Glücklich, aber gerade noch verdient

Standard

1. Bundesliga, 16. Spieltag / BVB 2 Werder Bremen 0

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin (67. da Silva), Bender – Götze (79. Großkreutz), Kagawa, Kuba – Barrios (60. Lewandowski). Tore: Sahin, Kagawa

Wer die Illusion hatte, dass Werder Bremen im Westfalenstadion nur ein weiterer Zählkandidat sein würde, wurde gestern eines besseren belehrt. Beide Mannschaften konnten allenfalls streckenweise überzeugen, der BVB hatte den Gästen die größere Torgefährlichkeit voraus.

Klar, der Start war gestern mal wieder beeindruckend von den Schwarz-Gelben. Zunächst ließen sie die Bremer gar nicht zur Entfaltung kommen und gewannen im Mittelfeld einen Zweikampf nach dem anderen. Schon in der neunten Minute gelang Nuri Sahin ein weiteres Traum-Freistoßtor, als er den Ball mit bewundernswerter Präzision über die Mauer ins äußere rechte Toreck zirkelte. Zunächst waren die Bremer geschockt und der BVB blieb am Drücker. Aber spätestens nach dem Sahin-Schuss in der 23. Minute, den Wiese abprallen ließ und erst im Nachfassen hielt, begann eine Phase des Verwaltungsfußballs, den man in dieser Saison und in dieser Form bei der Borussia ganz selten gesehen hat.

Wir müssen uns natürlich im Klaren sein, gegen wen wir da gespielt haben. Werder Bremen hat nach wie vor sehr viel Qualität und ihre Probleme liegen nicht vordringlich im Mittelfeld. Deswegen haben mich die Ballstafetten und ansehnlichen Kombinationen auch nicht überrascht. Schon eher, dass der BVB zu oft zu weit weg stand und selbst nicht lange genug in Ballbesitz blieb. Die schwarz-gelbe Defensive verhinderte aber in der ersten Hälfte nennenswerte Bremer Chancen – bis auf einen Schuss von Hunt, den Weidenfeller parierte. Was bei unserer Viererkette wiederum weniger schön war: Bei der Spieleröffnung hakte es. Zu oft wurden kaum verwertbare lange Bälle oder Fehlpässe gespielt. Trotzdem konnte man nach Halbzeit 1 noch davon sprechen, dass die Schwarz-Gelben das Spiel alles in allem im Griff hatten.

Nach der Pause kam der zuvor uneffektive Pizarro doch noch ins Spiel und sorgte für Turbulenzen. Nachdem er wegen Nachstocherns gegen Weidenfeller zu Recht Gelb gesehen hatte, fiel er in der nächsten Szene im Strafraum, als er von unserer Nummer 1 berührt wurde. Eine Szene, in der man Elfmeter geben kann, aber nicht unbedingt muss. Pizarro suchte mehr den Kontakt als den Ball, Weide hatte kein Bein und keinen Arm ausgefahren, war allerdings im Weg. Zumindest im Weg, den Pizarro wählte.

Bremen hatte das Spiel ab der 50. Minute mit meist flüssigem Kombinationsspiel kontrolliert und kurz vor dem zweiten Dortmunder Tor eine große Chance gehabt, als Weidenfeller einen Kopfball von Subotic abwehren musste und Pasanen den freien Ball im Fünfmeterraum nicht unter Kontrolle bekam. Schmelzer konnte schließlich klären. Doch gegen den Spielverlauf fiel kurz danach das 2:0, bei dem der BVB noch mehr Glück hatte als beim vermeintlichen Elfmeter. Es wäre alles perfekt gewesen, wenn Robert Lewandowski seinen Kopf nicht noch hingehalten hätte. Wiese konnte einen harten Kuba-Schuss nur abprallen lassen und Kagawa beföderte den Ball von links aus wenigen Metern ins Netz. Dort wäre er auch gelandet, wenn unser im Abseits stehender Stürmer ihn nicht berührt hätte. Es war allerdings eine schwache Berührung und deshalb für das Schiedsrichter-Gespann schwer zu sehen. Das Tor wurde von der DFL Kagawa zugeschrieben.

Natürlich war uns BVB-Fans das egal, die Erleichterung war groß und man wusste, dass es das wohl gewesen war. Es gab in der zweiten Hälfte noch ein paar Bremer Standards, die Weidenfeller mit der Faust sicher klären konnte, und einen Schuss kurz vor Schluss, den Hummels per Kopf über die Latte lenkte. Gerade nach dem 2:0 fiel den Bremern ansonsten wenig ein. Deshalb war der Sieg trotz einer umstrittenen und einer falschen Entscheidung von Florian Meyer verdient, denn das Spiel müssen immer noch die Mannschaften gewinnen. Und der BVB hatte im Endeffekt mehr Zwingendes zu bieten. Bester Mann war Shinji Kagawa, der für die nicht so zahlreichen spielerischen Glanzpunkte verantwortlich war. Freistoßkünstler Sahin wurde angeschlagen ausgewechselt, soll aber nicht ernsthaft verletzt sein.

Auf die Borussenspieler wartet nun die letzte Pflichtspiel-Woche vor Weihnachten, da wir bekanntlich nicht mehr im Pokal vertreten sind. Angesichts der letzten beiden Partien könnte man meinen, es sei an der Zeit für die Pause, aber so wie ich Jürgen Klopp und seine schwarz-gelben Jungs kenne, werden sie zumindest noch mal alles versuchen. Ganz besonders am Mittwoch, beim Endspiel in Sevilla. Vielleicht wird Weihnachten einfach um ein paar Tage vorverlegt.

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2 Gedanken zu “Glücklich, aber gerade noch verdient

  1. Dein Optimismus freut mich ja. Ich bleibe jedoch weiter vorsichtig. Warten wir mal den Rückrundenauftakt in Leverkusen ab. Haben wir danach nur noch acht Punkte Vorsprung, ist das durchaus noch aufzuholen. In der letzten Rückrunde hat der BVB nach dem 20. Spieltag noch einen Acht-Punkte-Vorsprung auf Bremen verloren, am Ende standen wir vier Punkte hinter denen.

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