Vom Pokaldepp zum Spitzenreiter

1. Bundesliga, 10. Spieltag / FSV Mainz 0 BVB 2

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels (69. Santana), Subotic, Piszczek – Sahin, Bender – Großkreutz, Kagawa, Götze (79. Lewandowski) – Barrios (86. da Silva). Tore: Götze, Barrios

Borussia Dortmund hat sich doch noch einen Rekord gesichert, sogar einen Bundesliga-Rekord. Alle übertragenden Fernsehsender informierten die Zuschauer gestern, dass wir mit dem fünften Auswärtssieg in Folge zum Start eine neue Bestleistung geschafft haben. Und das nur vier Tage nach dem Pokal-Aus in Offenbach. Wir wissen ja alle, Fußball ist schnelllebig, aber wie ist dieser extreme Kontrast zu erklären?

Die heißeste Spur führt uns zur taktischen Ausrichtung des Gegners. Gegen den extrem defensiven Drittligisten tat sich der BVB sehr schwer, letztendlich zu schwer. Die offensiven Mainzer lagen uns besser, weil sich Räume auftaten und Fehler ins Spiel der Gastgeber einschlichen. So weit ist es nun schon, dass wir die gleichen Probleme haben wie der FC Bayern und andere Spitzenmannschaften.

Die Mainzer begannen stark, mit druckvollem Spiel nach vorne und gefährlichen Standards. Es ist ein Zeugnis der tollen Entwicklung des BVB unter Jürgen Klopp, mit welcher mentalen Stärke die Schwarz-Gelben in das Spiel hineinfanden – unbeeindruckt vom Mainzer Anfangsschwung und der Pokalniederlage. Vor der Führung gab es ja schon zwei ganz dicke Chancen: Barrios scheitert in einer 1:1-Situation vor dem Tor und Götzes Schuss wird von Wetklo pariert. Nur wenige Minuten später dieses tolle 1:0. Vorbereitet durch Sahin, der eher unauffällig, aber trotzdem an beiden Treffern beteiligt war. Und Mario Götze lässt mehrere Mainzer aussteigen und schiebt überlegt ins richtige Eck.

Mario, du bist ein Teufelskerl. Als uns letztes Jahr von berufener Seite (war es Matthias Sammer oder sogar Jürgen Klopp?) erzählt wurde, dass da eines der größten deutschen Talente in unseren Reihen spielt, dachte ich noch: das mag schon sein, aber gilt das auch in der Bundesliga? Götze hat es uns nun zum wiederholten Mal gezeigt. Denn er bereitete auch das 2:0 entscheidend vor. Es war eine tolle Kombination, Sahin auf Götze, der im richtigen Moment auf Barrios. Lucas umspielte Wetklo und als ich schon dachte, der Winkel würde zu spitz, macht er ihn von links rein. Dabei hatte er zuvor nicht nur die schon erwähnte Chance vergeben, sondern noch zwei weitere, dabei einmal den Pfosten getroffen.

Neben Götze war allerdings nicht Barrios, sondern Roman Weidenfeller der zweite Matchwinner. Mit einer seiner stärksten Leistungen der Ära Klopp vereitelte er die Mainzer Chancen, die die alles in allem gut aufgestellte Defensive nicht unterbinden konnte. Im Mittelpunkt steht natürlich der gehaltene Elfmeter zu einem wichtigen Zeitpunkt kurz nach der Pause. Der zweite in der letzten Woche, der erste während des Spiels seit wann eigentlich? Den Elfer konnte man geben, Subotic trifft zuerst den Ball, dann aber auch Szalai. Der Schuss von Eugen Polanski war gar nicht soo schlecht, jedenfalls weit besser als der von Lewandowski am Mittwoch. Aber Weidenfeller machte auch alles andere richtig: Gegen Allagui im richtigen Moment zugegriffen, Fuchs‘ Freistoß über die Latte gelenkt, bei Szalais Schuss auf dem Posten.

Der BVB hatte am Ende der 90 Minuten ein deutliches Chancenplus und hätte die Partie schon früher klarmachen können. Allzuviele Vorwürfe sollte man den schwarz-gelben Jungs jedoch nicht machen, denn auch Wetklo hielt nach seinem komischen, aber folgenlosen Patzer sensationell – etwa bei den tollen Schüssen von Schmelzer und Kagawa. Schön, dass auch Shinji (der übrigens aus der zweiten japanischen Liga kommt, diesen Hinweis habe ich diese Woche bei „Sky“ vermisst) wieder deutlich munterer und präsenter war als zuletzt. Großkreutz, der gelegentlich mit Götze die Flügel tauschte, wirkte ebenfalls etwas verbessert.

Gegenüber dem Offenbach-Spiel ist auch die Rückkehr von Sven Bender als Erfolgsfaktor nicht zu unterschätzen. Bender eroberte viele Bälle im Mittelfeld und leitete sie kompetent und schnell weiter – genau dafür ist er da. Es war ein gegenüber Mittwoch in allen Belangen verbesserter BVB, der uns ein schönes Spitzenspiel bescherte, das mit der erneuten Tabellenführung endete. Die Mainzer spielten mit, hatten in beiden Halbzeiten die bessere Anfangs-Viertelstunde, aber letztendlich hat die Borussia doch noch ein bisschen mehr Qualität in ihren Reihen.

Wohin geht nun am Donnerstag die Reise? Geographisch wissen wir das alle, aber nach so einer Woche ist es wirklich schwer einzuschätzen, was den Schwarz-Gelben in Paris fußballerisch gelingen wird. Schaut man nur auf die Auswärtsbilanz in der Liga, muss uns sicher nicht Angst und Bange werden. Aber dieser Vergleich ist zugegebermaßen etwas vermessen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s