Zwei Wochen feiern

1. Bundesliga, 7. Spieltag / BVB 2 FC Bayern München 0

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin (88. da Silva), Bender – Großkreutz, Kagawa (76. Lewandowski), Kuba – Barrios (86. Feulner). Tore: Barrios, Sahin

Ach war das schön, gestern noch ein wenig WDR zu schauen. „Da zwickts in der Lederhose“, meinte Claus Lufen in der Bundesliga-Sendung am Abend und am späten Abend erklärte Mats Hummels am Telefon Arnd Zeigler die beiden BVB-Tore. Und wir haben nun zwei Wochen Zeit, uns folgende Fakten immer wieder vor Augen zu führen, indem wir die Tabelle anschauen: Die Borussia hat nach sieben Spieltagen 10 Punkte Vorsprung auf den FC Bayern und 14 auf S04. Schöne verrückte Fußball-Welt.

Wie konnte es dazu kommen? Gästetrainer Louis van Gaal hatte scheinbar intelligente Umstellungen vorgenommen und den gegen uns immer giftigen Schweinsteiger auf die ’10‘ sowie Gomez in die Sturmspitze beordert. Eines änderte sich trotzdem nicht: die eklatante Abschlussschwäche der Bayern. Denn in einer ersten Halbzeit auf überschaubarem Niveau ließ ‚Hoffnungsträger‘ Mario Gomez drei große Chancen aus, davon eine aus Abseitsposition und eine, bei der Roman Weidenfeller den Ball mit Geschick und Glück noch über die Latte lenkte. Mehr gab es nicht zu sehen, leider auch nicht vom BVB. Die Schwarz-Gelben ließen sich nicht hinten reindrängen, spielten aber zu viele überhastete Pässe in die Spitze. Und von den Bayern kam ebenfalls wenig Herausgespieltes.

Die zweite Hälfte fing bezeichnend an, als sich Butt und Lahm bei einer Rückgabe über den Haufen rannten und der Ball nur knapp am Bayern-Tor vorbeiging. Das 1:0 wenig später wurde durch einen weiteren Bayern-Patzer begünstigt, beruhte aber vor allem auf dem großen Willen, dem Torhunger der Schwarz-Gelben. Einen weiten Einwurf von Schmelzer köpfte der eingewechselte Demichelis (unter weniger Bedrängnis als am Donnerstag Subotic) in Richtung Mitte. Mit großem Einsatz kam Bender an den Ball und spitzelte ihn in die Nähe von Barrios, dessen Gewaltschuss von Badstuber unhaltbar ins Tor abgefälscht wurde.

1:0 gegen Bayern hatten wir schon öfter. Aber im Anschluss zeigten beide Teams, dass 2010 irgendwie anders ist. Wie schon oft in dieser Saison ließ sich der BVB nach einer Führung die Spielkontrolle nicht mehr nehmen. Und die Bayern wirkten plötzlich sehr ratlos und wussten sich nur noch mit langen Bällen zu helfen. So hatte auch Mats Hummels wieder mal Zeit für einen Ausflug und sein Lupfer gegen Demichelis führte zu dessen Handspiel in Strafraumnähe. Freistoß aus knapp 20 Metern, Guus Hiddink auf der Tribüne, Nuri Sahin am Ball – man konnte es fast ahnen, was kommen würde und die Gewissheit war umso schöner. Gegen Schalke geglänzt, gegen Bayern einen herrlichen Freistoß versenkt – Nuri ist der BVB 2010/11.

Wenn man im Anschluss dann weiterhin die besseren Chancen gegen den Rekordmeister hat, dann muss schon verdammt viel richtig laufen bei diesem Verein. Barrios traf noch den Pfosten, Lewandowski setzte einen Volleyschuss knapp neben das Tor. Und einen hatten die Bayern dann doch noch: Olic scheiterte kurz vor Schluss erst an Weidenfeller und dann aus kürzester Distanz am Bein von Piszczek. Trotzdem war der BVB in der zweiten Hälfte zu jeder Zeit mehr Hausherr als guter Gastgeber.

