Zauberer und Zauderer

1. Bundesliga, 6. Spieltag / FC St. Pauli 1 BVB 3

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Großkreutz (85. Feulner), Kagawa (70. Lewandowski), Götze – Barrios (78. Kuba). Tore: Großkreutz (2), Kagawa

Gerald Asamoah hatte vor dem gestrigen Spiel am Millerntor im Sportschau-Interview (auf Nachfrage?) seine positive Bilanz gegen den BVB hervorgehoben. ‚Leider‘ wurde er aufgrund einer kurzfristigen angeblichen Verletzung erst in der 68. Minute eingewechselt und fiel hauptsächlich durch einen erneuten Disput mit Roman Weidenfeller auf. So erging es dem FC St. Pauli nicht anders als den letzten BVB-Gegnern.

Das Spiel war nicht so überwältigend wie die Auftritte in Gelsenkirchen und gegen Lautern, aber immer noch sehr überzeugend mit Momenten außergewöhnlicher Qualität. Fangen wir mit den paar Dingen an, die nicht so gut wie zuletzt waren. Der Ausgleich war reichlich unnötig. Es war ein zügig vorgetragener Angriff der häufig auf Konter lauernden Gastgeber, aber Takyis Pass in die Mitte hätte Subotic entschieden klären müssen – stattdessen konnte Bartels per Hacke für Hennings vorlegen. Neven spielte ansonsten ordentlich, fiel aber in der Schluss-Viertelstunde noch einmal negativ auf, als er beim Aufstehen nach einem Zweikampf nachhakelte. Die Aktion war zwar nicht wirklich rot- aber durchaus gelbwürdig – und unnötig.

Patrick Owomoyela wirkte zögerlicher als zuletzt, setzte aber bei verlorenen Zweikämpfen immerhin entschlossen nach. Nuri Sahin blieb gestern eher im Hintergrund, leitete aber wie immer viele Angriffe ein und traf erneut mit einem Schuss aus der Distanz den Pfosten. St. Pauli beschränkte sich die meiste Zeit aufs Kontern, wofür der BVB ihnen nach dem Ausgleich zu viele Möglichkeiten bot. In dieser Phase funktionierte das Passspiel zwischen Mittelfeld und Spitze nicht wie gewohnt, es gab zu viele Ballverluste.

Fest steht, dass fast alle Bundesligisten trotzdem gerne mit uns tauschen würden – denn vieles Andere war vom Feinsten, besonders die Tore. Nachdem der BVB schnell die Spielkontrolle übernommen, aber zwei dicke Chancen durch Barrios und Kagawa vergeben hatte, spielten diese beiden wenig später einen Doppelpass, Kagawa lupfte den Ball von der Torauslinie zurück auf Großkreutz und der konnte aus wenigen Metern einköpfen. Die vier Offensivspieler waren gestern diejenigen, die zu glänzen wussten. Nach der angesprochenen durchwachsenen Phase, die bis kurz nach der Pause andauerte, war das 2:1 ein tolles Beispiel für die Dortmunder Kombinationsfreude und die technische Stärke. Es beginnt mit einem hervorragenden Dribbling von Lucas Barrios, der auf dem besten Wege ist, ein kompletter Topstürmer zu werden. Seinen spekulativen Pass in den Strafraum kann Mario Götze aufnehmen, der dann schön auf Shinji Kagawa zurücklegt, der mit seinem Schuss die Lücke findet. Brillant.

St. Pauli hatte zu Beginn der zweiten Hälfte eine gute Chance, bei der Weidenfeller rettete und Bartels den Nachschuss vergab. Nach dem erneuten Rückstand, durch einen eigenen Ballverlust eingeleitet, kam von den Gastgebern aber nicht mehr viel. Dortmund dominierte den Rest vom Spiel und schon in der 60. Minute gelang die Entscheidung. Torwart Kessler konnte einen Barrios-Schuss nur abprallen lassen, Großkreutz lupfte den Ball über den liegenden Keeper und machte ihn rein. Der eingewechselte Robert Lewandowski hätte später allein vor Kessler fast noch sein beinahe schon obligatorisches Joker-Tor gemacht, das konnte der Hamburger aber verhindern.

Mit Kevin Großkreutz hat sich nun auch der letzte aus der Offensivabteilung dem beeindruckend hohen Niveau angepasst. Wir dürfen wirklich gespannt sein, ob das für die zwei Topspiele der nächsten Woche gegen Sevilla und Bayern reicht. Es gibt Sportwetten-Anbieter, die für den BVB und die Bayern die gleichen Quoten bieten – wann gab es das zuletzt?

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3 Kommentare

  1. Mittlerweile frag ich mich wer unsere Jungs noch aufhalten soll.. Nach diesen Spielen kann auch nicht mehr von Glück die Rede sein.. Es ist eine sehr hohe Qualität selbst bei unterklassigen Mannschaften so souverän zu gewinnen. Letzte Saison hat man sich meist auf das Spiel gegen den Ball konzentriert und so mit Kontern Nadelstiche gesetzt doch jetzt schafft man es auch dem Gegner sein Spiel aufzuzwängen, fantastisch..

    Ich bin gespannt wie die nächsten beiden Spiele verlaufen, das werden echte Gradmesser..
    Mich hat es schon sehr überrascht das Sevilla das erste Spiel verloren hat, sie haben eine sehr spielstarke Mannschaft und das die Bayern gegen Mainz verloren haben stimmt mich nicht gerade zuversichtlich..
    Aber was solls, wir haben ein Heimspiel, bei den Bayern fehlen Robben und Ribery und wir sind in Topform und die Bayern nicht..

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  2. Ich sehe die aktuelle Stärke von Dortmund nicht nur in der herausragenden Form von den Offensivleuten Kagawa und co. begründet, sondern vor allem aufgrund der enormen Stärke der Doppel-6 Bender und Sahin. Sie erobern derzeit viele Bälle und gehören bei der Passstatistik zum Besten der Liga. Das moderne Spiel steht und fällt eben mit der Stärke der zentralen Mittelfeldspieler – und da hat Dortmund derzeit mehr Qualität als Stuttgart, Schalke und co. Aber ob es gegen die Bayern am nächstem Wochenende reicht, muss sich zeigen – die werden nämlich auf Wiedergutmachungskurs sein…

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  3. @Andy: Nach dieser Woche sind wir auf jeden Fall noch mal schlauer. Selbst in der jetzigen Situation sind die Chancen gegen die Bayern vielleicht 50/50. Irgendwann wird auch deren Abschlusspech aufhören, hoffentlich nicht gegen uns. In Sevilla scheint noch mehr im Argen zu liegen, die haben jetzt erst mal den Trainer entlassen und schon einen Neuen am Start. Da weiß man auch nie, wie sich das auswirkt.

    @TObstar: Bender und vor allem Sahin spielen eine ganz wichtige Rolle, ohne Zweifel. Auch Sebastian Kehl war vor seiner erneuten Verletzung wieder fast der Alte. Am Millerntor war mMn allerdings vor allem die individuelle Qualität der vier Offensiven ausschlaggebend für den Sieg.

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