Lobe nie den Schiedsrichter – vor dem Spiel

Standard

1. Bundesliga, 22. Spieltag / 1.FC Kaiserslautern 1 BVB 1

Da sage ich einmal vor einer Partie etwas zum Schiedsrichter, noch dazu was Positives, und dann so was. Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob Florian Meyers Gelb-Rote Karte gegen Neven Subotic dem BVB den Sieg gekostet hat – wir werden keine Antwort finden. Die Schwarz-Gelben hatten in einem guten Spiel noch andere Probleme als den Unparteiischen.

Kuba hatte sich am Freitag im Training eine leichte Knieverletzung zugezogen. Für ihn kam Landsmann Robert Lewandowski in die Mannschaft und besetzte das zentrale offensive Mittelfeld. Nun wissen inzwischen alle, dass Robert ein Stürmer ist und ganz vorne besser zur Geltung kommt. Vermutlich traute Jürgen Klopp Mohamed Zidan noch keinen Einsatz über 90 Minuten zu – sonst wäre ein Versuch mit ihm auf der ’10‘ oder der rechten Außenbahn lohnenswert gewesen. So musste Mario Götze nach rechts rücken.

Der BVB hatte trotzdem seine Chancen, mehrere wurden von Lewandowski vorbereitet, aber gegen stark kämpfende Lauterer hätten es noch mehr sein können. Es fehlt in Abwesenheit von Shinji Kagawa und mit Götze auf der Außenbahn an Kreativität in der Zentrale. Nuri Sahin braucht nicht nur einen defensiven, sondern auch einen offensiven Partner – sonst fokussiert sich der Gegner auf ihn und kann ihn mal mehr, mal weniger, aus dem Spiel nehmen. Lewandowski ist eben nicht der flinke, kreative Dribbler, sondern in seiner gestrigen Rolle eher ein klassischer ‚target man‘, der die Bälle annimmt und im Idealfall schnell weiterverarbeitet. So einer ist jedoch leichter auszurechnen.

Mario Götze interpretierte seine Rolle wie so häufig flexibel und zog oft nach innen, um im Zentrum für Gefahr zu sorgen. Das führte aber wiederum dazu, dass wenig gefährliche Flanken von den Flügeln kamen – nur der bis auf wenige Ausnahmesituationen gut aufgelegte Piszczek konnte sich da hin und wieder auszeichnen. Leider kommt mir der linke Flügel in dieser Hinsicht zurzeit etwas lahm vor. Kevin Großkreutz spielt auch gerne etwas zentraler und Marcel Schmelzer rückte selten bis in die Nähe der Grundline vor, hatte allgemein wenig Offensivaktionen.

Trotz dieser Defizite war es eine gute Partie – was aber an beiden Mannschaften lag. Die Lauterer holten vor ausverkauften Rängen alles aus sich heraus. Spielerisch waren trotzdem die Schwarz-Gelben besser und kontrollierten vor allem in der ersten Hälfte das Spiel. In dieser Phase wurden die Zweikämpfe im Mittelfeld größtenteils gewonnen und viele Bälle erobert. Und der BVB hatte Torchancen: Es fing früh mit dem Pfostenschuss von Lucas Barrios an, später kam Großkreutz zweimal im Strafraum in aussichtsreicher Position an den Ball, traf jedoch zweimal die falsche Entscheidung – nicht zügig zu schießen – und scheiterte an Rodnei respektive Torwart Sippel.

Die Chancenverwertung ist ausbaufähig, denn es werden momentan generell zu oft falsche Entscheidungen getroffen. In anderen Situationen wurde zu überhastet aus der Distanz abgezogen, so probierte Sahin zwei überflüssige ‚Fernlupfer‘ gegen Sippel. Der Vollständigkeit halber sei aber auch erwähnt, dass der Ball auf dem schlechten Boden öfter versprang, was gerade bei Kevins Chancen eine Rolle gespielt haben könnte.

