Wintermeister

1. Bundesliga, 15. Spieltag / 1.FC Nürnberg 0 BVB 2

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin (90. Santana), Bender – Großkreutz (61. Kuba), Kagawa (85. da Silva), Götze – Lewandowski. Tore: Hummels, Lewandowski

Im Schneefall von Nürnberg bestätigt der BVB mit einem weiteren Auswärtssieg die am Samstag kampflos gewonnene ‚Herbstmeisterschaft‘. Nennen wir es eine „reife Leistung“, denn in Wahrheit war es eines der schlechteren Saisonspiele der Schwarz-Gelben. Aber genau die muss man erst mal für sich entscheiden.

Entgegen der Eindrücke der letzten Wochen kam der BVB ausgesprochen schwer in die Partie. Zwar hatten wir über die gesamte Spielzeit mehr Ballbesitz, aber das bevorzugte Mittel der ersten 20 Minuten waren lange Bälle, die wie gewohnt uneffektiv blieben. Es mangelte an öffnenden Pässen, gerade auf die Flügel, dafür gab es ein Übermaß an Fehlpässen. Und das berüchtigte Dortmunder Pressing im Mittelfeld war kaum zu sehen. Die Nürnberger überzeugten zunächst kämpferisch, blieben jedoch über weite Strecken des Spiels im Endeffekt harmlos. Die gefälligen Angriffe die sie hatten, verloren in Strafraumnähe ihre Gefährlichkeit. Mit zwei Ausnahmen, die beide auf das Konto von Schieber gingen: Ein Kopfball knapp neben das Tor in der ersten Hälfte und ein Sololauf durch die schwarz-gelben Abwehrreihen in der zweiten, den der Stürmer aber mit einem Querpass abschloss, den Schmelzer zum Glück klären konnte.

Wie gegen Gladbach musste Dortmund eine Standardsituation helfen. Nuri Sahin schickte in der 23. Minute einen langen Freistoß in den Strafraum, Innenverteidiger Wolf ließ Mats Hummels laufen und clever ins rechte Eck einköpfen. Zu einer Spitzenmannschaft gehört an einem schwachen Tag die Effektivität – nicht wahr, Herr van Gaal? Nach der Führung war der BVB endlich im Spiel und hatte durch einen Kopfball von Kagawa und eine von Großkreutz abgeschlossene Kombination weitere Chancen, die allerdings nicht unter die Kategorie 100- oder 90%ig fielen.

Trotz sich verstärkenden Schneefalls war die zweite Hälfte besser anzuschauen. Es passierte einfach mehr, zunächst jedoch nichts richtig Positives für die Schwarz-Gelben. Den Kampf um die bessere Halbzeitansprache schien Jürgen Klopp diesmal nicht gewonnen zu haben. Schiedsrichter Weiner traf außerdem in dieser Phase einige sehr fragwürdige Entscheidungen: Kagawa wurde ein klarer Vorteil zurückgepfiffen, Subotic sah wegen eines harmlosen Armwischers Gelb, während ein Nürnberger Kuba von hinten in die Beine senste und dafür nicht verwarnt wurde. Schiebers schon erwähntes Solo fiel ebenfalls in die Anfangsphase der zweiten 45 Minuten.

Es war wieder ziemlich genau die Hälfte der Halbzeit gelaufen, als der BVB erneut den Schalter umlegen konnte. Nach gut 65 Minuten kamen wir plötzlich im Mittelfeld besser in die Zweikämpfe, konnten die nun offensiver orientierten Gastgeber erfolgreich stören. Ein schneller Angriff folgte dem anderen. Götze, von dem in der ersten Hälfte nichts zu sehen war, blühte auf, Kagawa und Lewandowski vergaben mehrmals in aussichtsreicher Position. So blieb es lange ein Zitterspiel – daran war man als Borusse gar nicht mehr gewöhnt. Um ehrlich zu sein gab es allerdings nicht mehr viel zum Zittern. Der Club war in den letzten 20 Minuten noch harmloser als zuvor, bis auf eine Szene des eingewechselten Mendler kurz vor Schluss. Als das Spiel jedoch schon entschieden war, denn wie gegen Lviv gelang Robert Lewandowski noch ein spätes Tor. Es war eine Mischung aus spektakulärem Kombinationsspiel im Strafraum und ein bisschen Glück. Beteiligt waren Götze, da Silva und Sahin, am Ende gelangte der Ball zu Robert, der aus der Drehung traf.

Nach 90 Minuten steht ein verdienter Sieg, dank einer größtenteils sicheren Defensive, in der, wenn doch mal etwas schief ging, noch jemand anders zur Stelle war, um zu retten. Und dank einer Offensive, die insgesamt etwa 40 Minuten überzeugen konnte, was gegen diesen Gegner ausreichend war. So ein Spiel gewinnt man mit mannschaftlicher Geschlossenheit und Engagement – das war nach 25 Minuten da. Für einen Wintermeister war es ein durchschnittlicher Auftritt, bei dem man niemand gesondert herausheben oder kritisieren muss. Über die kompletten 90 Minuten überzeugten am ehesten die Innenverteidiger Mats Hummels und Neven Subotic. Die Souveränität, mit der die Mannschaft solche Spiele schaukelt, überzeugt jedoch ganz und gar. Was für eine Konstanz: 40 Punkte von 45 möglichen. Zehn Punkte Vorsprung auf den Zweiten, 17 auf den Meister. So macht der Winter Spaß!

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