1. Bundesliga, 1. Spieltag / BVB 0 Bayer Leverkusen 2

Burghausen, Qarabag, Leverkusen…irgendetwas passt hier nicht.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela (77. Rangelov) – Sahin, Kehl (63. Lewandowski) – Götze, Kagawa, Großkreutz (67. Piszczek) – Barrios.

Es war vollkommen klar, dass es nicht so souverän weitergehen würde wie in DFB-Pokal und Europa League. Was der BVB gestern gegen einen starken Meisterschaftskandidaten zeigte, war trotzdem zu wenig. Nach der Verletzung von Kuba (ca. zwei Wochen Pause wegen Muskelfaserriss) nahm Jürgen Klopp Mario Götze in die Mannschaft, Großkreutz rückte auf die rechte Seite.

Das Spiel begann ausgeglichen, jedoch deutete sich schon durch einen Pfostenschuss von Derdiyok an, dass Leverkusen gefährlicher war. Die zwei Tore innerhalb von wenigen Minuten um die 20. herum zeigten den Unterschied: Die Gäste konnten und durften sich flüssig durch die Dortmunder Abwehr kombinieren, Schmelzer und die Innenverteidigung sahen jeweils nicht gut aus. Es war aber auch die individuelle Klasse von Leuten wie Vidal, Renato Augusto, Derdiyok und Barnetta, die zum Vorschein kam.

Natürlich: Das Spiel hätte anders ausgehen können, wenn Kehls Ausgleich nach einer Kopfballverlängerung von Götze nicht fälschlicherweise wegen Abseits aberkannt worden wäre. Direkt im Gegenzug fiel das 0:2. Es gab von Dortmunder Seite jedoch zu wenig zu sehen, um zu suggerieren, dass ohne Fehlentscheidung drei Punkte herausgesprungen wären. Leverkusen ließ die Schwarz-Gelben nach der beruhigenden Führung kommen und gegen die sehr gut stehende Defensive der Gäste – hervorzuheben ist natürlich Sami Hypiä – fiel denen zu wenig ein. Meistens hatten wir schon Schwierigkeiten, das Mittelfeld zu überbrücken, so dass häufig quer oder hoch nach vorne gespielt wurde. Die hohen Bälle konnten unsere Offensivleute aber nicht verwerten – vor allem Götze, Barrios und Großkreutz versprangen sie reihenweise.

Es wurde ebenfalls wieder deutlich, dass die Außenverteidigung des BVB Probleme mit schnellen, technisch guten Gegenspielern hat. Die Leverkusener Tore wurden über Schmelzers Seite vorbereitet, natürlich darf auch der linke Mittelfeldspieler Mario Götze mal dazwischen gehen. Rechts hinten war Owomoyela zwar defensiv wenig gefordert, wirkte aber statisch und setzte keinerlei Impulse nach vorne. Jürgen Klopp sollte sich nicht scheuen, über die vorhandenen Alternativen Piszczek und (in ein paar Wochen) Dede nachzudenken.

Applaus gabs trotzdem

Applaus gabs trotzdem

In der zweiten Hälfte entwickelte der BVB deutlich mehr Druck nach vorne, kam jedoch nur zu wenigen Großchancen. Die besten Szenen waren Distanzschüsse – eine Tatsache, die einiges über das Dortmunder Spiel aussagt. Bei einem Freistoß von Sahin und einem Schuss von Schmelzer war Torwart Adler ernsthaft gefordert, bewies aber seine Klasse. Im letzten Viertel des Spiels zog sich Leverkusen noch weiter zurück und dem BVB gingen völlig die Ideen aus. Einziger echter Lichtblick bei den Feldspielern war Shinji Kagawa, dessen Klasse auch gestern durchschimmerte. Piszczek gefiel mir nach seiner Einwechslung immerhin besser als Owomoyela. Letztendlich blieben die auf die Stärkung der Offensive ausgerichteten Wechsel aber weitestgehend wirkungslos.

Nach diesem Spiel wie nach jedem anderen stellt sich die Frage: Lag es an uns oder am Gegner? Ich tendiere zu Letzterem. Leverkusen ist in sehr guter Frühform und hat inzwischen ein leistungsmäßig homogenes Team. Wie das die Anderen sehen, könnt ihr unter anderem im Bayer 04 Blog nachlesen, wo ich zudem bereits kurz nach dem Spiel ein Statement abgegeben habe. Trotzdem sollte der BVB in der Lage sein, auch gegen starke Gegner offensiv etwas mehr anzubieten. Allerdings ist es der erste Rückschlag nach zuletzt vielversprechenden Auftritten, so dass man die Partie in aller Ruhe und ohne große Aufregung analysieren kann. Spannend wird es nach dem hoffentlich verletzungsfreien Ausflug nach Baku wieder am Sonntag: In Stuttgart treffen zwei ambitionierte Schlechtstarter aufeinander und es geht darum, einen klassischen Fehlstart zu vermeiden.