In den nächsten zwei Wochen wird viel über Bayern-Krise und Schalke-Blues geredet werden. Soll mir recht sein. Um den Höhenflug des BVB werden die Medien aber nicht ganz herumkommen. Nach der bitteren EL-Niederlage so den Sieg gegen die Bayern einzufahren ist einfach nur fantastisch. Es war klar, dass wir nicht durchgehend spielerisch glänzen würden wie gegen manch anderen Gegner. Dazu sind die Bayern selbst in ihrer jetzigen Verfassung zu stark. Aber es gab viele Schwarz-Gelbe, die ihr Bestes gaben, das, was gestern drin war. Roman Weidenfeller war bis auf eine minimale Unsicherheit sehr stark, umsichtig, präsent, immer da. Sven Bender, der alte 60er, haute nicht nur wegen seinem Assist ein tolles Spiel raus. Genauso beeindruckend waren Einsatz und Spielfreude bei Kevin Großkreutz. Und die Torschützen Barrios und Sahin machten in der zweiten Hälfte eine richtig gute Partie.

Nicht nur wegen dem Startrekord ist es momentan die schönste Zeit um BVB-Fan zu sein. Das haben wir uns nach all den Jahren verdient. Wahrscheinlich werden wir in dieser Saison keine Titel gewinnen wie 95, 96, 97 oder 2002. Aber wann haben wir damals eine solche Serie mit solchem Fußball und gegen solche Gegner hingelegt? Natürlich überstrahlt z.B. das CL-Finale alles, aber das war auch nur ein einzelnes Spiel. Was noch kommt werden wir sehen, aber eigentlich haben wir schon alles erreicht. Danke Jürgen Klopp, Susi Zorc…und alle anderen!

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7 Kommentare

  1. Gratulation. Obwohl mäßiger erster Halbzeit die Bayern besiegt…
    Jetzt noch Mainz abfangen und dann den Titel einfahren, verdient habt ihrs Euch.
    Gruß aus Lautern

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  2. wie immer alles treffend formuliert Nick!
    Man ist das eine verrückte Saison, kaum zu glauben das wir das Spiel gestern gewonnen haben. Nach der Halbzeit war ich echt froh das es noch unentschieden stand. Hatten wir am Donnerstag kein Glück so war es diesmal auf unserer Seite.
    In der letzten Saison hätten wir garantiert noch zwei Dinger bekommen, in der Hinsicht hat sich die Mannschaft enorm weiterentwickelt. Sie ist jetzt auch in der Lage ein Spiel über die Zeit zu bringen, selbst wenn die Beine schwer sind.
    Momentan bin ich jedenfalls froh das Länderspielpause ist und die Jungs sich ein wenig ausruhen können, bis auf die Nationalspieler. Sicherlich werden auch Rückschläge kommen aber diese Saison könnte wirklich was drin sein. Allein aufgrund der Tatsache das viele der „Großen“ schwächeln.
    Stuttgart, Schalke, Bremen, Bayern, selbst Hamburg und Wolfsburg sind zur Zeit nicht wirklich in Form und auf der Suche nach dem richtigen System.
    Vielleicht lässt sich ja der Vorsprung bis zur Winterpause noch ein wenig ausbauen..grins

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  3. Also ich bleibe noch bei meinem Saisonziel Europapokal. ;-) Wir müssen ja nicht nur auf die Bayern schauen, sondern z.B. auch auf Leverkusen und Wolfsburg. Denen noch die Konstanz fehlt, die aber eigentlich besser besetzt sind als der BVB. Und die haben in den letzten Wochen schon gezeigt, dass sie guten Fußball spielen können. Für Golfsburg war das Unentschieden in Gladbach ja der erste Dämpfer nach drei Siegen in Folge. Die Systemumstellung auf zwei Stürmer, Dzeko und Grafite, scheint was gebracht zu haben. Aber jetzt genießen wir erst mal Platz 2, so lange es geht!

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  4. Wie ich beim Baziblogger schon schrieb kommen jetzt ganze harte Wochen auf die Jungs zu. 15/16 Spiele in 68 Tagen wäre alle 4,25 Tage ein Spiel. Das wird schlauchen. Mal sehen, ob die Jungs das körperlich durchalten.

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  5. Wenn die Schlüsselspieler gesund bleiben, sehe ich da gute Chancen. Die Jungs haben das ja bisher auch ganz gut hingekriegt. Schwierig wirds, wenn sich z.B. Sahin und Kagawa verletzen würden – der Fußballgott bewahre.

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