Die Nachspielzeit ist die schönste Zeit

1. Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 1 TSG Hoffenheim 1

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, Bender (46. Bender) – Großkreutz (59. Lewandowski), Kagawa, Kuba (74. da Silva) – Barrios. Tor: da Silva

Eine Meisterschaft ist Borussia Dortmund in dieser Saison zuzutrauen: Die Nachspiel-Meisterschaft. Wie letzte Woche holen sich die Schwarz-Gelben in letzter Sekunde noch Punkte ab. Diesmal zwar nur einen, aber gegen Ralf Rangnick ist das umso schöner.

Zeit für eine Abbitte: Ich habe Toni da Silvas Verpflichtung zunächst kritisch gesehen. Zu Unrecht, wie er gestern eindrucksvoll bewiesen hat. Schießt der doch in der 92. Minute diesen wunderschönen Freistoß ins Toreck. Zum Glück hatte Nuri Sahin da Silva die Ausführung überlassen – Nuri spielte zwar nicht schlecht, aber mit den Standards war das in diesem Spiel nichts. Und wie da Silva diesen Freistoß rausgeholt hat – darüber können natürlich nur die Dortmunder schmunzeln. Denn es war ein wirklich guter Witz auf Kosten der Gäste. Da Silva trifft beim Schussversuch Obasi am Fuß und geht selber zu Boden. Das war zwar keine Schwalbe, aber auch nie und nimmer Freistoß. Zumindest nicht für uns.

Schiedsrichter Wolfgang Stark krönte damit seinen schwarzen Tag. Zum wiederholten Mal verpfeift dieser FIFA-Mann ein Spiel von uns. Diesmal glichen sich die Ungerechtigkeiten wenigstens aus. Hoffenheim war nach neun Minuten durch einen schönen Angriff über links, bei dem Piszczek doppelt schlecht aussah, in Führung gegangen. Nur fünf Minuten später gab es jedoch zu Recht Handelfmeter für den BVB, nachdem Vorsah den Ball mit dem Arm mitgenommen hatte. Natürlich schoss Nuri und wie fast immer traf Nuri. Es war schon sehr pedantisch von Stark, den Elfmeter wiederholen zu lassen, weil Lucas Barrios zu früh in den Strafraumkreis (!) gelaufen war. Warum sah Herr Stark mit seinen Adleraugen dann nicht, dass beim zweiten, von Starke parierten Elfer der Torwart zu früh die Linie verlassen hatte und diesmal ein Hoffenheimer Feldspieler zu früh in den Strafraum gelaufen war?

Ansonsten fiel Stark durch inkonsistente Beurteilung von Zweikämpfen und weitere Fehler auf. Dazu gehörte ein dem BVB nicht zuerkannter glasklarer Eckball nach einem von Starke ins Toraus gelenkten Barrios-Schuss. Richtig war allerdings die Entscheidung, Abseits gegen den BVB und nicht Elfmeter für uns zu pfeifen, als Subotic im Strafraum umgegrätscht wurde. Neven hatte den Ball da bereits zu Hummels ins Abseits gespielt. Trotzdem kann ich diesen Schiedsrichter nicht mehr sehen – keine Ahnung, warum er zu den besten der Welt gehören soll. Schließen wir dieses Kapitel mit einem Wortspiel ab, das auch Arnd Zeigler nicht besser hinbekommen würde: Starke stark und Stark schwach.

Es war bis zur Nachspielzeit ein komisches und sehr frustrierendes Spiel. Den Meinungen der Medienvertreter kann ich mich nur bedingt anschließen. Ich habe keine hervorragende Hoffenheimer Mannschaft gesehen. Dafür kreierten die Gäste zu wenig nach vorne. Der BVB eroberte unglaublich viele Bälle im Mittelfeld, teils auch durch Hoffenheimer Fehlpässe. Dass wir die Partie nicht gewinnen konnten, lag schlicht und einfach daran, dass die Spieler zu viele falsche Entscheidungen trafen. Es wurde geschossen, wenn man besser hätte abspielen sollen. Oft wurde abgespielt, aber nicht zum am besten postierten Spieler. Manchmal wurde nicht abgespielt und man rannte sich in der gut stehenden Gästedefensive fest. Die Hoffenheimer zeigten eine ordentliche Auswärtsleistung, aber keine Spitzenpartie. Wie man es inzwischen gewohnt ist, überzeugten sie vor allem durch Bissigkeit und Aggressivität.

