Traumtore gegen den neuen Lieblingsgegner

1. Bundesliga, 28. Spieltag / BVB 4 Hannover 96 1

Lange Zeit war Hannover 96 eher ein Angstgegner der Borussia. Ich erinnere mich vor allem an viele unbefriedigende Auswärtsspiele. Nach dem heutigen Sieg hat der BVB jedoch in drei der letzten vier Partien gegen die Niedersachsen vier Tore erzielt (und jeweils gewonnen). Das könnte von mir aus gerne der neue Standard werden.

Der kleine HSV spielt ohne Zweifel eine hervorragende Saison, die ich Mirko Slomka trotz seiner blauen Vergangenheit sogar gönne. Es gab gestern allerdings schon die fünfte Niederlage mit drei oder mehr Toren Unterschied, die Mannschaft bricht nach einem Rückstand öfter ein. In diesen Fällen zeigt sich, dass das Team (noch) nicht die Geschlossenheit des BVB und auch nicht die gleiche Qualität hat.

Das Ergebnis fällt natürlich deutlicher aus als es das Spiel lange Zeit war. Die Borussia tat sich vor allem in der Anfangsphase schwer. Da mag etwas Nervosität dabei gewesen sein, aber Hannover versteht es auch sehr gut, mit Dortmunder Mitteln – defensive Disziplin, konsequentes Pressing – zu operieren. Es dauerte eine gute Viertelstunde, bis sich die Schwarz-Gelben eine Feldüberlegenheit erspielen konnten. Schnelles, schnörkelloses Spiel war in Ansätzen zu sehen, wurde jedoch von der gegnerischen Viererkette oder dem berühmten fehlenden letzten Pass in seiner Wirksamkeit eingeschränkt. So blieb es bei vereinzelten Chancen der Borussia, die mal wieder ungenutzt blieben.

Lucas Barrios hatte in der 18. Minute allein vor Fromlowitz die Führung auf dem Fuß – anstelle eines Schusses kam jedoch nur ein Schieber Richtung linke Ecke heraus, den der Torwart unschädlich machen konnte. Barrios entsprach gestern dem Klischee vom unsichtbaren Torjäger: Lange Zeit nicht zu sehen (was nicht lauffaul bedeutet), ohne Fortune, um dann in der letzten halben Stunde noch zwei Treffer und eine Vorlage rauszuhauen.

Es gab kaum andere Chancen in der ersten Hälfte. Ein Distanzschuss von Lewandowski war gut gezielt, aber nicht gut genug. In einer Szene hätte es Elfmeter für den BVB geben können, wenn keine Abseitsstellung vorgelegen hätte. 96 agierte jedoch auch nicht furchteinflößend. Es gab eine Chance durch Ya Konan, ansonsten erzeugten die Gäste höchstens über Standards Gefahr. In einem fairen Spiel sorgte Pinto für einen negativen Ausreißer, als er nach eigenem Foulspiel einen Auftritt als Amateur-Schauspieler hinlegte und sich den Kopf hielt, als ob eine Dortmunder Tätlichkeit vorgelegen habe.

Das Führungstor für Hannover in der 57.Minute war überraschend, aber nicht, wie es fiel. Die Gäste führten eine Ecke kurz aus, so dass Pinto mit Übersicht flanken konnte. Es wurde nicht ganz klar, ob Abdellaoue eher Schmelzer oder Piszczek entwischte, er konnte den Ball jedoch über die Linie drücken. Zu diesem Zeitpunkt deutete manches auf die Fortsetzung der kurzen Ergebniskrise hin. Viele redeten nach dem Schlusspfiff von einem ‚Hallo wach‘-Effekt, den der Gegentreffer gehabt habe. In Wirklichkeit haben wir es der Einzelleistung von Mario Götze zu verdanken, dass wir so schnell zurück ins Spiel fanden. Der jüngste schwarz-gelbe Feldspieler bekam im Mittelfeld den Ball und setzte sich mit einem Solo gegen die gesamte Hannoveraner Defensive durch. Dass sein Abschluss noch leicht von Haggui abgefälscht wurde, tut nichts zur Sache. Nach ein paar unauffälligeren Auftritten zeigte Super Mario wieder, was für ein sensationeller Spieler er ist.

Es war diese beeindruckende Einzelleistung, dieser Kraftakt, der dem Rest der Mannschaft ein Vorbild gewesen sein muss. Ab da waren alle zu 100% bei der Sache und eben viel effektiver als zuvor. Die Führung fünf Minuten später wurde durch einen schönen weiten Pass auf den Flügel von Sven Bender vorbereitet, Piszczek brachte eine perfekte Flanke in den Strafraum und Lucas Barrios machte diesmal mit dem Kopf alles richtig – es war der Auftakt zu seiner persönlichen Show. Etwa zehn Minuten später erzielte der Argentinier im Nachschuss das 3:1, den entscheidenden Pass hatte zuvor erneut Götze gespielt. Weitere zehn Minuten danach folgte dann das Tor, das mit dem ersten von Götze um den Schönheitspreis konkurrieren kann: Wieder kam die Hereingabe von Piszczek bei Barrios an, der leitete per Hacke weiter in den freien Raum links vom Tor, wo Kevin Großkreutz den Ball erlief und ins Netz schoss.

