Schnee und das Mutterland des Fußballs

Schnee schippen oder Premier League im Fernsehen schauen? Vor dieser Wahl standen am 26. und 28. Dezember wohl viele englische Fußballfans – dabei wären sie an diesen traditionellen Spieltagen viel lieber selber im Stadion gewesen. Am ‚Boxing Day‘ (26.12.) sind die britischen Fußballarenen so voll wie selten sonst und auch der Spieltag kurz vor Jahresende erfreut sich großer Beliebtheit, da viele Fans noch Urlaub haben.

In diesem Jahr sind jedoch aufgrund des zweiten strengen Winters in Folge selbst in der Premier League schon eine Reihe von Partien ausgefallen. Besonders stark ausgedünnt wurde der Spielplan natürlich in den unterklassigen Ligen. Der Viertligist Lincoln City aus der ostenglischen Grafschaft Lincolnshire hat seit fünf Wochen nicht mehr gespielt, das letzte Pflichtspiel war die FA-Cup-Begegnung in Hereford am 27. November. Zu allem Überfluss ging diese Unentschieden aus, so dass ein Rückspiel in Lincoln fällig wurde. Dieses soll nun am 8. Januar ausgetragen werden, das für jenen Samstag terminierte Ligaspiel wurde dafür verschoben. Somit müssen die ‚Imps‘ nun insgesamt sechs Partien der League Two nachholen.

Die Schwierigkeit, diese Spiele im verbleibenden Saisonkalender unterzubringen, kümmert Trainer Steve Tilson jedoch erst mal wenig. Am morgigen Neujahrstag soll Lincoln endlich wieder Fußball spielen – im heimischen Stadion „Sincil Bank“ wird der ehemalige Premier League-Club Bradford City erwartet. Der gefrorene Boden ist halbwegs aufgetaut, die Partie wird aller Voraussicht nach stattfinden. Doch Tilson wie auch seine Spieler sind sich bewusst, dass die ‚Match-Fitness‘ nicht so einfach durch Training zu ersetzen ist. Natürlich hat die Mannschaft während der erzwungenen Pause eifrig trainiert – allerdings auf einer künstlichen Oberfläche, auf der man besser nicht voll in die Zweikämpfe gehen sollte, wie Innenverteidiger Adam Watts bei der Pre-Match-Pressekonferenz erklärte. Nun müssen die Spieler nach fünf Wochen Pause gleich wieder voll auf der Höhe sein, denn Bradford hat nach einer 0:4-Klatsche unter der Woche in Cheltenham etwas gutzumachen.

Angesichts dieser schwierigen Umstände, die mit der Häufung von Spielausfällen einhergehen, denkt man in England immer lauter über die Einführung einer Winterpause nach – völlig konträr zur Diskussion, die wir bis letztes Jahr in Deutschland hatten. Damals ging es gerade darum, sich dem englischen Kalender anzupassen, um den Spielplan zu entzerren. Diese Überlegungen dürften nun erst mal auf Eis gelegt sein (tadaa). Es ist allerdings sehr fraglich, ob im Mutterland des Fußballs wirklich der entgegengesetzte Schritt getan wird. Für eine Winterpause plädieren vor allem einige Vertreter der Premier League – die kleineren Vereine möchten in ihrer Mehrheit wohl nicht auf die für sie ungleich wichtigeren Einnahmen aus den Spielen zwischen Weihnachten und Neujahr verzichten. Für die ‚Kleinen‘ wäre eine Verlängerung der Saison im Falle strenger Winter oder eine Abschaffung des League Cups die bessere Alternative.

Mit dem Pro und Contra einer Winterpause für die Football League (Liga 2-4) beschäftigte sich kürzlich das Fanzine „The Seventy Two“.

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