Jetzt müssen sie doch mal einbrechen

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1. Bundesliga, 11. Spieltag / Hannover 96 0 BVB 4

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin (83. da Silva), Bender – Großkreutz, Kagawa, Götze (75. Kuba) – Barrios (75. Lewandowski). Tore: Kagawa, Barrios, Lewandowski, Kuba

So sehr sich „Sky“-Kommentator Born auch bemühte, den BVB-Spielern Müdigkeit anzudichten und den Einbruch in der zweiten Hälfte prophezeihte, so wenig taten ihm die Schwarz-Gelben den Gefallen. Mit einer beeindruckenden Leistung gewinnt die Borussia vor ausverkauftem Haus und etwa 10.000 eigenen Fans auch beim Tabellensechsten.

Selbst wir BVB-Fans werden von der Mannschaft immer wieder positiv überrascht und eines Besseren belehrt. Nicht dass ich einen Einbruch erwartet hätte. Aber auch wenn man nur denkt, der eine oder andere Spieler habe gerade einen leichten Durchhänger, ist er plötzlich wieder da. Shinji Kagawa gelang gestern wieder alles mit herrlicher Leichtigkeit, inklusive eines großartigen Tors. Einige hatten den verletzten Patrick Owomoyela vermisst – denen zeigte Lukasz Piszczek, dass er es genauso gut kann. Vor allem offensiv war er richtig stark und belebte das Flügelspiel. Und Lucas Barrios traf nach kurzzeitiger Flaute im Oktober auch in Hannover wieder.

Die Borussia war von Anfang an im Spiel, setzte die Gastgeber sofort unter Druck und ging mit dem ersten richtig guten Angriff in Führung. Piszczek hatte von rechts geflankt, der Ball kam über mehrere Stationen zu Kagawa. Der dribbelte parallel zur Strafraumlinie einige Gegenspieler aus – das sah alles nicht sonderlich gefährlich aus – drehte sich dann um 90 Grad und schoss den Ball so was von platziert in die rechte untere Ecke. Klassetor mit Köpfchen. Und Shinji hatte gerade erst angefangen: In den folgenden 20 Minuten tauchte er noch mehrmals gefährlich vor dem Tor auf, harmonierte dort sehr gut mit Lucas Barrios. Das Einzige, was man dem BVB in der ersten Halbzeit vorwerfen konnte, war, dass wir nicht höher führten. Aber wenn das mit der Chancenverwertung auch noch besser wird…

Zwar kamen die 96er noch zu zwei Torschüssen in der ersten Hälfte, aber der erste von Stoppelkamp ging doch deutlich vorbei und dem zweiten von Ya Konan ging ein Handspiel des Stürmers voraus, das nicht geahndet wurde. Um es vorwegzunehmen, es blieb der einzige nennenswerte Fehler des sehr guten Schiedsrichters Dr. Brych.

Dass Hannover nicht ganz zu Unrecht in der oberen Tabellenhälfte stand, zeigten sie dann in der ersten Viertelstunde nach Wiederanpfiff. Da war immerhin Entschlossenheit zu sehen und sie kamen besser in die Zweikämpfe. Richtig zupacken bzw. parieren musste Roman Weidenfeller allerdings nur einmal – bei einem Forsell-Schuss von halbrechts. Ansonsten waren verschiedene Mitglieder der Dortmunder Viererkette zur Stelle. Und die gesamte Mannschaft war weit davon entfernt, jetzt endlich Tribut zu zollen – der Doppelbelastung, dem niedrigen Durchschnittsalter, oder was man sonst immer so hört. Der BVB kam zurück ins Spiel und traf in den letzten 20 Minuten noch dreimal nach tollen Angriffen.

Das 2:0 – bilderbuchmäßig von Sahin auf den Flügel zu Piszczek gespielt, der flankt im richtigen Moment präzise und Lucas Barrios trifft, obwohl ihn links und rechts zwei Abwehrspieler ‚begleiten‘. Das 3:0 war eine polnische Ko-Produktion: Lewandowski setzt Kuba ein, dessen Schuss kann Torwart Fromlowitz noch parieren, doch Lewandowski bringt den Abpraller mit ein wenig Akrobatik im Tor unter. Das 4:0 wurde wieder durch einen Traumpass eingeleitet: Der eingewechselte da Silva spielt über mehr als 40 Meter Kuba in den Lauf und der trifft doch noch selber mit einem harten Schuss aus etwa 15 Metern.

Das war wieder schwarz-gelber Traumfußball, begünstigt durch einen Platzverweis ein paar Minuten nach dem 2:0. Kuba wird von Haggui an der rechten Strafraumgrenze gefoult und bleibt kurz liegen, daraufhin tritt ihm der Hannoveraner gegen den Kopf. Für so eine Aktion ist der Begriff Tätlichkeit erfunden worden – selten dämlich von Haggui. Weil Kuba im Strafraum lag, gab es auch noch Elfmeter. Lieber Nuri Sahin, du darfst weiter gerne Freistöße schießen. Einen hättest du auch gestern fast reingemacht. Du darfst weiter gerne Eckstöße treten. Und vor allem freuen wir uns über mehr dieser herrlichen Pässe in die Tiefe. Aber lass nächstes Mal jemand anders den Elfer schießen! Da bricht dir kein Zacken aus der Krone. Denn der gestern war schwach und unplatziert in die Mitte geschossen – wenn man in die Mitte zielt, dann muss das höher sein.

Nuri Sahin befand sich allerdings in guter Gesellschaft, denn es war wohl das Wochenende der verschossenen Elfmeter. Schließlich vergaben auch die (Ex-)Nationalspieler Schweinsteiger, Frings und Cacau. Und abgesehen von dem Fehlschuss war Nuri in Hannover wieder ganz der Spielmacher, den wir kennen und lieben.

Es war ein weiterer perfekter Dortmunder Tag und dazu gehören auch die perfekten Wechsel von Jürgen Klopp. Alle drei Einwechselspieler trafen oder bereiteten Treffer vor. Wie der Trainer den ganzen gut besetzten Kader bei Laune hält und anspornt, so dass auch Spieler, die von der Bank kommen, sofort ins Spiel finden, sollte man spätestens heute mal erwähnen. Und zuguterletzt hatte Jürgen Klopp dann noch einen herrlichen Auftritt bei Arnd Zeigler im WDR!

An der Tabellenspitze hat man gute Sicht. Mit dem Fernglas kann man sogar noch München erahnen. Aber das ist alles nur Momentaufnahme, klar. Denn am Freitag kommt mit dem anderen HSV ein ambitionierter Gegner ins Westfalenstadion, der immerhin am Samstag die Hoppenheimer geschlagen hat. Irgendwann müssen wir doch mal einbrechen, oder? Aber gestern, Jungs – das war spitze!

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2 Gedanken zu “Jetzt müssen sie doch mal einbrechen

  1. Als ich das Ergebnis gehört hab, hats mich fast aus den Schuhen gehauen. VIER NULL in Hannover.
    Spätestens jetzt seid ihr für mich der Meisterschaftsfavorit Nr. 1
    Wer so spielt wird am Ende belohnt.

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  2. „Am Ende“ ist entscheidend. Ich halte es wie Jürgen Klopp: Solange wir mein persönliches Saisonziel, Platz 5, nicht aus den Augen verlieren (im negativen Sinn), interessiert mich die Tabelle erst am 25. Spieltag wirklich.

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