Endlich war der Rausch zurück. Nicht der von Hannover, sondern der, in den sich die Schwarz-Gelben in dieser Saison regelmäßig gespielt haben und den wir in den letzten Partien ein wenig vermissten. Es ist ja völlig egal, dass es ohne Mario Götze vielleicht anders ausgegangen wäre – er ist eben Borusse und was für einer. Beim Torjubel zeigte er sein ‚Dede-Unterhemd‘ und kassierte dafür Gelb. Und auch wenn ich normalerweise nicht viel von Botschaften unter dem Trikot halte – diese war natürlich genau richtig.

Es hat sich auch in diesem Spiel gezeigt, dass die Meisterschaft kein Selbstläufer ist und sein wird. Aber die letzte halbe Stunde macht viel Hoffnung, dass die Mannschaft bereit ist für die ganz heiße Phase, die jetzt kommt. Lucas Barrios war  wieder in Torlaune. Marcel Schmelzer und vor allem Lukasz Piszczek auf den Außen konnten überzeugen. Sven Bender, Subotic, Hummels und natürlich Mario Götze zeigten sich unbeeindruckt von zwei Punktverlusten und den Auftritten mit den Nationalmannschaften. Neven Subotics Einsatz hatte sich erst am Samstag abgezeichnet.

Manche Medien und ein paar Fans werden nun wieder sagen: Das war jetzt aber das Meisterstück. Eine Mannschaft, die so spielt, muss doch Meister werden. Gegen diese Kurzsichtigkeit helfen wohl nur Zahlen. Der BVB hat sechs Spiele vor Schluss sieben Punkte Vorsprung. Erinnern wir uns an 2002: Da haben wir an den drei letzten Spieltagen fünf Punkte auf Leverkusen aufgeholt. Um genau zu sein haben sogar der 32. und 33. gereicht. Echte Big Points könnten uns nächsten Samstag in Hamburg gelingen, denn in der Woche darauf kommt es ja zum Verfolgerduell Bayern gegen Bayer. Reden wir nach dem 30. Spieltag wieder über die Meisterschaft!

Ich rede zum Abschluss lieber über Dede. Oder lasse ihn selber reden:

Ich weiß noch nicht, wohin ich gehe. Aber eins ist klar: Nach Schalke gehe ich nie! (…) Ich werde in meinem Vertrag festschreiben lassen, dass ich in diesem Stadion nicht gegen Borussia Dortmund spielen muss.

Ich weiß noch nicht, was wir am 14. Mai feiern werden. Sicher ist nur wen. Dede, ich weiß, du bist noch sechs Spiele Borusse, aber wir vermissen dich jetzt schon!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels (80. Santana), Subotic, Piszczek – Sahin, Bender – Großkreutz, Lewandowski (71. Kuba), Götze (85. da Silva) – Barrios. Gelbe Karte: Götze. Tore: Götze, Barrios (2), Großkreutz

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3 Kommentare

  1. Unglaublich wie Barrios es immer wieder und wieder schafft, die leichten Dinger zu versemmeln und die schwierigen zu machen..
    Das Tor von Mario kam wirklich genau richtig. Ich möchte mir lieber nicht ausmahlen wie es gewesen wäre, wenn wir dem Rückstand noch 20 min. hinterhergelaufen wären.
    Das Götze eine Gelbe Karte bekommen hat muss ich wohl übersehen haben, mir war so als wenn er nur sein Shirt hochgezogen hatte und mit dem Mund fest hielt..egal..
    Schade das Vizekusen noch den Siegtreffer geschossen hat. 9 Punkte Vorsprung wären ein gutes Polster gewesen. Bei dem Auftritt der Bayern gestern kann ich mir allerdings nicht vorstellen das sie Leverkusen in 2 Wochen wirklich ernsthaft gefährden können. Durch sind wir noch lange nicht. Hamburg wird ein schwieriges Pflaster

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  2. Es wird seit ein oder zwei Jahren auch bestraft, wenn du als Spieler durch das Hochziehen des Trikots irgendwelche Botschaften verbreitest, selbst wenn es nur der Gruß an einen Mitspieler ist. In harmlosen Fällen kommt einem das natürlich komplett lächerlich vor, wenn es irgendwelche fragwürdigen politischen Parolen wären, wäre es etwas anderes.

    Auf das Spiel Bayern gegen Bayer bin ich sehr gespannt. Generell hat Leverkusen in München fast immer schlecht ausgesehen, zuletzt haben sie 1989 in München gewonnen. Gut, das war bei uns ähnlich. ;) Ich hoffe, dass die Bayern sich für ein solches Spitzenspiel noch mal motivieren können. Leverkusen hat ja auch nicht immer glänzend gewonnen.

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