Duell der Spitzenreiter

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(Updated) Ich war ziemlich überrascht, als ich gestern nach dem Sieg des FC St. Pauli im Hamburger Derby hörte, dass der Aufsteiger nun die beste Rückrundenmannschaft stellt. Tatsächlich hat der Kiezclub nach der Winterpause 11 Punkte aus fünf Partien geholt und dabei auch 11 Tore erzielt – so gesehen treffen am Samstag im Westfalenstadion zwei Spitzenreiter aufeinander. In der zweiten Hälfte der Hinrunde hatte St. Pauli noch unter der extremen Harmlosigkeit seines Sturms gelitten. Probleme mit der Chancenverwertung scheint inzwischen der BVB zu haben. Sind daher die Gäste am Samstag sogar favorisiert?

So weit ist es natürlich noch nicht. Wer gestern zumindest die Zusammenfassung des Spiels in Hamburg gesehen hat, weiß, wie glücklich der Sieg war. Der HSV hatte jede Menge hochkarätiger Torchancen, aber St. Pauli nutzte eine Standardsituation. Das hört sich bekannt an? Stimmt, bei diesen Worten könnte es manch Schwarz-Gelbem mulmig werden. Auf der anderen Seite befindet sich der Derbysieger von gestern nun im psychologischen Ausnahmezustand. Nach dem Spiel waren die Emotionen nach über 30 Jahren ohne Sieg gegen den HSV deutlich zu sehen. Und der Fußball  schrieb mal wieder ein Märchen: Benedikt Pliquett, dritter Torwart bei St. Pauli, wurde von Trainer Stanislawski mit einem Derby-Einsatz von Beginn an belohnt. Letztes Jahr war der Keeper, der vor sieben Jahren beim HSV ausgemustert wurde, von Hooligans des Erzrivalen attackiert worden. Nun gelang ihm die Revanche.

Pliquett wird am Samstag vermutlich nicht im Tor stehen. Aber auch die anderen Spieler müssen nach dem Derbysieg wieder mit dem Ligaalltag zurechtkommen – obwohl ein Auftritt beim Tabellenführer im Westfalenstadion nicht ganz alltäglich ist. Ob sie den Derbysieg bis dahin verdaut haben und noch mal so viel Glück haben werden? Beim üblichen Verdächtigen kann man zumindest an ersterem zweifeln. Gerald Asamoah sollte unbedingt zusammen mit der Mannschaft im Bus oder Zug anreisen, sonst findet er womöglich den Spielort nicht:

Wir wollen auch in Lüdenscheid siegen, sind immer für Überraschungen gut.

Die Borussia muss sich wieder mehr Chancen erarbeiten als in Kaiserslautern und mehr verwerten als gegen Schalke, dann klappt es auch mit den drei Punkten. Denn wir spielen weder auf dem Betzenberg noch gegen Manuel Neuer.

Personell sah es beim BVB schon besser aus in dieser Saison. Kuba musste gestern einen Comeback-Versuch im Training abbrechen und wird wegen seines Kapseleinrisses im Knie gegen St. Pauli fehlen. Da Mohamed Zidan nach der rüden Attacke von Rodnei noch Rückenschmerzen hat, wird vermutlich erneut Robert Lewandowski zentral offensiv beginnen und Mario Götze nach links oder rechts außen rücken. Das ist keine Optimallösung, könnte aber gegen eine weniger aufmerksame Abwehr trotzdem mal funktionieren. Prinzip Hoffnung, klar. Lewandowski muss im übrigen bis Samstag noch einen grippalen Infekt auskurieren.

Nicht sonderlich euphorisch hat Jürgen Klopp das Comeback von Sebastian Kehl in der Regionalliga aufgenommen. Er sieht den Kapitän noch entfernt von der Normalform und würde ihn lieber regenerieren lassen als ihn am Samstag im Kader zu haben. Die Personalie könnte dann wichtig werden, wenn Sven Bender wider Erwarten nicht rechtzeitig fit wird. Mit Toni da Silva und Markus Feulner stünden jedoch noch zwei Alternativen bereit. In der Abwehr muss bekanntlich Neven Subotic aus fragwürdigen Gründen erneut aussetzen und Felipe Santana bekommt eine weitere Chance.

Gerald Asamoah wird am Samstag seinem alten Freund Roman Weidenfeller voraussichtlich auf dem Spielfeld gegenüberstehen. Ein anderer Ex-Schalker, Innenverteidiger Zambrano, ist dagegen gesperrt. Außerdem fehlen den Gästen drei weitere Defensivkräfte: Kapitän Morena sowie die beiden Rechtsverteidiger Rothenbach und Lechner. Rechts hinten kam bei St. Pauli daher in den letzten Spielen der vor der Saison vereinslose und zuletzt in England tätige Moritz Volz zum Einsatz – ein möglicher Schwachpunkt (Kicker-Notenschnitt: 4,1).

Der Fakt, dass der FC St. Pauli Rückrunden-Spitzenreiter ist, sollte der Borussia als Warnung dienen. Überheblichkeit sehe ich momentan jedoch nicht als echte Gefahr. Wenn die Schwarz-Gelben wieder annähernd das Niveau vom Derby erreichen, werden sie gegen den Derbysieger von Hamburg erfolgreich sein.

UPDATE: Gerald Asamoah wird morgen weder in Lüdenscheid noch in Dortmund Fußball spielen. Dafür vermutlich auf der Couch sitzen und Fernsehen schauen. Eine Knieprellung macht den Einsatz des zuletzt erfolgreichen Stürmers unmöglich. Der engagierte Mittelfeld-Stammspieler Fabian Boll wird St. Pauli ebenfalls verletzungsbedingt fehlen. Ich sage nicht, dass das gut ist – aber der BVB steht jetzt in der Pflicht, die Situation auszunutzen.

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