Der FCK war optisch leicht unterlegen, hatte aber seine Momente. Da war natürlich der 35-Meter-Lattenkracher von Christian Tiffert, dem Mittelfeldmotor der Pfälzer. Etwas später rettete der aus dem Tor geeilte Weidenfeller stark mit dem Arm gegen Ilicevic. In den letzten 15 Minuten der ersten Halbzeit blieb das Spiel zwar intensiv, aber die Strafraumszenen wurden weniger. Und so war es auch in der zweiten Spielhälfte. Es gab selten ein Durchkommen durch die Abwehrreihen und die Zahl der hohen Bälle nahm zu. Eine Ausnahme war die 53. Minute, als Großkreutz einen Ball toll zum frei stehenden (und inzwischen über links spielenden) Götze weiterleitet, der jedoch am immer stärker werdenden Sippel scheitert. Der Keeper klärte später nach einer Ecke auch gegen Subotic.

Das Spiel blieb zwar spannend, wurde aus Dortmunder Sicht aber immer frustrierender. Bis die Erlösung in der 81. Minute doch noch kam. Und was für eine. Endlich ging es mal über die Flügel: Lukasz Piszczek läuft fast bis zur Grundlinie und legt dann zurück in den Strafraum zu Götze. Dessen Schuss wird abgeblockt, Sven ‚Manni‘ Bender nimmt den Ball auf, bringt sich noch in Schussposition und zieht ab – unhaltbar ins linke Eck. Sein erstes Bundesliga-Tor. Für Manni dürfte es alle Schwarz-Gelben besonders gefreut haben, denn er macht die ‚Drecksarbeit‘ und kommt selten aussichtsreich in Schussposition. Großartig!

Es schien die Entscheidung zu sein, aber jetzt muss ich doch auf den von mir am Donnerstag gelobten Schiedsrichter Florian Meyer eingehen. Machen wir es chronologisch. Lewandowski gegen Ilicevic im Strafraum ließ Meyer zu Recht weiterlaufen. Es war vermutlich eine Schwalbe, zumindest jedoch kein Foul. Auf der anderen Seite lag der Schiedsrichter ebenfalls richtig. Mario Götze wird von Petsos nicht elfmeterreif gefoult und es war eher ein unabsichtliches Handspiel, der Lauterer trifft den Ball im Fallen gar nicht richtig. Bei der Zweikampfbewertung und der Kartenvergabe lag Meyer jedoch manchmal daneben – meist zuungunsten der Dortmunder. Die erste gelbe Karte gegen Subotic war hart, aber noch vertretbar. Als später Rodnei Zidan viel heftiger in den Rücken sprang, gab es jedoch nichts. Der Ägypter musste nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung wieder raus.

Jeder hat spätestens im Fernsehen gesehen, dass die Gelb-Rote Karte gegen Neven lächerlich war. Florian Meyer hätte es auch sehen müssen, denn er war nicht weit weg. In erster Linie sollte der Finger aber auf Srdjan Lakic gerichtet sein. Der zeigte sich erneut charakterlos, als er im Laufduell in Subotic hineinlief und sich fallen ließ. Muss man so etwas von einer Mannschaft akzeptieren, die im Abstiegskampf steckt und zurückliegt? Nein, denn es war zu offensichtlich.

Es sah danach aus, als könne der BVB den Sieg in Unterzahl recht souverän über die Zeit bringen, bis es in der 90. Minute noch mal Ecke für Lautern gab. Tiffert bringt sie rein, Lucas Barrios‘ Abwehrversuch landet mit Pech kurz vor der Strafraumgrenze. Dort lauert Jan Moravek, der abzieht, die rausrückenden Schwarz-Gelben kommen eine Idee zu spät. Es war aus Lauterer Sicht ein schöner Treffer und der späte Schock für uns. Ob das Tor gefallen wäre, wenn mit Subotic ein Stamm-Abwehrspieler mehr in der Verteidigung gewesen wäre, werden wir nie erfahren.

