Eine verdiente Entlassung

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Wenn man kurz vor Ende der Bundesliga-Hinrunde rekapituliert, welche der negativen Überrschungsmannschaften denn nun die peinlichste war, muss das Ergebnis spätestens seit heute VfB Stuttgart lauten. Noch knapp vor dem EffZeh. Die Schwaben haben heute ihre zweite Trainerentlassung der Saison vollzogen. Das allein ist angesichts der Möglichkeiten des Vereins schon peinlich, die Trennung von Jens Keller war dagegen richtig und unvermeidbar. Bei der Vorstellungs-PK hatte der arrogant wirkende Keller angedeutet, dass er es besser könne als Vorgänger Christian Gross – diesen Worten hatte er keine Taten folgen lassen. Zwar legte er einen ordentlichen Start hin, aber inzwischen macht die Mannschaft wieder die gleichen Fehler wie zu Saisonbeginn. Damals durfte man sich zudem noch berechtigterweise über einige Schiedsrichter-Entscheidungen aufregen. Es ist jedenfalls nicht zu sehen, dass Keller das Team entscheidend nach vorne gebracht hätte.

Klar ist, dass beim VfB nicht nur Keller und Gross für die Fehlentwicklungen verantwortlich sind. Es gibt einige Parallelen zur Situation bei Hertha BSC in der letzten Saison, auch wenn die Lage nicht ganz so düster ist. Eine Übereinstimmung ist, dass Stuttgart mit Fredi Bobic einen jungen, unerfahrenen Sportdirektor hat – wie Herthas Preetz. Welche Rolle der ‚Mann im Hintergrund‘, Jochen Schneider, spielt, müssen Leute beurteilen, die näher am VfB dran sind als ich.

Für viel Gesprächs- und vielleicht Zündstoff wird die Entscheidung über den Nachfolger sorgen. Der neue Mann ist tatsächlich Bruno Labbadia, den ich nicht so schnell in der Bundesliga zurückerwartet hätte. Den wahrscheinlichen Gedankengang der Beteiligten kann man einerseits nachvollziehen: Bobic & Co halten den VfB für eine potenziell offensivstarke Mannschaft. Labbadia gilt als Verfechter eines modernen, attraktiven Fußballs. Anscheinend haben die Verantwortlichen jedoch die Erfahrungen ausgeblendet, die sowohl der HSV als auch Leverkusen mit Labbadia als Cheftrainer gemacht haben. Das ‚Teambuilding‘ soll gelinde gesagt nicht seine Stärke gewesen sein. So könnte der VfB auch in der Rückrunde ein heißes Thema bleiben – nachdem sie zuvor zweimal sensationell die Bayern geschlagen haben. Wenn der BVB dann weniger im Mittelpunkt steht, soll es mir Recht sein.

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3 Gedanken zu “Eine verdiente Entlassung

  1. Also, mit *dem* Vorsprung und *der* bisherigen Saison werdet ihr wohl kaum aus dem Mittelpunkt des Medieninteresses herausrutschen. Da muss ich dich schon enttäuschen. =)

    Ansonsten insgesamt eine gute Analyse der Situation, wenngleich man vielleicht anmerken könnte, dass die Mannschaft auch unter Keller mit „unglücklichen“ Schiedsrichterentscheidungen zu kämpfen hatte (u.a. Schalke, Köln). Ansonsten finde ich es interessant, dass das Antrittsinterview von Keller von „auswärtigen“ Fans in der Regel wesentlich kritischer betrachtet wird, als von den VfB-Fans. Damit hat er sicherlich auch bei uns nicht übermäßig an Sympathie gewonnen, aber ich habe zumindest den Eindruck, als wenn das von vielen VfB-Fans nicht als „Dolchstoß“ betrachtet wurde. Aber das ist vielleicht auch ein subjektiver Eindruck – denn Gross machte nun mal einen relativ beratungsresistenten Eindruck.

    Was die Rolle von Schneider angeht, ist die sicherlich nicht zu unterschätzen (würde ich vermuten). Aber schwieriger für Bobic dürfte vermutlich die Gemengelage aus Aufsichtsrat, Vorstand und Schatzmeister sein, die allesamt sehr… meinungsstark sind (aber nicht unbedingt immer mit der nötigen sportlichen Kompetenz glänzen).

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  2. Zugegeben, das mit den Fehlentscheidungen kann ich zeitlich nicht genau einordnen. Ich hatte das so in Erinnerung, dass ihr am Saisonbeginn besonders gelitten habt.

    Die unterschiedliche Wahrnehmung von Keller liegt wahrscheinlich daran, dass ich Gross zum damaligen Zeitpunkt noch nicht entlassen hätte. Ich hatte noch die tolle Rückrunde von letzter Saison im Kopf und sah die Gründe für den Fehlstart eher in der Transferpolitik und eben im Pech. Als Fan ist man da einerseits emotionaler und wahrscheinlich schneller nervös, andererseits natürlich näher dran und besser informiert.

    Ich habe den Wechsel für eine Kurzschlussreaktion gehalten und die Aussagen auf der PK haben meine Antipathie gegen Keller, die sicher auch etwas Subjektives hat, noch verstärkt. Über die Notwendigkeit eines erneuten Wechsels sind wir uns ja einig – mal sehen wie sich Labbadia bei euch macht. Es ist nicht so, dass ich ihm eine Weiterentwicklung keinesfalls zutraue.

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