Ob es beim BVB an der Konzentration mangelte, womöglich durch den Terminstress? Diese Erklärung wird immer gerne genommen, aber mir fehlen dafür noch die eindeutigen Beweise. Der frühe Doppelschock durch Gegentor und das Elfmeter-Theater könnte die Mannschaft ebenfalls gelähmt haben, denn gerade in der ersten Halbzeit fehlte es deutlich an Kreativität. Wieder wurde es nach der Pause besser und die Schwarz-Gelben kamen immerhin zu Chancen. Der äußerst unglücklich spielende Großkreutz, über dessen Auswechslung man gestern erleichtert sein konnte, vergab einmal kläglich und einmal knapp. Barrios konnte die schon erwähnte Szene und einen weiteren Torschuss verbuchen. Von den Gästen gab es in den zweiten 45 Minuten vereinzelte Konter zu sehen – mehr nicht. Den einen vielversprechenden Torschuss lenkte Weidenfeller an die Latte, danach konnte der Ball geklärt werden.

Was gegen die These mit dem Kräfteverschleiß durch die Europa League spricht, ist dieser unbedingte Einsatz bis zum Schluss. Zeitweise konnte man gestern den Eindruck gewinnen, dass da nichts mehr gehen würde, weil es ein gebrachter Tag für den BVB war. Aber dank dieses Engagements der Schwarz-Gelben glaubte ich fünf Minuten vor Schluss doch wieder an einen Punktgewinn. Und dann kam Toni. Die Folge: Unglaublicher Jubel. Bei den Spielern und in der Kneipe. Nach so einem Spiel ist das besonders schön.

Wenige Borussen konnten ihr volles Leistungsvermögen abrufen, aber einer machte alles richtig: Jürgen Klopp. Der schon vor dem Spiel angeschlagene Sven Bender musste zur Halbzeit raus und wurde durch Mario Götze ersetzt, der frischen Wind brachte. Die Einwechslung von da Silva war natürlich sowieso ein Volltreffer. Und selbstverständlich kann man sich nach diesem Spielverlauf nicht über verlorene Punkte aufregen, zumal von den Konkurrenten nur die Mainzer und Bremer davon profitieren konnten. Ärgerlich wäre nur ein Scheitern bei der nächsten Station: Am oder auf dem Bieberer Berg, Offenbach.

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2 Kommentare

  1. Schiri Stark zählte zwar bei der WM zu den Besseren Schiedsrichtern, doch eine Partie vom BVB sollte man ihn wirklich nicht mehr leiten lassen. Erstens ist es schwachsinnig solche Aktionen wie beim Elfmeter überhaupt abzupfeifen, denn dann kann man jeden Elfer drei oder viermal wiederholen lassen und zweitens berührte Lucas gerade einmal die Linie als Nuri gegen den Ball trat.
    Ich denke das er aber durchaus einen Elfer für Neven hätte geben können obwohl der Ball schon weg war, doch da fehlte ihm eindeutig der Mut.
    Das Hoffenheimer Spiel war vor allem durch Agressivität und viele Fouls geprägt, wenn überhaupt hat das Spiel gegen den Ball gut funktioniert aber nach vorn ging wirklich nicht viel.
    Genauso leider wie bei uns, vor allem Kagawa ist auffällig oft der Ball versprungen was ihm normalerweise nicht passiert, der Rest rannte sich meist fest oder spielte den falschen Pass aber mein Gott, man kann nicht jedes Spiel gewinnen. Im Endeffekt war ich froh das wir nicht verloren haben und ich hoffe das bleibt auch am Mittwoch und kommenden Sonntag so.
    Bin ja mal gespannt wie Mainz diese Doppelbelastung in der jetzigen Woche verkraftet.

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  2. Das Problem beim ersten Elfmeter war wohl, dass Lucas in den Strafraumkreis gelaufen ist. Das darf man auch nicht, obwohl der Kreis nicht zum Strafraum gehört. Da geht es um den Abstand zum Schützen. Trotzdem bleibt es lächerlich und der zweite Elfer hätte auch wiederholt werden müssen. Auf Sport1 haben sie gestern einige der letzten Elfer gezeigt, die Stark gepfiffen hat – die hätten streng nach Regel alle wiederholt werden müssen. Die Entscheidung gegen uns bei der Subotic-Hummels-Szene kann ich wie gesagt nachvollziehen. Habe das auch noch ein paar Mal im Fernsehen gesehen und da Subotic den Ball zu Hummels spielt, bevor er gefoult wird, liegt eine aktive Abseitsstellung vor und was danach passiert, ist irrelevant (es sei denn, es wäre eine Tätlichkeit o.ä. gewesen).

    Das Gefühl nach diesem Spiel war bei mir auch so, als ob es ein Sieg gewesen wäre. Was gibt es Schöneres als Tore für uns in der Nachspielzeit?

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