Drama ohne Happy End

Europa League, 2. Spieltag / BVB 0 FC Sevilla 1

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, Bender (76. Owomoyela) – Großkreutz (86. da Silva), Kagawa, Kuba (76. Lewandowski) – Barrios. Gelb-Rote Karte: Schmelzer (49.)

In einem erneut dramatischen Europapokal-Spiel hat der BVB diesmal das schlechtere Ende für sich. Aus Verletzungsgründen hatte Jürgen Klopp die am Dienstag von mir angeregte Startelf aufgestellt: Kuba kam für den leicht verletzten Götze und Piszczek verdrängte den angeschlagenen Owomoyela auf die Bank.

Es war bitter, sehr unglücklich, es war aber auch ein packendes EL-Spiel mit einer bravourösen kämpferischen Leistung der Schwarz-Gelben. In der ersten Hälfte machte der BVB bis auf fünf Minuten zwischendurch das Spiel gegen tief stehende Gäste. Zunächst sah das im Spielaufbau sehr ordentlich aus, es fehlten aber überzeugende Torschüsse. Doch gerade als sich Sevilla mehr zuzutrauen schien, kamen wir zu gefährlichen Chancen, die alle auf das Konto von Lucas Barrios gingen. Vorbereitet wurden sie durch gute Flanken von Sahin und Kuba, doch die Kopfbälle unseres Torjägers gingen daneben oder wurden gehalten. Und wenige Minuten vor der Pause hatte Lucas nach einem Abspielfehler der Gäste im Strafraum noch eine Riesen-Schusschance, die aber erneut von Torwart Palop vereitelt wurde.

Der CL-Kandidat Sevilla hatte bis in die Nachspielzeit nur einen Torschuss (Luis Fabiano aus der Distanz daneben) zu Buche stehen, bestrafte dann jedoch den BVB für eine einzige Nachlässigkeit. Einen Freistoß von rechts an den langen Pfosten kann Weidenfeller nicht klären, den Kopfball von Caceres köpft Subotic in die Mitte des Strafraums, so dass Cigarini mit dem Nachschuss keine Probleme hat. Meiner Ansicht nach eher ein Fehler von Weide, da Subotic unter Bedrängnis nicht viel anderes übrig blieb. Es ist ein blöder Klassiker: Überlegen gewesen, kurz vor der Pause dumm in Rückstand geraten. Wer den Kloppschen BVB kennt, wusste natürlich, dass noch nicht das letzte Wort gesprochen war – das Drama, das folgen sollte, konnte allerdings niemand ahnen.

Ganz klar, in der zweiten Hälfte nahm der englische Schiedsrichter Mike Dean eine Hauptrolle ein. Nach gutem Beginn der Borussen stellte er in der 49. Minute Marcel Schmelzer wegen einer Schwalbe mit Gelb-Rot vom Platz. Eine harte Entscheidung natürlich, aber sie war vertretbar. Es war keine Berührung des Gegenspielers zu sehen und Schmelle hob plötzlich ab. Nicht im Strafraum, aber trotzdem muss man als Spieler intelligenter sein. Oder irgendjemand muss die Jungs darauf hinweisen, dass da ein typisch englischer Schiedsrichter pfeift. Dean ließ vieles laufen, das kann man so machen und ich habe da nichts dagegen. Und solche Schiedsrichter haben nun mal eine besondere Aversion gegen Schwalben.

Das Stadion kochte natürlich nach dieser Entscheidung und nahm Dean auch zu Unrecht übel, dass er wenige Minuten später keinen Handelfmeter für Dortmund pfiff. Aber wie das so ist: Immerhin übertrug sich die kämpferische Stimmung von den Tribünen auf die Mannschaft. Zu zehnt bestimmte der BVB weiter das Spiel. Und hatte in der 69. Minute die 100%ige Chance auf den Ausgleich, als Barrios hervorragend Kagawa freispielte und der aus gut zehn Metern am Keeper vorbei an den Pfosten schoss. So eine muss man zu zehnt natürlich machen. Es gab dann noch einen Kopfball von Großkreutz und einen Distanzschuss des eingewechselten Lewandowski, aber Sevilla schien das Spiel in der letzten Viertelstunde kontrolliert abzuwickeln. Das Motto war: in Ballbesitz bleiben, die Schwarz-Gelben laufen und die Zeit ablaufen lassen.

Doch das Drama war nicht vorbei. Es gab doch noch eine fragwürdige Entscheidung von Mike Dean: Kuba zog über rechts alleine davon und fiel, als ein Gegenspieler seinen Weg kreuzte. Natürlich ist davon auszugehen, dass er Kuba leicht an den Hacken berührt hat. Andererseits: Wenn man schon in den Wiederholungen nichts Richtiges sieht, was soll dann das Schiri-Team machen? Sie hätten auf Verdacht pfeifen müssen. Der bekennende BVB-Fan Hansi Küpper, der das Spiel für Sat.1 kommentierte, forderte Gelb-Rot für Navarro – es war aber allenfalls ein ‚kann man geben‘. Ansonsten war das von Küpper aber ein erfreulicher Auftritt – muss man ja auch mal sagen.

