Die Ambitionslosen

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Vor dem 26. Spieltag der 1. Fußball-Bundesliga hat jeder Verein noch etwas, für oder gegen das es sich zu kämpfen lohnt – bis auf die TSG Hoffenheim. Niemand glaubt nach dem sportlichen Schlingerkurs, der nun in ein Taumeln übergegangen zu sein scheint, noch an die Europa League, denn die ist neun Punkte entfernt. Genauso unrealistisch ist jedoch der Abstieg, denn von Platz 16 trennen die Sinsheimer immerhin acht Punkte und sieben Plätze. Die TSG ist nicht die erste graue Maus der Bundesliga-Geschichte. Überraschend ist nur, wie willenlos sich der Aufsteiger der letzten Jahre unter dem neuen Trainer Marco Pezzaiuoli in sein Schicksal fügt.

Den Grundstein für die Entwicklung legte der zukünftige Ex-Mäzen Dietmar Hopp mit der Entlassung von Ralf Rangnick in der Winterpause. Die Vorgaben und Hintergedanken waren klar: Der Verein soll oder muss mit weniger Geld auskommen und verstärkt auf den eigenen Nachwuchs setzen. Mit Pezzaiuoli hofften Hopp und Konsorten, eine Art Jürgen Tuchel mit dem Aussehen von Joachim Löw verpflichtet zu haben. Nur wurde der Neuling im Januar vor vollendete Tatsachen in Form eines nicht ausbalancierten Kaders gestellt, den Bayern-Freund Hopp von der Resterampe des Rekordmeisters ‚verstärkte‘.

Möglicherweise gelingen den Verantwortlichen der TSG im Sommer einige Korrekturen – vorerst heißt es für die Fans im Rhein-Neckar-Raum jedoch: Lasst alle Ambitionen fahren! Selbstverständlich wird jedoch am Samstag eine Mannschaft mit elf Spielern auf dem Platz stehen, die versuchen werden, gegen Borussia Dortmund zu gewinnen. Dabei werden zwei wichtige Abwehrleute fehlen. ‚Old Boy‘ Josip Simunic mangelte es zuletzt nicht nur an der Physis, sondern laut Pezzaiuoli auch an der nötigen Einstellung. Linksverteidiger Andreas Ibertsberger ist einfach nur verletzt, so wie Mittelfeldspieler Tobias Weis und Langzeitausfall Chinedu Obasi. Der neue, junge, flinke Stürmer Peniel Mlapa fehlt wegen Gelbsperre.

In dieser Situation erscheint es fraglich, ob den Gastgebern außer Härte ein Mittel gegen den Tabellenführer einfällt. Auch wenn der BVB vom Verletzungspech nicht verschont geblieben ist. Für übermorgen sind Lucas Barrios, Kuba, Mats Hummels und Sebastian Kehl fraglich, bei allen vieren ist ein Einsatz aber noch nicht ausgeschlossen. Ein größerer Rückschlag wäre der gleichzeitige Ausfall von Barrios und Kuba, da dann in der Offensive größere Umbauarbeiten nötig wären. Wenn Hummels fehlt, ist das immer ein Verlust, aber paradoxerweise angesichts der guten Auftritte von Felipe Santana nicht extrem tragisch. Für Sebastian Kehl wäre auch am Samstag ohnehin nur der Platz auf der Bank vorgesehen gewesen.

Die Voraussetzungen werden sich für die Schwarz-Gelben in den nächsten Wochen ähneln. Es geht noch einige Male gegen Mannschaften, die in der Krise stecken, die man angesichts des riesigen Vorsprungs eigentlich schlagen müsste, die aber immer noch genug Qualität im Kader haben, um im Idealfall als Sieger vom Platz zu gehen. Wie immer wird auch für die Hoffenheimer die Motivation gegen den Tabellenführer besonders hoch sein. Wie immer in dieser Saison wird der BVB die Schwächen der gegnerischen Defensive aufdecken oder sie zu Fehlern zwingen. Und wie immer wird die Chancenverwertung eine entscheidende Rolle beim Ergebnis spielen – so herrlich einfach ist der Dortmunder Fußball zurzeit.

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