Ein einziger Derbysieger

Standard

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 0 FC Schalke 0

Der Einzige, der sich nach dem Derby am Freitag in gewisser Hinsicht als Gewinner fühlen darf, ist Torwart Manuel Neuer. Durch seine sensationelle Leistung kann er bei seinem zukünftigen Arbeitgeber womöglich 500.000 Euro Jahresgehalt mehr aushandeln. Wer das sein wird, ist ungewiss. Der FC Schalke wird es sehr wahrscheinlich nicht sein, denn mit solchen Leistungen kommt man nie und nimmer in den Europapokal.

Bei ihrer Bekanntgabe war ich zunächst überrascht über die nominell offensive Aufstellung der Blauen. Schnell zeigte sich aber, dass meine Vermutung vom Mittwoch zutraf, dass die Gäste abwartend und defensiv auftreten würden. Und das ist noch euphemistisch ausgedrückt. Sie kamen nämlich in der ersten Halbzeit so gar nicht ins Spiel, hatten dementsprechend keine Torchance und waren mit dem 0:0 richtig gut bedient. Der BVB dominierte nach Belieben und hatte erstklassige Gelegenheiten durch Götze, Kuba und Barrios (und das waren nur die besten). Mario und Jakub scheiterten an Neuer – wie noch so einige an diesem Abend. Die Schwarz-Gelben zeigten tolles Pressing und flüssiges Passspiel, aber das Tor wollte nicht fallen.

Das Szenario eines im Derby über sich hinauswachsenden Manuel Neuer hatte ich im Vorbericht ja ebenfalls skizziert, mir aber natürlich nicht gewünscht und in dieser Form dann doch nicht erwartet. Der Schalker Keeper glänzte vor allem durch perfektes Positionsspiel, kam immer im richtigen Moment aus dem Kasten – am spektakulärsten sicherlich in der 77. Minute, als er weit außerhalb des Strafraums mit der Brust gegen den durchgebrochenen Lewandowski klärte. Den im Anschluss folgenden Torschuss von Götze fing er dann schon wieder vor dem Tor.

Trotzdem lag es nicht nur an Neuer, dass der BVB das Derby-Double nicht schaffte. Es war auch Pech dabei: Barrios traf  nach einer Flanke von Piszczek den Pfosten und später tat es ihm Mario Götze gleich. Mario war dabei der Erste, der Neuer mal umkurvt hatte, obwohl ihn der Torwart noch stören konnte. Die Schwarz-Gelben hätten durchaus schon früher beim Abschluss etwas anders machen können. Die zweite Halbzeit war insgesamt nicht mehr so gut wie die erste. Das lag zum einen an den Schalkern, die im Mittelfeld früher attackierten, zum anderen wirkten manche Dortmunder Pässe zwischen der 45. und 75. Minute überhastet und manchmal auch der Frustration geschuldet.

Der zweite Schlüsselspieler für das 0:0 könnte Nuri Sahin gewesen sein. Er schoss zwar ordentliche Standards, aber sonst war der Freitag nicht unbedingt seiner. Wir sahen mehr Fehlpässe von ihm als gewöhnlich und er hatte keinen dieser genialen Momente, die ein Spiel entscheiden können. Da stellte ihn vorgestern sogar Sven Bender in den Schatten, der den Lupfer zu Mario Götze spielte, bevor der den Pfosten traf. Trotzdem ist das keine Schuldzuweisung an Nuri. Man kann diese Genialität nun wirklich nicht in jedem Spiel erwarten, alles in allem war es ein solider Auftritt.

Ganz stark agierte dagegen die Defensive, allen voran Mats Hummels. Obwohl die Schalker in der zweiten Hälfte geringfügig besser wurden, ließ unsere Abwehr nur zwei Torchancen des Noch-Vizemeisters und CL-Teilnehmers zu. Hummels blieb sogar noch Zeit, sich hin und wieder in Angriffe einzuschalten. Felipe Santana machte seine Sache ebenfalls sehr gut. Zwar wirkt er aufgrund seiner Schlaksigkeit manchmal etwas unsicher, aber das ist in der Regel nur eine optische Täuschung. Lukasz Piszczek konnte genauso überzeugen, seine und Kubas rechte Seite war auch offensiv aktiver als die linke.

Es gab keinen zweiten Derbysieg, obwohl die Borussia über 90 Minuten die klar bessere Mannschaft war. Jürgen Klopp sagte danach, dass man das akzeptieren muss und kann. Er hat wie meistens Recht, denn wir spielen nicht jede Woche gegen den besten Torwart Deutschlands und schießen nicht jede Woche zweimal gegen den Pfosten. Dafür haben wir nun zweimal hintereinander nur zwei Chancen des Gegners zugelassen. Dieses Urteil hatte ich übrigens schon getroffen, bevor gestern die Verfolger in Nürnberg und Köln verloren. Die Bayern verspielten dabei wie später ihre alten Rivalen aus Mönchengladbach einen Zwei-Tore-Vorsprung und wurden nicht wie die Gladbacher vom Schiedsrichter benachteiligt. So wurde der BVB zwar nicht zum Derby-, aber immerhin zum Spieltagssieger.

Im Moment sieht es also richtig gut aus. Was man vom Derbygegner nicht sagen kann. Da feierte die Mannschaft mit den Fans nach dem Spiel zwar den Derbypunkt wie einen Sieg, aber das war nicht mehr als Folklore. Diese Einstellung und diese Leistung als Erfolg und Aufbruch zu verkaufen ist mehr als lächerlich. Ein Jahr nach der Vizemeisterschaft (und einer Saison mit zwei Derbysiegen) gibt sich S 04 mit der Rolle als krasser Außenseiter zufrieden – peinlich. Es deutet kaum etwas darauf hin, dass diese ‚Mannschaft‘ noch über die Liga den Europapokal erreicht. Die Borussia kann damit dagegen langsam zu planen anfangen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Santana, Hummels, Piszczek – Sahin, Bender – Großkreutz (73. Lewandowski), Götze, Kuba (89. Zidan) – Barrios. Gelbe Karten: Bender, Großkreutz.

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4 Gedanken zu “Ein einziger Derbysieger

  1. Andy

    auch wenn wir hier zwei Punkte verschenkt haben, ist es mir immer noch lieber das wir Chancen herausspielen und sie nicht machen, anstatt überhaupt keinen Abschluss zu haben..

    Trotzdem kann man ja nach dem Spieltag von einem Punktgewinn sprechen, da die Konkurrenten einfach zu unfähig sind um uns ernsthaft in Verlegenheit zu bringen..

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  2. @Zottel: Dann habe ich wohl Manni und Lukasz verwechselt. Könnte an der ähnlichen Haarfarbe und -länge gelegen haben. ;-)

    @Andy: Das habe ich auch gleich so gesehen. Wir haben ja wieder gut gespielt und vor allem hinten kaum etwas zugelassen. Der Samstag war dann natürlich perfekt, wenn auch überraschend.

    @Do not mention the war: Ja. Denn eigentlich waren sie genauso schwach wie im Hinspiel.

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