Man könnte jetzt sagen, dass die toll eingestellten und kämpfenden Gastgeber einen Punkt verdient hatten. Jürgen Klopp vertrat diese Meinung in seinem erstaunlich souveränen, wieder mal sehr guten Sky-Interview nach Spielschluss. Natürlich sprach er auch die lächerliche Gelb-Rote Karte an und ich würde ihm nur insofern widersprechen, dass man mit so einer miesen Schwalbe, die zum Platzverweis des Gegenspielers führt, eigentlich nichts verdient hat.

Apropos Fernsehen. Dass Marcel Reif eher FCK-affin kommentieren würde, war ja zu erwarten. Geärgert habe ich mich eher über Boris Büchler vom ZDF, der nach den ‚Topspielen‘ fürs Sportstudio die Trainer interviewt. Wie fantasielos war das denn wieder? Zuerst stellte er Jürgen Klopp Fragen zu den umstrittenen Szenen. Muss man machen, ist ja auch interessant. Intelligente Fragen zum sonstigen Spielverlauf oder zu den nächsten Spielen? Keine. Dafür wieder mal die Frage nach der Meisterschaft. Begründet mit der Sorge, der BVB würde es womöglich gar nicht merken, wenn man Meister wäre. Kein Wunder, dass Klopp in der Antwort zumindest anklingen ließ, was er von der Frage hielt. Sollte das etwa investigativ sein, Herr Büchler? Und wie passen da Ihre unterwürfigen Interviews mit Louis van Gaal dazu?

Zurück zum Sport. Der BVB hatte gestern die bereits angesprochenen Probleme plus einen nicht immer perfekt eingebundenen Lucas Barrios, eine gelegentlich defensiv anfällige linke Seite mit einem mäßigen Marcel Schmelzer und einen zwei-, dreimal unaufmerksamen Neven Subotic. Das ist noch kein Grund zu größerer Sorge. Manche anderen Vereine wären froh über ein 1:1 auf dem Betzenberg – auch wenn der späte Ausgleich natürlich enttäuschend war. Nächsten Samstag treffen die Schwarz-Gelben im Westfalenstadion auf neu verlegtem Rasen und hoffentlich wieder mit Kuba auf den FC St. Pauli. Das ist ein Spiel, das man dann gewinnen sollte.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, Bender – Großkreutz, Lewandowski (75. Zidan (82. da Silva)), Götze (86. Santana) – Barrios. Gelb-Rote Karte: Subotic. Tor: Bender

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7 Gedanken zu “Lobe nie den Schiedsrichter – vor dem Spiel

  1. Andy

    Festzuhalten bleibt, das am Samstag sich kaum jemand in Normalform präsentierte.
    Götze ist auf dem Flügel verschenkt, Lewandowski kann die Rolle auf der 10 nicht ausfüllen, Barrios hängt in der Luft, Sahin spielte hatte eine hohe Fehlpassquote und Schmelle und Großkreutz waren kaum zu sehen.

    Ich denke das man den ersten Elfer hätte geben können aber nicht müssen, da Robert einfach zu unbeholfen an Ilicevic rangeht, dieser sich aber zu theatralisch fallen ließ..
    Das Handspiel auf der anderen Seite war andererseits für mich klar. Wer dem Ball zweimal mit der Hand eine entscheidende Richtungsänderung gibt, kann nicht ausversehen draufgefallen sein, sorry..
    ich denke aber das Meyer dies nicht so genau gesehen hat.

    Die gelb rote Karte für Neven war dann allerdings zu hart.
    Erstens hätte man beim ersten Foul nicht zwingend gelb geben müssen, dann hätte Rodney bei seinem Foul auch gelb sehen müssen, und die offensichtliche Aktion von Lakic war nun mehr als albern..
    Wenn er schon drauf reinfällt dann höchstens Foul und nicht gelb rot..

    Schade das man den Sieg nicht über die Zeit gerettet hat. Das Spiel gegen Pauli sollte man tunlichst gewinnen, denn sonst könnte gegen die Bayern das große Flattern beginnen.

