Dortmund lässt die Ernte auf dem Feld

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1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 1 VfB Stuttgart 1

Die Borussia zeigt ein ordentliches Spiel gegen eine gute Auswärtsmannschaft, versäumt es aber, die drei Punkte abzusichern. Die Chancenverwertung könnte gegen gut stehende Gegner in der Rückrunde zum Problem werden.

Niemand war überrascht, dass Toni da Silva und Mario Götze von Beginn an spielen konnten. Nicht gerechnet hätten die meisten wohl mit dem erneuten Startelf-Einsatz von Lewandowski – Barrios saß zunächst auf der Bank. Das Spiel begann offen und der VfB ließ den Ankündigungen seines Trainers Taten folgen. Zwar hatte Lewandowski die frühe Führung auf dem Fuß, aber danach spielten die Gäste so, wie man es von einer starken Auswärtsmannschaft erwarten darf: Sehr gut sortiert, mit Pressing in der eigenen Hälfte und mit gefährlichen Vorstößen, wenn möglich. Die Schwarz-Gelben hatten mehr vom Spiel, aber die Schwaben zwei brenzlige Kopfballgelegenheiten.

Das flüssige Kombinationsspiel des BVB sah man durchaus in Ansätzen, es mangelte aber erneut an der Genauigkeit der Pässe im Offensivbereich – was nur zum Teil durch die gute Positionierung der Stuttgarter Abwehrspieler zu erklären ist. Was es gegen einen Gegner, der deutlich stärker ist als sein Tabellenplatz, nicht braucht, sind ständige Versuche, mit der Hacke zu tricksen. Das klappte heute leider nur beim VfB. Andererseits ist das schnelle Dortmunder Spiel von Natur aus fehleranfälliger und bringt uns dennoch immer wieder Ertrag. Häufig ist es noch dazu herrlich anzusehen, wie in der 43. Minute. One-Touch-Fußball par excellence von Schwarz-Gelb: langer Pass von Hummels, Sahin leitet von links direkt weiter zum halblinks laufenden Großkreutz, der legt ab auf Götze und der kann sich den Ball sogar noch auf den rechten Fuß legen, um dann platziert zu treffen.

Der BVB ging zum Ende der vom Chancenverhältnis fast ausgeglichenen ersten Hälfte in Führung und startete beflügelt in die noch intensiveren zweiten 45 Minuten. Das Übergewicht der Schwarz-Gelben war nun deutlich ausgeprägt, die Gäste lauerten aber weiter und hatten selbst zwei, drei hochkarätige Gelegenheiten. Trotzdem hätte die Borussia in den ersten 20-25 Minuten nach der Pause das Spiel entscheiden müssen. Die unglücklichste Figur gab Robert Lewandowski ab, der seine Chance heute leider nicht nutzen konnte. Nach der frühen Szene zu Beginn des Spiels vergab er eine weitere gute und eine fast 100%ige Gelegenheit, als er das Tor praktisch für sich hatte und nach Zuspiel von Götze aus etwa 12 Metern knapp verzog. Pech hatte Sahin, dessen Schuss noch abgefälscht wurde. Großkreutz und der natürlich noch eingewechselte Barrios trafen ebensowenig.

Man kann dem BVB weder vom Engagement noch von der Physis her einen Vorwurf machen. Es lag in der zweiten Halbzeit einzig und allein an der Chancenverwertung und am immer stärker werdenden VfB-Keeper Ulreich. Die Kurzbeschreibung könnte lauten: Der BVB spielte, Ulreich hielt, Stuttgart konterte und traf doch noch. Es hatte in der Luft gelegen. Welcher Fußballfan kennt das nicht? Deine Mannschaft spielt gegen einen ernstzunehmenden Gegner, vergibt eine Chance nach der anderen und deine Sorge wird größer und größer. Wer die Chancen nicht nutzt…die wohl älteste Fußballweisheit der Welt. Es war ein wirklich gelungener Angriff der Gäste in der 84. Minute. Der Ball lief schnell über halblinks, in der Mitte leitete ein Stuttgarter den Ball mit der Hacke zu Pogrebnyak weiter und der vollendete mit einem satten Schuss in den Winkel. MMn war es weniger ein Fehler des insgesamt starken Schmelzer, der plötzlich allein gegen zwei Mann stand – jemand (Hummels?) hätte den Hackentrick in der Mitte unterbinden müssen.

Nachdem Ulreich noch mal hervorragend einen Barrios-Schuss (oder Kopfball, habe ich mir in dieser Phase nicht gemerkt) über das Tor lenkte, war es das. 1:1. Hätte Bender möglicherweise den späten VfB-Konter unterbunden? Hätte Kagawa besser getrickst als die, die auf dem Platz standen? Eine natürlich müßige Diskussion. Was ich sagen will: Es war ärgerlich, so spät den Ausgleich zu kassieren. Es kann aber passieren. Auch uns.

Wer trotzdem schon seine persönliche Meisterfeier plant, sollte das Spiel noch mal genau analysieren (genau diejenigen werden das natürlich nicht machen). Solche Spiele können uns immer wieder passieren, wenn wir unsere Chancen nicht nutzen. Trotzdem war es von vielen Borussen ein ordentliches Spiel: Die Defensive stand größtenteils gut, da Silva und Götze machten überhaupt keinen angeschlagenen Eindruck. Und mal ganz grundsätzlich: Wen interessiert eigentlich das Geblöke von Uli Hoeneß?

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, da Silva – Großkreutz (85. Feulner), Götze, Kuba (64. Barrios) – Lewandowski (90. Stiepermann). Tor: Götze

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