Diesmal keine Medienschelte

Die regelmäßigen Leser von „Any Given Weekend“ wissen, dass ich wie viele Fußballblogger die klassischen Medien kritisch beobachte. Nicht umsonst gibt es in diesem Blog die Kategorie „Medienschelte“. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Ich habe großen Respekt vor gutem Journalismus und bin prinzipiell ein Freund der Printmedien.

Deshalb will ich an dieser Stelle ein Lob aussprechen. In der aktuellen Ausgabe des „Spiegel“ schreibt Jürgen Dahlkamp über die Entwicklung von Borussia Dortmund zum unerwarteten Herbstmeister. Er beginnt mit einem emotionalen Höhepunkt, dem Relegationsspiel gegen Fortuna Köln, und skizziert sachlich, aber trotzdem spannend, was danach passierte. Vieles wird langjährigen Borussen nicht neu sein, aber die eingestreuten Anekdoten und O-Töne dürften nicht alle kennen. Bei aller Sachlichkeit wird der Artikel auch vom emotionalisierenden „Spiegel“-Stil getragen, der mich in der Vergangenheit schon manches Mal geärgert hat, der hier aber genau richtig ist. Es mag kitschig sein, aber wer könnte besser, schöner und wahrer formulieren, wie es unseren Spielern (und uns Fans) gerade geht:

Sie werden also wissen, dass diese Saison einzigartig sein kann, die vielleicht beste Zeit ihres Lebens. Dass sich danach kaum noch etwas so echt, so pur, so gut anfühlen wird. Und dass man ihnen auch nirgendwo dankbarer ist für diesen Moment des Glücks als in einem Verein, der lange das glatte Gegenteil von pur und echt und gut war. (Der Spiegel Nr.2/2011, S.93)

Nach diesem Zitat ist es folgerichtig, dass der Autor dem BVB eine ungewisse Zukunft prophezeit. Dass er bezweifelt, dass dieser Kader auf Jahre zusammenbleiben wird und eine ‚Dortmunder Ära‘ prägen kann. Dahlkamp glaubt an die Macht des Geldes und wer könnte ihm da wirklich widersprechen? Man kann das positiver sehen, aber realistisch ist zumindest, dass sich die Borussia nie sicher sein und sich ausruhen kann. Bis zur Zukunft sollten wir also dem Rat des Artikels folgen und den Augenblick genießen!

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4 Kommentare

  1. Jeder Spieler des BVB sollte sich im Hinblick auf einen Wechsel nochmal verdeutlichen, das man selbst nur in einem gut funktionierenden Team Höchstleistungen bringt. Was nützt einem viel Geld wenn man sich mit den Teamkameraden nicht versteht, sich im Verein nicht wohlfühlt oder wenn die Spielphilosophie nicht von jedem umgesetzt wird. Jürgen Klopp hat es in einem Interview ganz gut formuliert.

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  2. Ich denke, diese Überlegungen werden schon bei manchem eine Rolle spielen. Möglicherweise war das zumindest einer der Gründe für Weidenfeller, zu verlängern. Aber ich denke, viele Fußballer haben auch das Selbstvertrauen zu sagen, ich schaffe es auch anderswo. Ob das dann ein gesundes oder ungesundes Selbstvertrauen ist, stellt sich oft erst nach dem Wechsel heraus.
    Wir müssen den jungen Spielern den Abschied einfach so schwer wie möglich machen. ;-)

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  3. Hab den Artikel jetzt auch mal in Gänze gelesen und kann mich deinem Lob nur anschließen. Es bleibt die Frage, inwieweit die Dortmunder ihren Erfolg versilbern und dann an die Spieler weiter geben können. Bei noch immer 56 Millionen Schulden bleibt der Zwang zur Konsolidierung.

    Und wenn ich bei Nuri Sahin lese, dass da mal locker 10 Millionen Euro Handgeld drin sind, dann kann ich verstehen, wenn – vielleicht mit schwerem Herzen – der Verein gewechselt wird. We´ll see.

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  4. Ja, so schnell werden sich die Superstars in Dortmund nicht die Klinke in die Hand geben. Jetzt kommt auch die ‚Financial Fairplay‘-Regelung und da muss man zumindest auf eine ausgeglichene Bilanz achten. Es wird weiterhin darum gehen, kreative Transfers zu tätigen und Spieler nicht nur finanziell zu überzeugen.

    Der Abschnitt über Sahin gehörte zu den spekulativeren des Artikels. Ob es diese Ausstiegsklausel wirklich gibt, ist nicht gesichert. Das wurde meines Wissens von der Springer-Presse kolportiert und dann weiter verbreitet. Wie du sagst: We’ll see.

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