Rechnen für Poldi: Dortmund zwei, Kölle eins

1. Bundesliga, 8. Spieltag / 1.FC Köln 1 BVB 2

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Bender, Sahin – Großkreutz, Kagawa (72. Götze), Kuba – Barrios (76. Lewandowski). Tore: Kuba, Sahin

Lukas Podolski muss sich vertan haben, als er gestern Abend kurz vor Spielende Nuri Sahin den Spielstand vorrechnen wollte. Nuri stellte das richtig und schoss den BVB in der Nachspielzeit an die Tabellenspitze! Die Geschichte wiederholt sich, denn bereits beim letzten Aufeinandertreffen im Januar hatten die Schwarz-Gelben spät einen Vorsprung (2:0) verspielt und in der Nachspielzeit doch noch gewonnen (Tor durch Großkreutz). An Jürgen Klopps anschließenden Tanz über die Sitze werden sich nicht nur BVB-Fans noch erinnern.

Die Kölner wirkten auch gestern nicht wie eine Mannschaft, deren Trainer kurz vor der Entlassung steht. Mit einer solch engagierten Leistung könnten sie durchaus die Wende schaffen. Ihr Hauptproblem: Lukas Podolski war gestern weitgehend Alleinunterhalter im Sturm, meine Einschätzung der FC-Offensive im Vorbericht bestätigte sich. Die Gastgeber versuchten schon, nach vorne zu spielen, aber richtig gefährlich wurde es meistens nur bei Einzelaktionen des ‚Kölschen Jung‘.

Es war eine offene, spannende Freitagabend-Partie, in der der BVB spielerisch überlegen war, aber die Kölner versteckten sich im eigenen Heim keineswegs und überzeugten 90 Minuten durch Kampfgeist. Lucas Barrios hatte schon in der ersten Viertelstunde zwei Kopfballchancen, die er eigentlich hätte nutzen müssen. Einmal traf er immerhin die Latte, so wie auf der anderen Seite Podolski mit einem sehenswerten Schuss. Den Nachschuss von Clemens parierte der gestern glänzend aufgelegte Roman Weidenfeller. Es war ein weiterer Barrios-Kopfball ans Aluminium, der zum ersten BVB-Tor führte. Kagawa hatte geflankt, das kann er nämlich durchaus sehr gut, und nach Lucas‘ Pfostentreffer konnte Kuba kurz vor der Torlinie gar nicht mehr das Bein wegziehen. 1:0.

In der Folge zeigten die Schwarz-Gelben immer wieder sehenswerte Kombinationen, die manchmal auch zu Chancen führten. Es war allerdings kein durchgehender Sturmlauf, denn das ließen die Kölner nicht zu. Trotzdem war es eine sehenswerte Partie. Barrios traf noch mal per Kopf das Tor nicht. Großkreutz scheiterte am bisherigen Kölner Ersatztorwart Varvodic, der für den darüber nicht erfreuten Mondragon ins Team gekommen war. In der zweiten Hälfte versuchten die Gastgeber noch mehr. Es war eins dieser Spiele, die von einer Seite zur anderen wogen und die meistens sehr unterhaltsam sind. Vergebene eigene Chancen (Kagawa, Kuba, mal wieder Barrios per Kopf) und vergebene oder von Weide vereitelte Kölner Chancen (Lanig, Petit) ließen einen ahnen, dass wir besser noch ein zweites Tor nachlegen sollten.

Denn kurz nachdem der wie so oft eingewechselte Lewandowski eine Flanke von Großkreutz knapp verpasst hatte, zeigte auf der anderen Seite Podolski erneut, wie gut er mit links schießen kann. Hummels hatte einen Ball per Kopf zur Mitte geklärt – nicht optimal, aber er war unter mehr Bedrängnis als beispielsweise vor zwei Wochen Demichelis im Westfalenstadion. Podolskis Hammer aus 16 Metern war dann unhaltbar für Weidenfeller. Allerdings zeigte der 2010er-BVB erneut, dass er sich gegen Rückschläge zu wehren weiß. Die Schwarz-Gelben wollten zehn Minuten vor Schluss nicht das Unentschieden sichern, sondern reagierten mit einer Tempoverschärfung, die jedoch nicht in kopfloses und gefährliches Anrennen ausartete.

Varvodic konnte eine Lewandowski-Chance parieren. Kurz vor Schluss foulte Podolski dann Sahin, für die nachfolgende Auseinandersetzung sahen beide Gelb. Ob Podolskis anschließende Provokation eine Rolle beim umjubelten 2:1 in der 91. Minute spielte, sei mal dahingestellt. Der engagierte Lewandoski spielte Götze auf dem Flügel an, der legte quer zu Nuri und dessen Schuss wurde von einem Kölner noch abgefälscht. Sieg in letzter Minute, das macht richtig Spaß, das ist angesichts der Art des Tors ein bisschen glücklich – aber letztendlich doch verdient. Denn der BVB zeigte nicht nur Willen, sondern schon die größere Reife. Kagawa, Sahin und Kuba sorgten für Spielkultur und obwohl niemand alle überragte, war es eine gute, geschlossene Mannschaftsleistung.

Die Borussia steht nach diesem Spieltag zum ersten Mal seit der Meisterschaft 2002 an der Tabellenspitze. Das ist eine Momentaufnahme und sicher kein Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Schön wäre es aber schon, am Sonntag in einer Woche gegen Hoffenheim einen neuen Rekord aufzustellen: Acht Siege in Folge hat der BVB noch nie geschafft. Mindestens genauso schön wäre ein Sieg zuvor gegen PSG, um in der Europa League im Rennen zu bleiben. Sollen die englischen Wochen doch kommen!

Zum Abschluss möchte ich für die Kölner Vollidioten, die den BVB-Mannschaftsbus vor dem Spiel mit Steinen beworfen haben, noch mal das Ergebnis wiederholen: Köln eins, Dortmund zwei.

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5 Kommentare

  1. Nach dem Ausgleich hätte ich niemals mehr mit einem Sieg gerechnet. Man kann ja schon beinahe von einem Selbstverständnis, ja vielleicht sogar von einer früheren Bayern Mentalität sprechen obwohl es ja zur Zeit nur eine Momentaufnahme darstellt. Aber wie selbstbewusst und geschlossen diese Mannschaft auftritt ist schon bewunderswert.
    Nächste Woche kann man sich gegen Hoffenheim für die verlorenen Punkte aus der letzten Saison revangieren und wenn man davor Paris bezwingt ist man auch wieder international gut dabei..

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  2. Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!

    Ich bin ebenso begeistert – aber auch skeptisch, ob die junge Mannschaft dieses Tempo und diese Konstanz über die Halbserie hinaus an den Tag legen kann.

    Aber es ist erst einmal Zeit zu genießen und mit Paris wartet am Donnerstag der nächste Brocken.

    Bemerkenswert finde ich neben der Dortmunder Tabellenführung den deutlichen Abstand von sieben Punkten zum dritten Rang. Das gab es auch nicht oft.

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  3. Ich habe auch diese Stimme im Kopf, die mir immer sagt: Irgendwann muss damit doch mal Schluss sein. Das kann doch nicht von Dauer sein. Aber auch in Köln hat die Mannschaft zwar nicht fehlerfrei, aber sehr ordentlich gespielt. Klar werden die Rückschläge kommen, spätestens wenn sich mehrere entscheidende Spieler verletzen. Ich kann mir aber wirklich nicht vorstellen, dass diese Mannschaft ein mentales Problem kriegt – und das war vor Klopp anders in Dortmund.

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