Jetzt wird es langsam unheimlich gut

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 5 1.FC Kaiserslautern 0

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic (78. Santana), Piszczek – Sahin, Bender – Großkreutz (70. Götze), Kagawa (69. Lewandowski), Kuba – Barrios. Tore: Barrios (2), Großkreutz, Hummels, Lewandowski

Ich war vor dieser Partie im Gegensatz zu einigen Bekannten optimistisch, aber mit welcher Souveränität der BVB gestern über 80 Minuten erneut das Spiel bestimmt hat, kam doch überraschend. Jürgen Klopp kann es sich momentan leisten, bei der Aufstellung ein bisschen zu rotieren und so kam nicht nur der erwartete Einsatz von Kuba zustande, sondern auch Piszczek erhielt erstmals eine Chance anstelle von Owomoyela. Rotation mit Sinn und Verstand, wie sich im Spiel zeigen sollte.

In den ersten 10-15 Minuten war der FCK der schwere Gegner, den viele erwartet hatten. Ohne Scheu und sehr angriffslustig gingen die Pfälzer ins Spiel und hatten die ersten Halbchancen, mit denen Weidenfeller jedoch keine Probleme hatte. Es war zunächst ein flottes Spiel, das hin- und herwogte, aber die Schwarz-Gelben gewannen mehr und mehr die Oberhand. Der Schlüssel dazu lag wie meistens im Mittelfeld. Nuri Sahin lieferte einmal mehr eine fantastische Leistung ab. Wie er das Spiel liest, die entscheidenden Pässe gibt und damit immer wieder Tore vorbereitet (gestern drei), das ist in der Bundesliga momentan einzigartig. Sein Nebenmann Sven Bender wurde in der Anfangsphase von Lakics hohem Bein am Kopf getroffen und musste zweimal behandelt werden, hielt aber 90 Minuten durch und machte wieder eine gute Partie inklusive eines sehenswerten Torschusses, der knapp drüber ging.

Kevin Großkreutz wirkte über links nicht nur aktiv, sondern auch zielstrebiger und technisch besser als in den letzten Begegnungen und Kuba rechtfertigte seinen Einsatz ebenfalls. Es war somit nur eine Frage der Zeit, bis sich die Überlegenheit im Mittelfeld nicht nur in Chancen, sondern in Toren auszahlte. In der 31. Minute gab Sahin einen dieser perfekten Pässe in die Tiefe ab, den Barrios erlaufen konnte und durch die Beine von Torwart Sippel ins Netz schoss. Und während der nächsten Minuten wurde schnell klar, dass der FCK nun nicht mehr viel zu melden haben würde. Die Schwarz-Gelben blieben am Drücker – das ist eine der deutlichsten und wichtigsten Verbesserungen gegenüber den letzten Jahren.

Schön zu sehen ist auch, dass die Schüsse aus der Distanz oder von der Strafraumgrenze sinnvoller und effektiver eingesetzt werden. Wenn der Torwart zwei halten kann, klappts halt beim dritten. Besonders schön, dass nun auch Kevin Großkreutz sein Erfolgserlebnis hatte. Mit einem Schuss aus halblinker Position und etwa 15 Metern Torentfernung überwand er Sippel, der den Ball nur noch an den Innenpfosten lenken konnte.

Die zweite Halbzeit war wie die erste in Gelsenkirchen ein einziger schwarz-gelber Sturmlauf gegen zunehmend hilflose Gegner. Nicht nur Sahin präsentierte sich unheimlich gut – besonders erstaunlich war die unheimlich geschlossene Mannschaftsleistung. Und fast alle durften auch mal aufs Tor schießen: Der schon erwähnte Bender, der neue Mann Piszczek, immer wieder Sahin und Kagawa. Das dritte Tor machte jedoch mit Mats Hummels der Spieler, der in den letzten Partien noch am ehesten Probleme mit der Konzentration gehabt hatte. Genugtuung also auch für ihn. Es schien ganz einfach: Freistoß Sahin von links, Sippel springt am Ball vorbei, Hummels setzt sich im Kopfballduell durch. 3:0.

Jürgen Klopp machte gestern nicht nur mit der Startaufstellung alles richtig, sondern erneut auch mit den Einwechslungen. Obwohl Großkreutz und Kagawa wirklich nicht enttäuscht hatten, war es richtig, für gut 20 Minuten Götze und Lewandowski noch mal eine Chance zu geben. Und ein toller Zug war es dann, den geduldigen Ersatzmann Felipe Santana für die letzten 12 Minuten zu bringen. Da stand es bereits 4:0 durch ein weiteres Klassetor. Kuba hatte von rechts geflankt und Barrios geistesgegenwärtig für Lewandowski durchgelassen, der dann Sippel aus etwa 11 Metern überlupfte. Der gestern überragende Barrios markierte schließlich noch das 5:0, diesmal von rechts vorbereitet durch Piszczek.

Der BVB hat gestern bewiesen, dass er auch zwei sehr gute Halbzeiten spielen kann. Seit dem zweiten Spieltag in Stuttgart ist eine kontinuierliche Steigerung zu erkennen und natürlich reiben wir uns jetzt alle die Augen und fragen uns, wie lange das noch so weitergehen kann. Länger als zwei Wochen in die Zukunft zu schauen bringt in diesem Stadium der Saison nichts, auch wenn das manche Medien natürlich anders sehen. Ich habe die kommende Partie am Millerntor schon vor diesem Spieltag für die schwerere gehalten als die gegen den FCK. Der FC St. Pauli ist ein unangenehmer, schwer einzuschätzender Gegner, der bisher kämpferisch immer überzeugt hat. Ein Punkt im Hamburger Derby, drei in Gladbach – die Form stimmt.

Die Gastgeber müssen am Samstag auf Torwart-Oldie Matthias Hain und Jungstürmer Sukuta-Pasu verzichten, beim BVB gibt es die bekannten, aber zum Glück keine neuen Ausfälle. Sollte die Mannschaft das Spiel ähnlich in den Griff kriegen wie an den letzten beiden Spieltagen, wird man auch aus Hamburg drei Punkte mitnehmen, denn die Qualität reicht dazu. Es wird mMn aber schwerer, eine solche Dominanz aufzubauen, denn der Gegner hat eine bemerkenswerte Charakterstärke. Warten wir also mal den Samstag ab und unterhalten uns danach über die beiden Topspiele gegen Sevilla und Bayern, wo wir auch nicht chancenlos sein dürften.

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