    Obwohl die auch erstmal in Mainz gewinnen müssen und bald die int. Partien beginnen, von daher bin ich erstmal vorsichtig optimistisch.

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  2. Betzebub

    Schöner Bericht und treffend analysiert. Fairerweise musst Du aber zugeben, daß das Unentschieden gerecht war. In der 81. die Führung zu erzielen ist eigentlich die Entscheidung, aber auf dem Betze eben niemals.
    Es war ein tolles Spiel mit einer spielerisch stärkeren Borussia. War ja auch zu erwarten. Aber mit Kampf und Leidenschaft muss man eben auf dem Betze rechnen…
    Ganz ganz hervorragend die Fans des BvB. Geschätzte 8ooo machten während des Spiels eine tolle Stimmung und so war die komplette Spielzeit ein Höllenlärm in der Hölle :-) weil ja auch der FCK-Anhang nicht gerade leise ist. Sehr nette Gespräche mit Gästefans die absolut respektvoll sich verhalten haben. Chapeau! Und sich bei einer Gedenkminute für einen verstorbenen FCK Spieler ins Schweigen einzureihen ist auch nicht mehr alltäglich.
    Tradition kann man nicht kaufen und am Samstag hat man gesehen, wie schön ein Fußballspiel im Stadion sein kann. Herrlich.
    Da hat man gesehen wer die besten Fans in Deutschland hat!
    Ach ist das schön nach 4 Jahren wieder eine gleichwertige Fangruppe auf dem Betze zu haben :-)
    Von daher gönne ich dem BvB die Meisterschaft (ist ja eh schon sicher) und werde ein Pils auf Euch trinken.

    Zur roten Karte muss ich zugeben, daß nacj Studium der TV Bilder es keine war, noch nicht mal ein Foul. Aber wenn 50.000-8000 laut schreien, knickt so mancher Schirri ein, ist schon 50 Jahre so aufm Betze.
    Rodneis Foul würde ich nicht überbewerten, beide gehen hoch zum Kopfball…

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  3. Ja, da hatte Klopp schon Recht nach dem Spiel: Wir haben am Samstag nicht so gut gespielt und (für unsere Verhältnisse) zu wenig Chancen herausgearbeitet.

    Ich bin kein Freund schneller Elfmeterpfiffe, das zeigt sich wohl auch bei meiner Einschätzung der beiden fraglichen Situationen. Lewandowski hat Ilicevic gar nicht oder nur minimal berührt – kann man mMn nicht geben.

    Die Situation mit Götze habe ich mir noch mal angeschaut, weil einige geschrieben haben, es sei elferwürdig gewesen. Wirklich zu erkennen ist nur ein Handspiel, als Petsos fällt und mit einer Hand auf den Boden patscht und dabei den Ball streift. Für mich sah das nicht nach unnatürlicher Handbewegung oder Absicht aus, sondern nach einem Abstützreflex. Aber das werden wir wohl auch nie klären können So viel zum Thema Videobeweis. ;-)

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  4. Andy

    Ja ich denke im Endeffekt war es ok beide Elfer nicht zu geben.. Ich hätte mir nur gewünscht das er seine Linie auch bei der Vergabe der gelben Karten so durchgezogen hätte..

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  5. Allerdings. Auch wenn das alle Schiedsrichter bestreiten, fragt man sich schon, ob eine aufbrausende Geräuschkulisse nicht doch manchmal dazu verleitet, schneller eine Karte zu ziehen. Aber Felipe wirds am Samstag schon richten – glaube nicht, dass St. Pauli noch mal so viel Glück hat wie gestern.

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  6. @Betzebub: Sorry, der Kommentar hing ein paar Tage im Spamfilter fest, keine Ahnung wieso. Ich habe das Spiel in der Kneipe gesehen und auch dort hat man schon die tolle Stimmung erahnen können. Aufgrund der kämpferischen Leistung hätte der FCK ein Unentschieden verdient gehabt – ich fand es nur schade, dass diese Schwalbe am Ende belohnt wurde.

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