Vorsprung durch Qualität

1. Bundesliga, 20. Spieltag / VFL Wolfsburg 0 BVB 3

Es war anders als in Leverkusen. Nicht so intensiv, dafür unglaublich souverän. Und noch beeindruckender, da die Borussia 90 Minuten lang Herr im fremden Haus war. Die Auswärtsmannschaft zu sein, aber überhaupt nicht wie eine zu spielen – dazu gehören viel Selbstbewusstsein und mannschaftliche Qualitäten.

Wolfsburgs Trainer Steve McClaren setzte alles auf eine Karte und überraschte alle Beobachter, die nicht beim VFL eingebettet sind: In der Startelf standen die angeschlagenen Sascha Riether, Mario Mandzukic und Grafite. Dumm nur, dass lediglich der brasilianische Stürmer noch zur zweiten Halbzeit auflaufen konnte, um dann nach 67 Minuten und einer nennenswerten Torchance ebenfalls ausgewechselt zu werden. Die Aufstellung spricht nicht für McClarens Vertrauen in den Kader und dementsprechend äußerte sich der Trainer auch nach dem Spiel.

Den BVB ließ die Zusammensetzung der Wolfsburger Startelf völlig kalt. Klar – es ist ein Vorteil für eine starke Auswärtsmannschaft, wenn man nach zwei Minuten in Führung geht. Mario Götze bewies im betreffenden Spielzug zum ersten und nicht letzten Mal, dass er zurzeit Shinji Kagawa gut ersetzen kann. Die Flexibilität und sein tolles Auge beeindrucken jedes Mal aufs Neue. Seine offizielle Position war die Offensivzentrale, das erste und zweite Tor bereitete er jedoch über rechts vor. In diesem Fall war es eine schöne Flanke auf Barrios, die dieser dank atlethischem Einsatz mit der Fußspitze ins Tor bugsierte. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt war klar: ein fitter Barrios tut den Schwarz-Gelben gut. Der Treffer erinnerte an den Bayern-Ausgleich in Bremen durch Arjen Robben.

In den ersten zehn Minuten fiel besonders auf, was sich im wesentlichen durch das ganze Spiel ziehen sollte: Der BVB war unheimlich souverän in der Defensive und dominant im Mittelfeld. Balleroberung, -behauptung und -kontrolle waren vom Feinsten, die Ruhe und Passgenauigkeit vor allem in der eigenen Hälfte faszinierend. Das lag am wiedervereinten Duo Sahin und Bender im defensiven Mittelfeld genauso wie an der eingespielten Innenverteidigung. Vor allem Nuri lieferte erneut ein brillantes Spiel ab, das durch sein Abstauber-Tor in der 40. Minute gekrönt wurde. Zuvor war Barrios‘ Schuss nach Götzes Flanke von Madlung geblockt worden, möglicherweise mit der Hand.

Ich hatte das Mittelfeld im Vorbericht angesprochen. Dass da bei Wolfsburg außer von Diego wenig Impulse kamen, war ein Hauptgrund dafür, dass sich die Gastgeber mit drei Chancen zufriedengeben mussten. Eine davon hatte der Spielmacher selber mit einem gefährlichen Distanzschuss, den Weidenfeller zur Seite abwehrte. Beim Nachschuss von Grafite kriegte unsere Nummer 1 dann rechtzeitig die Beine zusammen. Wolfsburg spielte allerdings gar nicht so schlecht wie das bisher klingt. Sie kämpften sich ins Spiel und beschränkten die Chancenzahl des BVB. In der ersten Hälfte waren da noch ein Schuss von Götze und ein Kopfball von Barrios, in der zweiten klärte Torwart Benaglio gut gegen Großkreutz und Schmelzer. Als Heimmannschaft, die einem Rückstand hinterherläuft, muss man sich jedoch mehr Chancen erarbeiten – dass die Schwarz-Gelben das so souverän unterbanden, war das Beeindruckendste an der Leistung.

Die größte Schrecksekunde für die Borussia war die Behandlungsphase von Roman Weidenfeller nach einem Zusammenprall mit Johnson. Ich hätte allerdings Mitchell Langerak definitiv zugetraut, dieses Spiel gut zu Ende zu bringen. Als dann Sahin in der 71. Minute nach einer Ecke den zweiten Versuch perfekt in den Strafraum brachte und Mats Hummels am langen Pfosten zum 3:0 traf, war es sowieso gelaufen. Der einzige mögliche Kritikpunkt: Neven Subotic handelte sich an der Außenlinie gegen Pekarik eher unnötig die fünfte Gelbe Karte ein und fehlt am Freitag im Derby. Im Moment sehe ich aber auch mit Felipe Santana an der Seite von Mats Hummels keinen Grund, vor der Offensive der Blauen sonderlich Angst zu haben. Die andere, zum Glück folgenlose Gelbe Karte für Lukasz Piszczek war übrigens total überzogen.

Ich habe gestern ein fast perfektes Auswärtsspiel gesehen, das mit dem zehnten Sieg in der Fremde endete. In solch einer Partie, bei diesem nominell stark besetzten Gegner, kann man nicht erwarten, dass in der Offensive jeder Ball ankommt, die Flügelspieler die Gastgeber überrennen und 15 Großchancen herausgespielt werden. Dass die Schwarz-Gelben das Spiel auswärts derart im Griff hatten und drei blitzsaubere Tore erzielten, sagt manches über Wolfsburg, aber viel mehr über uns aus. Es war eine unheimlich geschlossene Mannschaftsleistung, gegenüber der höchstens der angeschlagene und später ausgewechselte Kuba ein wenig abfiel. Das Fazit kann ganz kurz ausfallen: Es sieht gut aus.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels (75. Santana), Subotic, Piszczek – Sahin, Bender – Großkreutz, Götze (90. Zidan), Kuba (71. Lewandowski) – Barrios. Gelbe Karten: Piszczek, Subotic. Tore: Barrios, Sahin, Hummels

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