Dietmar Hopp und das operative Geschäft

Es war ruhig geworden um Dietmar Hopp und die TSG Hoffenheim, seit sich der Verein vornehmlich in den mittleren Regionen der Bundesliga-Tabelle herumtreibt. Kritik am ‚Modell Hoffenheim‘ wurde zuletzt häufig als fundamentalistisches Nörgeln einiger Ewiggestriger abgetan. Rein formell genügt der Club den rechtlichen Anforderungen der DFL, auch der viel zitierten 50+1-Regel. Hopp hat in der „TSG Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH“ einen Stimmanteil von nur 49%, obwohl er 96% des Kapitals zur Verfügung stellt.

Das sportliche Geschäft ist Sache von Sportdirektor Tanner und Trainer Ralf Rangnick. Offiziell. Dass es hinter den Kulissen Absprachen und Einflussnahme gibt, war jedem halbwegs kundigen Beobachter klar. In den letzten Tagen zeigte sich jedoch selbst der Öffentlichkeit, dass die Interessen von Hopp und der sportlichen Führung divergieren und sich sogar diametral gegenüberstehen können. Der große Mäzen / Gesellschafter hat ohne Not kundgetan, dass es „sonnenklar“ sei, dass Mittelfeld-Star Luis Gustavo spätestens im Sommer zum FC Bayern wechselt. Auch wenn man nun eine gemeinsame Sprachregelung gefunden hat, widersprach diese Ansage den Ambitionen von Rangnick und Tanner. Hopp legte nahe, dass ein Wechsel schon im Winter nicht ausgeschlossen sei.

Der Hintergrund von Hopps Äußerungen: Nach Jahren der Investitionen will er die TSG mit Hilfe von Transfererlösen ‚auf eigene Beine stellen‘. Es ist nicht davon auszugehen, dass er vor hat, eventuelle Gewinne abzuschöpfen. Trotzdem ähnelt sein Verhalten dem eines x-beliebigen Investoren, der Geld in einen englischen Verein steckt. Die Nichteinmischung ins operative Geschäft, die die 50+1-Regel zum Ziel hat, konterkariert Hopp mit seinen Äußerungen deutlich. Er mischt sich sogar so deutlich ein, wie es die Investoren in England eher selten tun. Gerade die Mehrheitseigentümer, die auch Fans ihres Clubs sind, lassen in der Regel die sportliche Führung, der sie vertrauen, in Ruhe arbeiten. Und es gibt diejenigen, die wie Ipswich Town-Besitzer Marcus Evans überhaupt kein Interesse daran haben, in der Öffentlichkeit zu stehen.

Beides trifft auf Hopp nicht zu. Man kann das schlimm finden, muss es aber nicht. Nur eines sollte sonnenklar sein: Die Richtung bei der TSG Hoffenheim bestimmt Dietmar Hopp, sonst niemand.

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9 Kommentare

  1. Es war offensichtlich noch ärger, als ich mir das gedacht hatte. Karl-Heinz Rummenigge bestätigt, mit Hopp persönlich über den Gustavo-Transfer verhandelt zu haben und Rangnick war nach eigenen Angaben nicht (richtig) darüber informiert. Kein Wunder, dass er jetzt die Konsequenzen gezogen hat.

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  2. So konsequent der Schritt von Rangnick sein mag. Er hat sich in seinen letzten sechs Trainerstation viermal selbst entlassen. Vielleicht erwartet Rangnick auch zu viel von seinem Job, er ist halt „nur“ Trainer.

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  3. @Stefan: Ich mag den Rangnick auch nicht. Aber in diesem Fall sind seine deutlichen Worte angebracht. Wie kann es sein, dass der Verkauf eines Stammspielers durch den Geldgeber, der nicht mal eine offizielle Funktion im Verein hat, beschlossen und abgewickelt wird? Ohne dass der Trainer eingebunden ist? Das ist Vereinspolitik nach Gutsherrenart, die sich kein sportlich Verantwortlicher bieten lassen kann.

    Sicher wird Rangnick die veränderte Ausrichtung des Clubs, die Hopp vorgegeben hat, gekannt haben. Aber wenn der große Mäzen einen wichtigen Spieler eigenmächtig in der Winterpause verkauft (so dringend kann es nicht gewesen sein) – was soll ein Trainer da anders machen?

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  4. @ Nick: Also dass ich Rangnick nicht mag, habe ich nicht gesagt, aber ich gebe dir natürlich grundsätzlich Recht. Trotzdem muss sich Rangnick angesichts dieser Statistik auch selbst an die Nase fassen. Es sollte doch klar sein, dass Hopp mit seinem Spielzeug dass macht, was er will. Er hat in den Verein sehr viel Geld gesteckt, er will die Macht und setzt sich notfalls über die Köpfe anderer hinweg.

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  5. Der springende Punkt ist wohl, wie ’normal‘ man das findet, was Hopp gemacht hat. Man kann das so oder so bewerten. Ich finde es – wie im Beitrag dargelegt – fragwürdig, wenn sich Hopp stärker in die Transferpolitik einmischt als die meisten Clubbesitzer in England, wo keine 50+1-Regel gilt.

    Man kann es natürlich auch in Ordnung finden, dass er die Richtung des Vereins vorgibt. Wie sich aber die Sache mit dem Gustavo-Transfer darstellt – das ist ein starkes Stück, was sich Hopp und seine Erfüllungsgehilfen da scheinbar erlaubt haben. Ich empfehle diesen Link, den ich in den Kommentaren bei „AAS“ gefunden habe. Nach dieser Lektüre kann man mMn Rangnick die Trennungs-Statistik nicht mehr vorwerfen.

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