Mein erster Stadionbesuch der Saison verlief durchwachsen: Der Support von den zentralen Blöcken der Südtribüne war angesichts des Zwischenstandes gut. Nach dem Spiel weinte jedoch der Himmel und alle wurden nass. Und die Rückfahrt mit der Deutschen Bahn war, um mit Ailton zu sprechen, ein Desaster!

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8 Kommentare

  1. Faire Analyse.
    Von Kagawa ist mir allerdings nur die (wirklich starke) Szene in den Anfangsminuten in Erinnerung geblieben. Sahin fand ich hingegen sehr stark, seine klugen und technisch feinen Pässe haben nur selten einen adäquaten Abnehmer gefunden.
    Und ja: Die Rückfahrt war sensationell.

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  2. Ich vermute, das mit Kagawa und Sahin ist eine Frage der Perspektive im Stadion. ;-) In der ersten Hälfte, als der BVB auf die Südtribüne spielte, habe ich von Sahin wenig Konstruktives gesehen – die Pässe müssen ja auch ankommen. Zumindest nach dem Rückstand kam da nicht mehr viel. Kagawa dagegen war sehr fleißig und hatte ein paar feine Dribblings. In der zweiten Halbzeit war das aufgrund der größeren Entfernung natürlich schwieriger einzuschätzen.

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  3. Das ist natürlich richtig ;-)
    Aus der zweiten Halbzeit sind mir mindestens seine Ecken, die mich regelmäßig zum Zittern brachten, und ein gelupften Traumpass auf Kagawa, der aber glücklicherweise im Abseits stand, in Erinnerung. Sein Freistoß nicht zu vergessen.

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  4. Sehr treffend formuliert von Nick.. Ich musste leider auch feststellen das Bayer wohl oder übel noch ein anderes Kaliber darstellt als die Borussia.. Wenn man sieht mit welcher Ruhe und technischer Finesse sie den Ball zirkulieren lassen ist das schon ein Kompliment wert.
    Allerdings muss man auch festhalten, das sie außer den beiden Toren hauptsächlich gut standen und ausschließlich auf Konter setzten. Und wieder einmal hat es mich geärgert das wir hinten uns in Überzahl wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen verhalten haben, was auch bei Derdyoks Fernschuß und bei Renato Augustos Dribbling deutlich wurde, als er an der Eckfahne 2 oder 3 Dortmunder austiegen ließ. Da hätte ich mir ein agressiveres Verhalten gewünscht bzw. darf man die Leute einfach nicht zum Schuss kommen lassen.
    Wenn ich dann noch sehe mit welcher Behäbigkeit Kehl mit dem Ball umgeht.. Ich schätze ja seine Leaderqualitäten und denke auch das er sehr wichtig für die Mannschaft ist, aber rein fußballerisch betrachtet ist er zu langsam und spielt Fehlpässe am laufenden Band.. viell. liegts auch noch am Fitnessrückstand..
    Lewandowski tat mir auch ein wenig leid, er musste sich die Bälle aus dem Mittelfeld holen und den Angriff selbst einleiten und war auf der Position eigentlich verschenkt.. Bin gespannt wie er sich mit der Reservistenrolle anfreunden wird..
    Tja und jetzt gehts gegen den VFB die auch unter Zugzwang stehen und ihr Auftaktspiel verloren haben. Ich denke dort kann man wirklich nur mit einer kompakten Defensive bestehen.

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  5. @Sebastian: Ja, Standards kann Nuri mittlerweile ganz gut.

    @Andy: Die Probleme von Kehl sind nach so langer Verletzungspause verständlich, denke ich. Das kurze Comeback letzte Saison hat ihm da nicht viel gebracht. Die Frage ist: Können wir es uns leisten, ihm die benötigte Zeit zu geben, um Spielpraxis zu sammeln oder sollte erst mal Sven Bender spielen? Ganz schwierig.

    Den VFB schätze ich momentan noch nicht so hoch ein, die haben auch massive Probleme in der Defensive. Vielleicht ist es doch gut, schon jetzt gegen die zu spielen. Trotzdem natürlich kein einfaches Spiel, Christian Gross ist ein guter Trainer und wird sicher etwas ändern.

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  6. Ich war auch im Stadion und fand die Stimmung sehr Euphorisch, die Niederlage war gut um die Truppe mal wiieder aufm Boden zu holen. Ansonsten müssen sie gegen Stuttgart nun bisschen mehr Gas geben. Aber was das angeht bin ich recht Optimistisch.

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