Serie gegen Serie

Statistiken sind in den Medien allgegenwärtig, ob einem das gefällt oder nicht. Gerade im Vorfeld eines Fußballspiels ist es verdammt schwer, ihnen auszuweichen, selbst wenn man kein großer Freund von ihnen ist. So ertappe ich mich gelegentlich dabei, wie ich der einen oder anderen doch Beachtung schenke. Ich versuche jedoch, mir im Umgang mit Statistiken immer eine kritische Betrachtungsweise zu bewahren.

Im Fußball gibt es ein klassisches statistisches Problem: Historische, saisonübergreifende Fakten widersprechen nicht selten einer aktuellen Serie. So ist das auch bei Hannover 96 und dem BVB. Einerseits warten die Schwarz-Gelben seit 4 1/2 Jahren auf einen Sieg in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Andererseits sind wir natürlich das Auswärts-Team der Stunde und neue Startrekordler. Wie hat man da die Aussagekraft von Vergangenheit und Gegenwart einzuschätzen?

Am weitesten kommt man wie immer, wenn man das Gesamtbild betrachtet. Hannover ist neben Mainz die Überraschungsmannschaft der Saison. Wer jetzt an die Eintracht denken sollte: Dort wird ähnlich wie in Dortmund seit Jahren solide Arbeit gemacht und so ist es kein großes Wunder, dass Bruchhagen und Skibbe der nächste Schritt zu gelingen scheint. 96 stand dagegen nach dem Freitod von Robert Enke, der sich nächste Woche zum ersten Mal jährt, vor dem Abgrund. Inwiefern der folgende sportliche Absturz damit zu tun hatte, braucht man jetzt nicht mehr zu diskutieren. Hannover rettete sich nur knapp vor dem Abstieg und nach dem Erstrundenaus im Pokal stand trotz aller Umstände Trainer Mirko Slomka ebenfalls kurz vor dem Aus.

Nach dem ausgesprochen guten Ligastart hat sich der Club inzwischen auf Platz 6 eingereiht. Zwar gab es in den letzten vier Spielen drei Niederlagen, darunter waren aber auch die Auswärtsspiele in München und Sinsheim. Über eine Entlassung von Slomka redet niemand mehr. Hannover hat sich vor dieser Saison behutsam verstärkt, die getätigten Transfers wirken überlegter als in der Vergangenheit. Zwei Neulinge, die herausstechen, sind das ehemalige Premier League-Rauhbein Emanuel Pogatetz und der norwegische Stürmer Mohamed Abdellaoue. Schon im vorigen Jahr kam der Mann, über den alle reden: Torjäger Didier Ya Konan. Auf der Kehrseite findet man bei 96 ehemalige deutsche Sturmtalente wie Mike Hanke und Jan Schlaudraff. Das ’neue Hannover‘ steht neben dem alten, der Umbruch ist noch nicht abgeschlossen – deshalb ist trotz positiver Anzeichen nicht damit zu rechnen, dass sich der Club auf den einstelligen Tabellenplätzen halten wird.

Keine Angst vor Pogatetz heißt es morgen in Hannover. Der Österreicher wird wegen eines Muskelfaserrisses nicht dabei sein – es wird also hoffentlich ein entspannter Nachmittag für BVB-Mannschaftsarzt Dr. Braun. Nach seinem Platzverweis von Sinsheim wird auch der junge defensive Mittelfeldspieler Schmiedebach fehlen. Längerfristig verletzt ist zudem Neuzugang Carlitos. Ein weiterer Ausfall in der Defensive ist nicht auszuschließen: Routinier Christian Schulz kämpft noch mit einer Zehenprellung – aber wegen sowas lässt höchstens ein Franck Ribery Spiele sausen, oder?

Die Borussia kann im Niedersachsenstadion womöglich mit der gleichen Startelf beginnen wie im Prinzenpark. Lukasz Pisczeks Verhärtung – im Oberschenkel – dürfte bis morgen 15:30 so weit abgeklungen sein, dass ein Einsatz möglich ist. Ansonsten würde wie am Donnerstag in der zweiten Halbzeit Kevin Großkreutz nach hinten rechts rücken. Für einen Einsatz im Mittelfeld steht ja Kuba wieder zur Verfügung. Überraschungen oder Blitzheilungen bei anderen Spielern sind nicht zu erwarten.

Der FC Bayern gastiert heute bei der anderen Borussia und wartet sehnsüchtig auf einen Punktverlust der einen Borussia – lassen wir sie noch ein wenig länger warten!

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2 Kommentare

  1. In den letzten Jahren wirkte ich nicht gerade zuversichtlich wenn es mal wieder nach Hannover ging, weiterhin könnte ich argumentieren das die Borussia oft oder fast immer einknickt wenn es um etwas geht. Aber diese Saison der Borussia hat mich bisher eines besseren belehrt, wenn ich da an die Spiele gegen die Bayern oder Mainz denke.
    Man könnte morgen mit einem Sieg vier Punkte auf den zweiten und neun Punkte auf den Dritten gut machen, vorausgesetzt Bayer 04 gewinnt morgen nicht. Auf den Branchenprimus FC Bayern wären es dann sage und schreibe 12 Punkte, unglaublich..

    Ich denke mit der richtigen kämpferischen und läuferischen Einstellung ist Hannover zu packen. Ich vermute mal das sie sich nicht gleich hinten rein stellen werden sondern schon einiges für die Offensive tun werden. Bleibt zu hoffen das das Spiel in Paris nicht zu viel Kraft gekostet hat und die Mannschaft ihr Spiel durchdrücken kann.

    Wäre auch toll wenn einige Stammkräfte bald wieder voll im Saft stehen damit man mal wieder durchwechseln und dem ein oder andern ne Pause geben kann. Denke da an Mo Zidan, Kehl oder Owomoyela

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