Krieg der Systeme: Jürgen Skyklopper v Darth Velix

Krieg? Ganz schön martialisch. Darf man so was schreiben? Ich denke schon – angesichts dessen, was in Deutschland sonst so geschrieben und auch noch ernst gemeint wird. Am Sonntag kommt es jedenfalls zum Vergleich des Systems Klopp (+ Watzke, Rauball, Zorc etc.) mit dem System Magath. Jürgen Klopp und der BVB stehen inzwischen für den Aufbau einer Mannschaft mit Ruhe und Augenmaß. Aus größtenteils jungen Spielern wird hier ein Team mit Zukunftsperspektive geformt und dabei noch vernünftig gewirtschaftet. Erst vorgestern hat dieses Team wieder bewiesen, dass es zwar nicht perfekt ist, aber dank seiner Geschlossenheit vieles erreichen kann.

Das System Magath ist dagegen ein Produkt der Wegwerfgesellschaft. Klar, auch in Dortmund werden Spieler ausgemustert, wie zuletzt Nelson Valdez. Aber den Durchlauf an Spielern, der unter Magath in Gelsenkirchen herrscht, findet man sonst nur bei Absteigern, die dringend sparen müssen. Selbst den Blauen wohlgesonnene Zeitgenossen können kaum von einer planvollen Transferpolitik in diesem Sommer sprechen. Wer am letzten Tag der Transferperiode noch drei Spieler verpflichtet, hat davor geschlafen.

Felix Magaths Credo ist, dass es im Fußball nur ums Geld geht. Das hat er mit den Last-Minute-Transfers von Huntelaar und Jurado noch mal unterstrichen. Im Interview vom 20.8. hatte er noch folgendes zum Thema zu sagen:

(…) ich bin nicht bereit, finanziell alles auf eine Karte zu setzen, um auf jeden Fall in die Champions League zu kommen.“

Knapp 30 Millionen wird er jedoch nicht für das Erreichen der Europa League ausgegeben haben. Das Ziel der Schalker ist klar – abgerechnet wird im Frühjahr. Es wird sich zeigen, ob Magaths Wunderkräfte reichen, um auch aus diesem Null-Punkte-Haufen eine Erfolgsmannschaft zu machen. Bisher ähnelt der Kurs nur frappierend dem der früheren BVB-Führung.

Nach diesem nur leicht zugespitzten Systemvergleich zurück zum Tagesgeschäft. Vor dem Spiel am Sonntag werden sich die Augen und die Kameras auf den Gästeblock der Turnhalle richten. Zum Dortmunder Fanboykott ist an vielen Stellen viel geschrieben worden. Ich habe das Thema am Anfang aus Zeitgründen nicht behandelt und möchte jetzt nicht bereits bekannte Argumente wiederholen. Nur ganz kurz: Mir wird morgen beim Anblick leerer Ränge oder beim Ausbleiben des üblichen Supports das Herz bluten. Und sollte der BVB das Derby wider Erwarten verlieren, wird man sich fragen: was wäre gewesen wenn? Aber die Aktion und der Moment sind richtig, denn mit Stehplatzpreisen von über 20 Euro wird eine symbolische Grenze überschritten, die für den weiteren Verlauf der Preisspirale von Bedeutung ist.

Das Spiel kann man nicht vorhersagen. Kann man nie bei einem Derby. Man kann höchstens sagen, dass das erste Tor dieses Mal eine höhere Bedeutung haben dürfte als normal. Sebastian Kehl wird auf Dortmunder Seite das Derby verpassen. Der Kapitän hat sich beim Aufwärmen in Lviv eine Muskelverletzung zugezogen und wird vermutlich noch für weitere Spiele ausfallen. Mit Kehl wäre es für die Mannschaft womöglich einfacher, gegen ein volles Stadion und  einen Rückstand anzuspielen – nun kann wieder Sven Bender zeigen, dass er die Nerven für Deutschlands größtes Derby hat. Mario Götze brummt noch der Schädel, der Star vom Donnerstag kommt aber zumindest für einen Teilzeit-Einsatz in Frage. Bei den Gastgebern fehlt von den Akteuren der ersten Wochen nur Christoph Metzelder mit Sicherheit. Ob Trainer und Kollegen ihn in der Defensive sonderlich vermissen werden ist fraglich. Zumindest vor dem Spiel.

Die Spannungskurve ist in den letzten Tagen und Wochen perfekt verlaufen. Vielleicht ist es das wichtigste Derby seit Mai 2007 – auf jeden Fall könnte die Aufregung kaum größer sein. Vor diesem Spiel verblasst alles, was man schreibt. Daher lasse ich nur noch schnell Lucas Barrios zu Wort kommen:

„Wir gewinnen. Und dann hat Schalke nach vier Spielen null Punkte!“


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