Thomas Schaaf und das Rätsel des verlorenen Erfolgs

Schwache Phasen hatte Werder Bremen schon öfter, gerade in einer Hinrunde. Was die aktuelle Saison für die Grün-Weißen so schmerzhaft macht ist, dass sich die Erfolgslosigkeit über alle drei Wettbewerbe erstreckt. Champions League: als Gruppenletzter ausgeschieden. DFB-Pokal: ausgeschieden (unglücklich). Liga: Tabellenzehnter mit zehn Punkten Rückstand auf die CL-Plätze. Neben der Ernüchterung, im neuen Jahr in keinem europäischen Wettbewerb mehr vertreten zu sein, ist es vor allem die Art und Weise, wie die Mannschaft in der Liga aufgetreten ist, die Fans wie Verantwortlichen Kopfzerbrechen bereitet. In zu vielen Spielen brach das Team nach einem Rückstand ein und kassierte hohe Niederlagen, etwa in Hannover (1:4), Stuttgart (0:6) oder Gelsenkirchen (0:4).

Würden solche Resultate und Spielverläufe nicht ein Mentalitätsproblem nahelegen, könnten die Bremer die Probleme allein mit ihrem zweifellos enormen Verletzungspech erklären. Gerade die Defensive war von Ausfällen auf allen Positionen betroffen, die Stammspieler Naldo und Boenisch fehlen noch immer. Im Sturm zeigte sich, dass Claudio Pizarro nicht zu ersetzen ist, auch nicht von Hugo Almeida. Doch abgesehen davon fehlte Aaron Hunt plötzlich jede Inspiration und der österreichische Neuzugang Arnautovic bestätigte bisher eher seinen fragwürdigen Ruf als frühere Leistungen. Diskutieren kann man auch, ob Torsten Frings noch der geeignete Kapitän für Werder 2010/11 ist – seine häufigen Nörgeleien legitimierte er zu selten durch überzeugende Auftritte auf dem Platz.

Die Leistungen auf und neben dem Platz ließen die Werder-Fans sogar zunehmend an Thomas Schaaf zweifeln, da dieser angesichts der geballten Enttäuschungen ratlos wirkte. Gerade ‚rechtzeitig‘ vor der Partie in Dortmund zeigt sich jedoch wieder mal ein Silberstreif am Horizont. In den letzten drei Pflichspielen blieben die Bremer ohne Niederlage, am Dienstag besiegten sie Inter Mailand mit 3:0. Die Italiener waren schon weiter, schonten einige Stammkräfte und unternahmen keine großen Anstrengungen, den Rückstand zu drehen. Trotzdem kann Werder mindestens aus einem Grund Hoffnung schöpfen: Claudio Pizarro kehrte nach seiner Verletzungspause zurück und traf gleich zum 3:0. Somit könnten die Bremer bald wieder die Alten sein – hinten Buden kassieren, vorne genügend machen.

Der BVB sollte gewarnt sein und die bisherige Bremer Saison außer Acht lassen. Obwohl neben den beiden Abwehrspielern auch Wesley und Hugo Almeida fehlen werden, wäre es typisch für diesen Verein, wenn sie ausgerechnet gegen den Tabellenführer ihre Formkrise überwinden könnten. Während die Defensive uns die eine oder andere Chance gewähren wird, muss man eine Offensive mit Leuten wie Marin, Arnautovic und Pizarro als brandgefährlich bezeichnen.

Bei der Borussia ist Stürmer Lucas Barrios ins Training zurückgekehrt und wird, wenn er 100%ig fit ist, wohl Robert Lewandowski wieder auf die Bank verdrängen. Bei der Besetzung des offensiven Mittelfelds hat Jürgen Klopp ein Luxusproblem: Kagawa sollte gesetzt sein, für die zwei Außenpositionen kommen mit Großkreutz, Götze und Kuba drei Spieler in Frage. In dieser Woche dürften da die Trainingseindrücke eine entscheidende Rolle spielen.

Jürgen Klopp hat die Mannschaft darauf eingestimmt, kein leichtes Spiel zu erwarten, sondern die Bremer hochkonzentriert zu „bearbeiten“. In den letzten Jahren hatten wir gegen diesen Gegner viele spannende, unberechenbare Partien. Auch in dieser Saison sollten die Schwarz-Gelben erst mal zwei, drei Tore schießen, ehe man vielleicht mal an Sevilla denken kann.

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2 Kommentare

  1. Die Bremer sollte man nie unterschätzen. Dennoch wirkt die Mannschaft nicht mehr so stark auf mich wie in den Vorjahren und die mannschaftliche Geschlossenheit ist auch nicht mehr das was sie mal war.
    Wenn wir unser Spiel gut durchziehen mit allem was dazu gehört müssten wir als Sieger vom Platz gehen, vor allem im Hinblick auf Sevilla wäre ein Erfolgserlebnis immens wichtig.

    Bleibt nur noch zu hoffen das das Wetter einigermaßen mitspielt, und die schlechten Bodenverhältnisse nicht das technisch versierte Spiel behindern.

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  2. Technisch versiert sind eigentlich beide Mannschaften. Jemand wie Marin würden schlechte Bodenverhältnisse auch behindern. Ich habe eher die Befürchtung, dass die Bremer nun wirklich an dem von ihnen herbeigesehnten Wendepunkt angelangt sein könnten. Die Rückkehr von Pizarro könnte ihnen einen Schub geben, für ein Tor ist der immer gut. Natürlich kann ich mir aber auch gut vorstellen, dass Mats und Neven ihn in den Griff kriegen und wir die drei Punkte holen. ;-)

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