Homo Sympathicus

Einer meiner BVB-Lieblingsspieler der letzten Jahre kehrt zurück: Florian Kringe. Ja, der, der eigentlich schon lange weg sein sollte, weil er angeblich nicht zum Tempofußball von Jürgen Klopp passt. Gestern ist der von zwei aufeinanderfolgenden Mittelfußbrüchen genesene 28-jährige wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Die Hoffnung ist da, dass er die Verletzung dieses Mal richtig auskuriert hat.

Florian Kringe ist in gewisser Hinsicht ein Opfer der heute beinahe steinzeitlich anmutenden Prä-Klopp-Ära. Der Fußball, den die Borussia damals spielte, war häufig langweilig und manchmal schlecht. Kringe ragte durch sein Engagement und seine immer vorhandene Motivation heraus. Spielerisch ist er vielen vor allem durch seine Fehlschüsse in Erinnerung, aber das beruht auf selektiver Wahrnehmung, denn bis zum Strafraum ist er kein Schlechter. Durch die dröge Doll-, Röber und späte van Marwijk-Zeit ist ein Schatten auf die Leistungen von Florian gefallen. Es war nicht ohne Grund und aus damaliger Sicht verständlich, dass sein Vertrag zu für ihn sehr guten Konditionen langfristig bis 2012 verlängert wurde.

Kringe wird heute als ein Relikt aus der Vergangenheit betrachtet, das den BVB vor allem viel Geld kostet. Letzteres ist eine Tatsache, ersteres dagegen eine Wertung, der ich nicht vorbehaltlos zustimme. Und das nicht nur deshalb, weil Kringe für einen Fußballer sehr sympathisch und intelligent rüberkommt. Er spielt seit seiner Jugend bei der Borussia – mit Ausnahme der Leihaufenthalte in Köln und Berlin – und hat sich immer mit diesem Verein identifiziert. Der springende Punkt ist jedoch: Ich finde nicht, dass er als Back-Up zu schlecht für uns ist. Florian ist vielseitig und technisch kann er eben doch was.

Natürlich wird er kaum wieder Stammspieler beim BVB werden. Er könnte jedoch der Ausweg aus dem Dilemma um Julian Koch sein. Der noch an den MSV Duisburg ausgeliehene, ebenfalls sehr vielseitige Koch wird wahrscheinlich bis Ende des Jahres verletzt ausfallen. Wenn wir den auslaufenden Vertrag mit Patrick Owomoyela nicht verlängern, stünden wir also mit nur einem Rechtsverteidiger da – wenn Kringe wie geplant den Verein verlassen sollte. Bliebe Kringe, wären wir nicht auf eine Verlängerung mit Owomoyela oder eine Neuverpflichtung angewiesen, sondern könnten die paar Monate mit Florian als Back-Up überbrücken.

Dieser Vorschlag beruht auf drei Prämissen: Erstens müsste Kringe fit bleiben und an seinen früheren Leistungsstand anknüpfen können. Das haben vor ihm viele Rekonvaleszenten geschafft, andere nicht. Zweitens wäre er, wenn Prämisse 1 gegeben ist, nicht schlechter als Patrick Owomoyela. Drittens wird Florian im Sommer, ein Jahr vor Vertragsende und nach langwieriger Verletzung, ohnehin schwer woanders unterzubringen sein.

Sicher werden mir hier nicht alle folgen. Ich denke, es könnte sich trotzdem lohnen, einem fitten Florian Kringe noch eine Chance zu geben. Antonio da Silva hat gezeigt, dass mancher beinahe Ausgemusterte noch mehr drauf hat als man denkt. Ich weiß, Kringe ist teurer – aber wer mal von Kurz- auf Langzeitgedächtnis umschaltet, weiß, was wir mal an ihm hatten. Rein vom Charakter her könnten wir einen solchen Spieler schon in den nächsten Wochen gebrauchen.

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