In der 89. Minute kam Torwart Palop gegen Hummels zu spät, dessen Kopfball auf der Linie geklärt wurde und in der fünfminütigen Nachspielzeit hatte ich bei einer weiteren Kopfballchance den Torschrei auch schon auf den Lippen. Doch letztlich stand Sevilla besser als Lviv und trotz einer starken Leistung in Unterzahl reichte es heute für den BVB nicht. Es war eine extrem unglückliche Niederlage, an der aber nicht der Schiedsrichter schuld war. Es fehlten gegen eine nominelle Spitzenmannschaft nur ein bisschen Glück und Cleverness.

Der BVB steht nun punktgleich mit Sevilla drei Punkte hinter PSG und sollte das Heimspiel gegen den Spitzenreiter in drei Wochen möglichst gewinnen. Für die Partie gegen die Bayern am Sonntag sehe ich den kleinen Dämpfer nicht als Nachteil – er könnte im Idealfall eine ‚Jetzt-erst-recht-Stimmung‘ entfachen. Aber das ist natürlich die im Fußball übliche Küchenpsychologie.

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6 Kommentare

  1. Die Entscheidung mit der Schwalbe war klar. Die wird in England gnadenlos geahndet und das auch zurecht. Bei englischen Fans ist man nach ner Schwalbe fast Freiwild…wird dort überhaupt nicht toleriert. Und wir sollten mit diesen Scheiß auch mal aufhören.
    Viel Glück am Sonntag gegen die Bazis.

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  2. Lieber „Präsident“,
    hast du in deinem Leben mal Fussball gespielt? Ich meine richtig und nicht so einfach Montagsabendgekicke mit Freunden und Kollegen.
    Wenn dir bei dem Tempo, das Schmelzer drauf hatte einer so von der Seite kommt, ist der logische Schutzreflex ein Aufspringen, wenn man dann fällt, dann passiert das halt.
    Ich gebe dir insofern Recht, als das nicht unbedingt ein Foul war, aber ein war es ganz sicher nicht: Eine Schwalbe, weil Schwalben nämlich unter Vorsatz geschehen, du kannst auch nicht jedem der ausrutscht eine gelbe Karte geben.
    Als ehemaliger Schiedsrichter muss ich noch hinzufügen, dass diese Entscheidung aufgrund des Ortes ( Mittellinie), aufgrund der Zeit (50.Minute) und aufgrund der Vorbestrafung Schmelzers taktisch eine ganz schlechte Schiedsrichterentscheidung war, denn so gibt man ein Spiel aus der Hand, kein Spieler nimmt einem dann noch die Entscheidungen ab, so gesehen an diesem rabenschwarzen Tag für schönen Fussball und fairen Entscheidungen.
    Das einzig gute daran ist die Gewissheit, dass diese Borussia mit diesem Einsatz und dieser Spielart gegen jeden in der Liga gewinnen kann, und das am besten jetzt am Sonntag

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  3. @Naja: Ich war ja eigentlich auch der Meinung, dass die Karte hart, aber vertretbar war, aber du bringst mich etwas ins Grübeln. Es war in der Tat in der Nähe der Mittellinie und als zweite Gelbe war das schon sehr hart. Andererseits denke ich nicht, dass Schmelle unbedingt so abheben muss. Es sah halt doch leicht übertrieben aus. Und der Schiedsrichter kann nur beurteilen was er sieht und nicht die Absicht (Selbstschutz oder Täuschungsversuch). Die Regeln machen so weit ich weiß keinen Unterschied, wo eine Schwalbe erfolgt, oder?

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  4. Laut der Regeln ist es wurscht wo die Schwalbe stattfindet, so weit ich weiß.. ich kann mich dem Statement von Naja nur anschließen. Was hätte Schmelzer davon gehabt mit Vorsatz zu handeln, der Gegenspieler war soweit ich weiß auch nicht gefährdet und er wollte drüber springen um sich zu schützen. Er ist ja auch nicht theatralisch gefallen und hat den sterbenden Schwan makiert.
    Man spricht so oft von „Fingerspitzengefühl“, und das hat er in dem Fall nicht gehabt. Durch ihn hat das Spiel eine komplette Wendung erfahren und ich denke das Credo der Schiris ist immer möglich unauffällig zu bleiben. Mal abgesehen davon das er wirklich alle zweifelhaften Entscheidungen komplett gegen den BVB gepfiffen hat.
    Egal, jetzt gehts darum möglichst gegen den PSG zu gewinnen, wenn man noch im Europapokal überwintern will. Schade das man am letzten Spieltag nach Sevilla muss, wäre ja super wenn man vorher schon was klar machen könnte..

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