Brettstarker Turbo-Auftritt

1. Bundesliga, 18. Spieltag / Bayer Leverkusen 1 BVB 3

Eine Überschrift zu Ehren von Jürgen Klopp. Der BVB-Trainer hat es wieder geschafft, die Mannschaft auf den Punkt vorzubereiten – für einen souveränen Auftritt beim Tabellendritten, der gekrönt wurde durch unglaubliche sechs Minuten im Turbomodus.

Es ist schon Wahnsinn. Wieder mal hat diese Mannschaft alle Erwartungen übertroffen und den ausgiebig verbalisierten Hoffnungen der Verfolger einen Dämpfer versetzt. Schon bei der Aufstellung hatte Klopp alles richtig gemacht. Götze spielte zentral offensiv und wirkte bis zu seiner Auswechslung spritzig und überhaupt nicht gehandicappt. Lewandowski vergab zwar eine Riesenchance, war aber engagiert, ins Spiel integriert und gewann das entscheidende Kopfballduell vor dem 2:0. Als später Lucas Barrios eingewechselt wurde, sah man deutlich, dass es bei ihm nicht für 90 oder auch nur 60 Minuten gereicht hätte.

Erstaunlich war, wie schnell die Schwarz-Gelben die Kontrolle über dieses Spiel eroberten. Der Pfosten-Kopfball von Sven Bender in der dritten Minute mag dazu beigetragen haben, dass die Gastgeber Respekt hatten. Nicht ganz einsichtig war mir, dass Heynckes Vidal und Barnetta zunächst auf der Bank ließ. Solche Spieler hätte es gegen den BVB von Anfang an gebraucht. So dominierten wir schnell das Mittelfeld und setzten gut nach, es fehlte nur die Genauigkeit bei den Pässen in die Spitze. Vieles lief durch die Mitte, auch weil die Leverkusener ihren Gästen dort viel Platz ließen. Mehrmals wurde es dann doch vorne gefährlich. Von einem Pass von Subotic durch die Leverkusener Deckung war Lewandowski wohl etwas überrascht und brachte den Ball allein vor Adler nicht am Torwart vorbei. Ein paar Minuten später wurde ein Schuss des Stürmers knapp neben das Tor abgefälscht.

Die Gastgeber hatten zwar zwei Szenen, in denen Kießling halbwegs aussichtsreich vor dem Tor auftauchte, insgesamt wirkten sie aber deutlich weniger gefährlich als der BVB. Was auch an der wieder sehr präsenten, souveränen Viererkette der Schwarz-Gelben lag.

Nach dem Wiederanpfiff machte ich mir kurz Sorgen wegen der verletzungsbedingten Auswechslung von Sven Bender. Diese lösten sich dann innerhalb von sechs Minuten in Luft auf. Niemand wusste, wie ihm geschah – nicht wir Fans und schon gar nicht die Spieler von Bayer Leverkusen. Die drei Tore wurden begünstigt durch schlechtes Stellungsspiel (1:0, 3:0) und einen verlorenen Zweikampf (2:0) der Werkself, aber es war auch ein unheimlicher, fast schon rauschhafter Druck, den die Borussen nach dem ersten Treffer aufbauten. Ein Einwurf von Piszczek wurde zur Vorlage für den im Strafraum frei stehenden Großkreutz, nachdem die Verteidiger nicht oder nur mit der Hand an den Ball kamen. Das 2:0 wurde durch den schon angesprochenen Kopfball von Lewandowski eingeleitet – in der Folge blieb der ganz offensichtlich wiedererstarkte Großkreutz eiskalt. Beim 3:0 spielten Lewandowski und Großkreutz die entscheidenden Pässe und Götze vollstreckte beeindruckend souverän durch Adlers Beine.

Selbst als der BVB den Turbo wieder ausschaltete, fiel Leverkusen zunächst keine Antwort ein. Die Schwarz-Gelben hätten noch erhöhen können, etwa mit dem Versuch eines Hebers durch Barrios, der nach seiner Einwechslung ansonsten blass blieb. Erst als sich die drei auf einmal eingewechselten Leverkusener etwas akklimatisiert hatten, bauten die Gastgeber Druck auf. Die letzte Viertelstunde war nicht mehr so souverän von der Borussia, aber wer will das dieser Mannschaft gegen diesen Gegner verdenken? Es reichte für Leverkusen noch zum Anschlusstreffer durch Kießling und wäre das 3:2 gefallen, wer weiß…aber der Konjunktiv zählt nicht.

Alles in allem war es eine großartige Leistung. Gerade den vor der Winterpause leicht kriselnden Großkreutz und Kuba oder dem angeschlagenen Götze muss man das hoch anrechnen. Lewandowski spielte, als ob er immer 90 Minuten spielen würde. Die Defensive stand bis zur Schluss-Viertelstunde absolut sicher, Weidenfeller musste nur selten eingreifen. Sahin und da Silva blieben unauffällig – man merkte, dass es Leverkusen darauf abgesehen hatte, vor allem Nuris Spielraum zu begrenzen.

Nun schauen wir auf die Tabelle und sehen dort spanische Verhältnisse: Einen Vorsprung von 13 Punkten und gar von 16 auf den amtierenden Meister, der seinen Worten mal wieder keine Taten folgen ließ. Die größte Gefahr ist nun nachlassende Konzentration. Selbst wenn es nur ein paar Prozent wären – fast alle Gegner, die noch kommen, können uns an einem guten Tag Probleme bereiten. Bestimmt auch der nächste Gast im Westfalenstadion, der VfB Stuttgart. Im Moment deutet jedoch wenig darauf hin, dass Nachlässigkeit droht.

Interessanterweise vermelden die „Ruhr Nachrichten“, dass die Verhandlungen der Schwaben mit Tamas Hajnal in einem fortgeschrittenen Stadium sind. Möglicherweise wechselt der Spielmacher noch vor dem nächsten Spieltag an den Neckar. Mir erscheint es jedoch wahrscheinlicher, dass Michael Zorc sich bis dahin Zeit lässt. Freuen wir uns einfach auf dieses Spiel wie auf die anderen 15, die noch kommen!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, Bender (46. da Silva) – Großkreutz (87. Santana), Götze (68. Barrios), Kuba – Lewandowski. Gelbe Karte: Großkreutz. Tore: Großkreutz (2), Götze

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