le Tallec schon in Vergessenheit geraten, vermute aber das er es zukünftig sehr schwer haben wird da vor allem Götze in der Vorbereitung einen Riesenschritt gemacht hat..

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  2. Klar, Le Tallec wird es in dieser Saison schwer haben, über die Back-Up-Rolle hinauszukommen und würde wohl nur eine Chance bekommen, wenn wir eine echte Verletztenmisere hätten. Wir haben ja wirklich einige gute Leute in der Offensive. Ich finde es nur schade, dass man auf der Website oder im „Borussia“-Magazin nie etwas von seinen Fortschritten gehört hat – er hatte ja diese unglückliche Schulterverletzung. Ich fände es interessant, auch öfter mal etwas zu den Spielern zu lesen, die ‚im Schatten‘ der anderen stehen.

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