Zurück in die Vergangenheit

DFB-Pokal, 2. Runde / Kickers Offenbach 4 BVB 2 (n.E.)

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, da Silva (81. Le Tallec) – Kagawa (68. Großkreutz), Lewandowski, Götze (90.+1 Feulner) – Barrios.

Der BVB knüpft an die unselige Vergangenheit an und scheitert im Pokal erneut an einem Drittligisten. Letztes Jahr Osnabrück, dieses Mal Offenbach. Das war mehr 2001 als 1989 – wenigstens waren es keine Wolfsburger Amateure. Muss man der Tatsache ins Auge sehen, dass die Borussen überspielt und durch Verletzungen geschwächt sind? Oder der, dass nun ein Rezept gegen Schwarz-Gelb gefunden scheint: Defensiv und aggressiv spielen und viel Laufarbeit verrichten?

Das Spiel der Offenbacher hatte durchaus ein paar Parallelen zum Hoffenheimer Auftritt in Dortmund. Die Hessen haben selbstverständlich nicht die gleiche Klasse, so dass deren Ziel spätestens Mitte der zweiten Hälfte nur noch das Elfmeterschießen zu sein schien. Dagegen muss man ein Mittel finden, das kann man ihnen nicht übel nehmen. Denn in der ersten Halbzeit sah es immerhin noch so aus, als sei ein Dortmunder Treffer nur eine Frage der Zeit. Die Schwarz-Gelben taten sich schwer, aber Lucas Barrios hatte doch zwei gute Möglichkeiten. Auch die Gastgeber hatten zwei gute Szenen, vor allem den Distanzschuss von Teixeira, den Weidenfeller noch an die Latte lenken konnte. Trotzdem sah es so aus, als habe der BVB das Spiel im Griff.

Je länger die Partie dauerte, desto mehr dämmerte es einem jedoch: Die Schwarz-Gelben fanden kein Rezept. Offenbach stellte die Offensivbemühungen völlig ein, schaffte es aber, nicht nur Tore, sondern sogar Torchancen des BVB zu verhindern. Das lag natürlich auch an unserem Spiel. Über die gesamten 120 Minuten versuchte die Mannschaft zu wenig über die Flügel und blieb zu oft in der Mitte hängen. Die nominellen Flügelspieler Kagawa und Götze rückten zu sehr ein, wobei Götze noch vergleichsweise agil wirkte und neben Weidenfeller bester Borusse war. Die Außenverteidiger kreierten ebenfalls keine Gefahr durch Flanken. Nuri Sahin blieb blass. Auffällig war zudem der oft schwache Spielaufbau der Viererkette. Man merkt, dass etwas schief läuft, wenn die Frequenz der langen hohen Bälle ungebührlich steigt – wie in der Vergangenheit.

Die Chancenverwertung ist zurzeit ebenfalls verbesserungswürdig. Lucas Barrios hat in der Partie gegen die Bayern zum letzten Mal getroffen. Das ist noch keine allzu lange Durststrecke, aber angesichts der Zahl seiner Chancen wäre ein Tor mal wieder schön. Lewandowski hatte kurz vor Ende der regulären Spielzeit nach einem geblockten Götze-Schuss die Riesenchance zum Happy End, aber Torwart Wulnikowski parierte. Der zwischendurch eingewechselte Le Tallec und Barrios (in der Verlängerung) scheiterten ebenfalls am Keeper.

Es war eine böse Überraschung, wie wenig Torraumszenen die Schwarz-Gelben in der Verlängerung hatten. Denn wenn der BVB ins Elfmeterschießen muss, lasse ich prinzipiell alle Hoffnung fahren. Auch das ist eine Erfahrung aus der Vergangenheit. Es nützte auch nichts, dass Roman Weidenfeller sogar mal einen Elfer hielt. Dann hält der gegnerische Torwart eben zwei! Und so wurde Wulnikowski zum Pokalhelden – wobei vor allem der Elfmeter von Lewandowski auch nicht so schwer zu halten war.

Nuri Sahin hatte mit folgender Aussage nach dem Spiel Unrecht:

Wir wussten, dass ein Rückschlag kommen würde. Vom Ergebnis ist er da, fußballerisch nicht.

Die Borussia hat sich gestern nicht auf ihre Stärken besonnen, hat nicht die nötige Geduld aufgebracht, sondern es mit der Brechstange versucht. Das war gar nix, das Ausscheiden ist bitter, auch wenn wir in prominenter Gesellschaft sind. Wollen wir hoffen, dass die Defizite pokalspezifisch bleiben. Am Sonntag werden wir beim Duell der Pokalversager in Mainz sehen, wer sich schneller berappeln kann.

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2 Kommentare

  1. Treffend analysiert.

    Mich hat am Mittwoch neben dem Ausscheiden schockiert, wie sehr die Mannschaft in den vergangenen drei Spielen gegen Paris, Hoffenheim und Offenbach spielerisch abgebaut hat.

    Ich hoffe, dass dieser Trend gestoppt wird.

    Gefällt mir

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